Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Ostkirchliche Themen.

Moderator: Walter

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Alexander
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Beitrag von Alexander » Mittwoch 1. März 2006, 01:16

Mathias Bauer hat geschrieben:Na da werden sich die wiederverheirateten Geschiedenen aber freuen.
Eben darum finden die Orthodoxen das Vorgehen der römischen Kirche gegenüber den Geschiedenen falsch.
Wer da noch Zweifel hat, studiere unser gemeinsames konziliares und patristisches Erbe, und sehe, was das Wort "Exkommunion" bedeutet.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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platon
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von platon » Mittwoch 27. Februar 2013, 00:44

Hi allerseits,

sorry daß ich diesen Thread wieder nach oben hole.

Daß die orientalischen Kirchen bei uns die Sakramente empfangen dürfen geht aus aus Can 844 § 3 aus. Ihnen werden mehr oder weniger die gleichen Bedingungen gestellt wie den römischen Katholiken.

Wenn ich mir Can 884 § 2 anschaue, so lese ich im letzten Abschnitt: "...in deren Kirche die genannten Sakramente gültig gespendet werden." D.h., wenn die Gefahr des Indifferentismus gegeben ist, und es auch keinen geistigen Nutzen gibt, die Sakramente zu empfangen, ist es "nicht erlaubt" aber "gültig", dies zu tun, sofern unsere Kirche deren Sakramente als gültig erkannt hat. Wenn es aber einen gerechtfertigten Anlaß gibt, dies zu tun, etwa wenn man einen orthodoxen Ehepartner hat und als Zeichen der Einheit zur Kommunion gehen will, und wenn man sofern in der eigenen Konfession gefestigt ist, dann darf man auch. Hingegen, wenn in einer Teilkirche diese Sakramente nicht gültig empfangen werden, dann versteht sich das von selbst, daß man auch das nicht darf; damit sind die evangelische Denominationen meistens gemeint.

Und dann habe ich das hier gefunden:
http://www.oki-regensburg.de/ostkirch.htm

Die russische Synode hat es 1986 erlaubt, daß Katholiken bei ihnen kommunizieren dürfen, das Dekret aber gleich wieder "suspendiert" bis die Schwesternkirchen ebenfalls nachziehen.
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platon
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von platon » Mittwoch 27. Februar 2013, 01:22

Das hier noch als Anregung. Ich weiß es nicht, inwieweit diese Ansichten von anderen orthodoxen Schwesternkirchen geteilt wird.

http://www.orthodoxie-in-deutschland.de ... bigen.html
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Mary
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Mary » Mittwoch 27. Februar 2013, 08:49

platon hat geschrieben:Die russische Synode hat es 1986 erlaubt, daß Katholiken bei ihnen kommunizieren dürfen, das Dekret aber gleich wieder "suspendiert" bis die Schwesternkirchen ebenfalls nachziehen.
Dann bleibt das vorerst mal so, wie es jetzt ist: Keine Interkommunion.
platon hat geschrieben:Und dann habe ich das hier gefunden:
http://www.oki-regensburg.de/ostkirch.htm
Daraus:
Kann das orthodoxe Kind mit den katholischen Kindern der Klasse zur Erstkommunion gehen?
Selbstverständlich, es ist dann nicht ERSTkommunion (die hat es schon mit der hl. Taufe empfangen), sondern Feierliche Kommunion, wie vielleicht für manches katholische Kind, das zur "Frühkommunion" gegangen ist.
Kann das orthodoxe Kind mit den katholischen Kindern zur Firmung gehen?
Selbstverständlich, es ist dann nicht das Sakrament der Firmung (die hat es schon mit der hl. Taufe empfangen), sondern eine Gelegenheit, mit den anderen nach vorn zu treten, den Glauben zu bezeugen, einen persönlichen Segen zu bekommen. Der Bischof oder Firmspender muss vor der Feier informiert werden oder spätestens vom Paten, wenn der Pate mit dem "Firmling" vor ihm steht.
Gegenfrage:
Aus welchem Grund sollte ein orthodoxes Kind das wollen? Um "dazuzugehören"?

