Heilige und Große Synode 2016

Ostkirchliche Themen.

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Raphael
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Raphael » Dienstag 21. Juni 2016, 22:17

Anselmus hat geschrieben:Die Orthodoxen trennt nicht irgendein Grad an Konservatismus von den Piusbrüdern, sondern eine komplett andersartige Theologie.
Diese Aussage ist - zumindest auf der Basis einer christlichen Theologie - nicht haltbar. :hmm:
Anselmus hat geschrieben:Alleine der Unterschied zwischen gültigen und erlaubten Sakramenten ist so der Scholastik entwachsen und spielt in der Orthodoxie keine Rolle...
Eben dieser angesprochene Unterschied beruht nicht auf einer komplett anderen Theologie, wobei eine Erörterung dieser Frage das Thema dieses Threads sprengen würde.
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PascalBlaise
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von PascalBlaise » Dienstag 21. Juni 2016, 22:48

Die Gründe für die vielen Absagen: Die orthodoxe Kirche sei die einzige, es gebe keine anderen Kirchen, derartige Aussagen in Synodendokumenten seien häretisch. Gut, ok, ein Standpunkt. Oder auch die Jurisdiktionsstreitigkeiten. Alles irgendwie nachvollziehbar, zu seiner Zeit. ABER: Ich denke, man kann es sich im Moment nicht leisten! Es wird gerade, in diesem Moment, das Christentum am Ort seines Ursprungs, im nahen Osten, systematisch vernichtet. Nur keinen interessiert es so wirklich. Die Katholiken sind mit AL, Selbstzweifeln, leeren Kirchen, Diskussionen um das Frauenpriestertum und was nicht allem Firlefanz beschäftigt, Europa kämpft mit Flüchtlingsströmen und Sinnkrisen. Die Orthodoxie hätte sich doch treffen können, um zu überlegen, was man konkret für die Brüder und Schwestern in Syrien, Ägypten, usw. tun kann, auch gemeinsamen für sie zu beten. Das ist vielleicht nicht die ursprüngliche Intention der Synode, wäre um so viel wichtiger als irgendwelche theologischen Debatten über wer Kirche genannt werden darf und wer nicht. Das hat Zeit. Seit 1000 Jahren. Aber wenn sich nicht bald etwas tut für die Christen in bedeutenden Teilen des nahen Ostens, dann gibt es bald nichts mehr zu retten. Es ist fünf vor zwölf. Das ist in meinen Augen die vertane Chance.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Dienstag 21. Juni 2016, 23:22

Anselmus hat geschrieben:@Florianklaus: Es geht hier ja nicht um "Die Welt sucht den Superkonservativen". Die Orthodoxen trennt nicht irgendein Grad an Konservatismus von den Piusbrüdern, sondern eine komplett andersartige Theologie. Alleine der Unterschied zwischen gültigen und erlaubten Sakramenten ist so der Scholastik entwachsen und spielt in der Orthodoxie keine Rolle...
Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Scholastisches Denken bzw. abendländische Schultheologie wurde insbesondere in der russischen Kirche vom 16.-19. Jh. rezipiert, um ein Beispiel zu nennen.

Die Wiederentdeckung der Vätertheologie im 20. Jh. ist natürlich bedeutsam, aber z.B. die Äußerungen und Kanonischen Briefe des hl. Basilius des Großen werden dennoch unterschiedlich interpretiert.