Lg Mary
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Florianklaus
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Florianklaus » Mittwoch 27. Februar 2013, 08:56

Hallo Mary, die Ökumeneeuphoriker vom OKI muß man nicht immer ganz ernst nehmen.

Germanus
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Germanus » Mittwoch 27. Februar 2013, 09:29

Bei den Ökumeneeuphorikern des Instituts muss sich wohl eher ein grundlegendes Problem der Durchdringung aufgetan haben: Sie scheinen (nach durchaus moderner Manier) davon auszugehen, dass man dem Menschen durch Unsinnigkeiten nachlaufen muss. Durch scheinbares Gutmenschentum ist dem Kind nicht unbedingt geholfen, da es sich ja auch sonst in einer anderen Gemeinde beheimatet fühlen wird. Das macht die praktische Umsetzung solcher Feiern eines größeren Kollektivs mit "Diasporaanteil" freilich nicht einfacher.
Gruß G.
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platon
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von platon » Mittwoch 27. Februar 2013, 09:46

Ich bin kein Ökumeneeuphoriker. Zudem ist es so, daß selbst Jesus am Ölberg beim Vater gebetet hat, daß wir eins sind. Er hat nicht mit dem erhobenen Finger zu uns gesprochen und uns gemaßregelt in etwa: "Wehe ich euch trennt!" Ich halte mit dem heiligen Vater auch dran fest, die Einheit wird mehr ein Ergebnis des Heiligen Geistes als der Klugheit so mancher Theologen sein. Als guter Katholik ist es für mich selbstverständlich, daß man die Einheit der Christen will. Hingegen wollen ein Großteil der evangelischen Brüder keine große Kirche, wozu denn sagen sie.

Papst Benedikt sagte einmal im Castel Gandolfo, die Einheit mit den evangelischen Christen wird kaum möglich sein, denn die ist in tausend Denominationen unterteilt. Aber wir können Schritte einer Einheit der Herzen gehen, sodaß wir eines Tages, so Gott es will, zu einer äußeren Form der Einheit finden.
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von lutherbeck » Mittwoch 27. Februar 2013, 09:52

...Papst Benedikt sagte einmal im Castel Gandolfo, die Einheit mit den evangelischen Christen wird kaum möglich sein, denn die ist in tausend Denominationen unterteilt. Aber wir können Schritte einer Einheit der Herzen gehen, sodaß wir eines Tages, so Gott es will, zu einer äußeren Form der Einheit finden.
Richtig - das wäre gut! :daumen-rauf:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

Pilgerer
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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 27. Februar 2013, 10:30

platon hat geschrieben:Ich bin kein Ökumeneeuphoriker. Zudem ist es so, daß selbst Jesus am Ölberg beim Vater gebetet hat, daß wir eins sind. Er hat nicht mit dem erhobenen Finger zu uns gesprochen und uns gemaßregelt in etwa: "Wehe ich euch trennt!" Ich halte mit dem heiligen Vater auch dran fest, die Einheit wird mehr ein Ergebnis des Heiligen Geistes als der Klugheit so mancher Theologen sein. Als guter Katholik ist es für mich selbstverständlich, daß man die Einheit der Christen will. Hingegen wollen ein Großteil der evangelischen Brüder keine große Kirche, wozu denn sagen sie.

Papst Benedikt sagte einmal im Castel Gandolfo, die Einheit mit den evangelischen Christen wird kaum möglich sein, denn die ist in tausend Denominationen unterteilt. Aber wir können Schritte einer Einheit der Herzen gehen, sodaß wir eines Tages, so Gott es will, zu einer äußeren Form der Einheit finden.
Im Himmel ist Gott alles möglich, auch die Einheit der Christen. Es kann aber jeder heute schon die soziale Einheit mit anderen gottesfürchtigen Christen suchen, indem er an ihrem Wohlergehen Anteil nimmt (vgl. Römer 12) und ihnen einen Platz im eigenen Herzen einräumt. Christen sind aktuell die am meisten verfolgte Religionsgruppe weltweit. Es wäre zu wünschen, wenn es da mehr gegenseitige Anteilnahme und politischen Einsatz gäbe.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von lutherbeck » Mittwoch 27. Februar 2013, 10:55

Pilgerer hat geschrieben:
platon hat geschrieben:Ich bin kein Ökumeneeuphoriker. Zudem ist es so, daß selbst Jesus am Ölberg beim Vater gebetet hat, daß wir eins sind. Er hat nicht mit dem erhobenen Finger zu uns gesprochen und uns gemaßregelt in etwa: "Wehe ich euch trennt!" Ich halte mit dem heiligen Vater auch dran fest, die Einheit wird mehr ein Ergebnis des Heiligen Geistes als der Klugheit so mancher Theologen sein. Als guter Katholik ist es für mich selbstverständlich, daß man die Einheit der Christen will. Hingegen wollen ein Großteil der evangelischen Brüder keine große Kirche, wozu denn sagen sie.

Papst Benedikt sagte einmal im Castel Gandolfo, die Einheit mit den evangelischen Christen wird kaum möglich sein, denn die ist in tausend Denominationen unterteilt. Aber wir können Schritte einer Einheit der Herzen gehen, sodaß wir eines Tages, so Gott es will, zu einer äußeren Form der Einheit finden.
Im Himmel ist Gott alles möglich, auch die Einheit der Christen. Es kann aber jeder heute schon die soziale Einheit mit anderen gottesfürchtigen Christen suchen, indem er an ihrem Wohlergehen Anteil nimmt (vgl. Römer 12) und ihnen einen Platz im eigenen Herzen einräumt. Christen sind aktuell die am meisten verfolgte Religionsgruppe weltweit. Es wäre zu wünschen, wenn es da mehr gegenseitige Anteilnahme und politischen Einsatz gäbe.
Bravo - Du sprichst mir aus dem Herzen! :daumen-rauf:

Und damit fängt man am besten schon hier im Forum an... :ja:

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Re: Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 23. April 2013, 12:03

Gibt es für heterodoxe Christen noch die räumliche Abgrenzung als "Katechumen" im Gottesdienst?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Ilija
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Re: Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Ilija » Dienstag 23. April 2013, 13:07

Pilgerer hat geschrieben:Gibt es für heterodoxe Christen noch die räumliche Abgrenzung als "Katechumen" im Gottesdienst?
Nööö...! Nur in ein paar Klöstern aber eher selten!

Mary
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Re: Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Mary » Freitag 26. April 2013, 07:51

Pilgerer hat geschrieben:Gibt es für heterodoxe Christen noch die räumliche Abgrenzung als "Katechumen" im Gottesdienst?
Heterodoxe Christen sind nicht automatisch Katechumenen, oder? Sondern Gäste...
Solche Gäste dürfen natürlich in der Kirche stehen, und manche, die von orthodoxen Gläubigen begleitet sind, tun das auch. Leute, die "einfach mal zusehen" wollen, haben eher die Tendenz, sich im Narthex oder sonst ganz hinten aufzustellen... um nicht so aufzufallen. Solche holen wir dann freundlich nach vorne, damit sie auch was sehen und beantworten ihnen allfällige Fragen.
Lg Mary
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Linus
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Re: Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von Linus » Freitag 26. April 2013, 09:55

Stimmt , wenn auch manchmal etwas ungeschickt. (Mir passiertm als ich zufällig wochentags bei den Serben in eine Liturgie "platzte" - gesteckt volle Kirche, aber ein Mutterl hat sich meiner angenommen, und das dritte was kam war (das erste war der Hinweis daß ich nicht zur Kommunion dürfe), ich solle mich frei fühlen in die Kollekte soviel zu geben wie ich möchte) ;) an ein nach vorne gehen war nicht zu denken, so voll war die kirche.
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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martin v. tours
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Re: Am orthodoxen Gottedienst teilnehmen?

Beitrag von martin v. tours » Freitag 26. April 2013, 15:21

Da wir regelmässig in Wien "bei den Russen" sind, kann ich Dir nur empfehlen die einmal monatlich stattfindende Liturgie in deutscher Sprache mit zu verfolgen.
http://www.nikolsobor.org/SITE/index.ph ... nstordnung

Mir hat das beim Verständniss sehr geholfen.
martin v. tours
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
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