Auch die Praxis der ROK der Aufnahme rk Laien und Geistlichen in dem Stand, den sie vorher hatten, durch Abschwörung der Irrtümer, Beichte und hl. Kommunion allein (ohne erneute Taufe, Chrismation und Reordination) spricht gegen die o.g. Annahme, daß außerhalb der Orthodoxie gespendete Sakramente null und nichtig sind.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Mary » Dienstag 21. Juni 2016, 23:43

Fragesteller hat geschrieben: Wenn man diesem Artikel glauben darf, sieht die Vorbereitungsgruppe um den ökumenischen Patriarchen irgendwo Diskussionsbedarf, und mich würde interessieren, wo.Vorstellen könnte ich mir eine Vereinheitlichung der Handhabung der Ökonomie in puncto Wiederverheiratung. Wenn's was Spektakuläreres wie verheiratete Bischöfe wäre, hätte man das ja sicher über die Presse erfahren.
Ok, danke.
Ich denke, der Diskussionsbedarf besteht in der Tatsache, dass die Kirchen von Antiochien und Georgien den Entwurf noch nicht unterzeichnet hatten.
Soweit ich es erkennen kann, ist keine bahnbrechende Neuerung vorgesehen. Da die Oikonomia im Prinzip immer den Einzelfall beurteilt, sehe ich auch keine Notwendigkeit, diese Frage zu vereinheitlichen.
Die Dokumente sind auf der offiziellen Seite des Konzils einsehbar.
https://www.holycouncil.org/-/marriage? ... ct=%2Fhome
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Dienstag 21. Juni 2016, 23:45

PascalBlaise hat geschrieben:Die Gründe für die vielen Absagen: Die orthodoxe Kirche sei die einzige, es gebe keine anderen Kirchen, derartige Aussagen in Synodendokumenten seien häretisch. Gut, ok, ein Standpunkt. Oder auch die Jurisdiktionsstreitigkeiten. Alles irgendwie nachvollziehbar, zu seiner Zeit. ABER: Ich denke, man kann es sich im Moment nicht leisten! Es wird gerade, in diesem Moment, das Christentum am Ort seines Ursprungs, im nahen Osten, systematisch vernichtet. Nur keinen interessiert es so wirklich. Die Katholiken sind mit AL, Selbstzweifeln, leeren Kirchen, Diskussionen um das Frauenpriestertum und was nicht allem Firlefanz beschäftigt, Europa kämpft mit Flüchtlingsströmen und Sinnkrisen. Die Orthodoxie hätte sich doch treffen können, um zu überlegen, was man konkret für die Brüder und Schwestern in Syrien, Ägypten, usw. tun kann, auch gemeinsamen für sie zu beten. Das ist vielleicht nicht die ursprüngliche Intention der Synode, wäre um so viel wichtiger als irgendwelche theologischen Debatten über wer Kirche genannt werden darf und wer nicht. Das hat Zeit. Seit 1000 Jahren. Aber wenn sich nicht bald etwas tut für die Christen in bedeutenden Teilen des nahen Ostens, dann gibt es bald nichts mehr zu retten. Es ist fünf vor zwölf. Das ist in meinen Augen die vertane Chance.
Ohne Anwesenheit des Oberhauptes der betreffenden Region, S.S. Patriarch Johannes von Antiochia und dem ganzen Orient, bliebe das ein eher schwaches Signal.

Aber im Kern hast du vollkommen recht!


Die Textvorlagen atmen eher den Geist des Zweiten Vatikanums als die früherer Synoden. Auch formal betrachtet sind es eher kurze Enzykliken als dogmatische Klärungen/Lehrschreiben oder disziplinäre Regelungen/Kanones.

Wenn also nichts Substantielles entschieden wird (die Frage nach dem Primat in der Kirche wäre zum Beispiel eine, eine andere die nach dem Verhältnis zur RKK...würde meinetwegen festgestellt, daß diejenigen, die zu Papst Franziskus halten, Schismatiker und Häretiker sind, wäre es dann nicht konkludent, daß Klerus und Volk von Alt-Rom einen zum Papst wählen, der wie bis 1009 üblich Antrittsschreiben an seine Kollegen in der Ökumene richtet, die ihm daraufhin die Gemeinschaft gewähren, und dies von der Synode in Aussicht zu stellen, ebenso für alle übrigen verwaisten Sitze im Abendland?), stellt sich die Frage, mit welcher Berechtigung nennt sich die Zusammenkunft auf Kreta "Große und Heilige Synode" (das nicht alle autokephalen Kirchen vertreten sind, fällt natürlich auch ins Gewicht).
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Mary » Dienstag 21. Juni 2016, 23:49

PascalBlaise hat geschrieben:Es wird gerade, in diesem Moment, das Christentum am Ort seines Ursprungs, im nahen Osten, systematisch vernichtet. Nur keinen interessiert es so wirklich.
Dieser Vorwurf trifft nun auf die Orthodoxen Kirchen keineswegs zu, denn...
PascalBlaise hat geschrieben:um zu überlegen, was man konkret für die Brüder und Schwestern in Syrien, Ägypten, usw. tun kann, auch gemeinsamen für sie zu beten.
das tun alle orthodoxen und altorientalischen Kirchen, teils jede für sich, teils gemeinsam, längst. Dazu brauchen wir keine Synode, und keine Papiertiger.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Dienstag 21. Juni 2016, 23:51

Florianklaus hat geschrieben:Die Querelen um das seit den 60er Jahren vorbereitete Konzil sind ein unfaßbares Armutszeugnis für die Orthodoxie. Man hat den Eindruck von sturer Unbeweglichkeit (Griechenland z.B. bezeichnet alle nichtorthodoxen christlichen Gemeinschaften pauschal als "Sekten") und dem Beharren auf Macht und Einfluß (z.B. Jurisdiktionsgerangel im Orient). Was soll das für eine Kirche sein, die es noch nicht einmal schafft, sich über grundlegende territoriale Strukturen zu verständigen oder eine einheitliche Entscheidung über die Ehe und den Umgang mit schon getauften Konvertiten herbei zu führen? Offensichtlich fehlt es auf allen Seiten am Willen zur Einheit. Ich sehe da nur Kirchen, aber keine Kirche. Wer soll das ernst nehmen?
In der Tat zeigen sich gewisse Schwachpunkte der Hl. Orthodoxie. Dies bestehen darin, daß man zwar einen Glauben hat, aber unterschiedlichen Konzepten über seine Ausformung in der Praxis folgt. So versteht beispielsweise die rumänische Kirche ihre Jurisdiktion national-ethnisch und nicht territorial, was zu akuten Spannungen mit der serbischen Kirche geführt hat.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Dienstag 21. Juni 2016, 23:55

Mary hat geschrieben:
PascalBlaise hat geschrieben:Es wird gerade, in diesem Moment, das Christentum am Ort seines Ursprungs, im nahen Osten, systematisch vernichtet. Nur keinen interessiert es so wirklich.
Dieser Vorwurf trifft nun auf die Orthodoxen Kirchen keineswegs zu, denn...
PascalBlaise hat geschrieben:um zu überlegen, was man konkret für die Brüder und Schwestern in Syrien, Ägypten, usw. tun kann, auch gemeinsamen für sie zu beten.
das tun alle orthodoxen und altorientalischen Kirchen, teils jede für sich, teils gemeinsam, längst. Dazu brauchen wir keine Synode, und keine Papiertiger.
Nun war bis heute wohl nur dem ZDF das Konzil auf Kreta eine Meldung in den Nachrichten wert, alle anderen scheinen dies übergangen zu haben.

Auf die Situation der bedrängten und verfolgten Brüder und Schwestern im Orient aufmerksam zu machen, wäre schon sinnvoll, konkrete Hilfen erst recht.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Mary » Dienstag 21. Juni 2016, 23:57

ad-fontes hat geschrieben:
PascalBlaise hat geschrieben: Die Orthodoxie hätte sich doch treffen können, um ....
Aber im Kern hast du vollkommen recht!
Schade, dass der Ökumenische Patriarch Euch nicht zu Beratern hat. Sorry, aber das musste sein.... :huhu:

(nur am Rande und ganz winzig gesagt: Die meisten orthodoxen Laien nehmen die Vorgänge in Kreta - mit grossem Vertrauen zum Heiligen Geist - sehr viel unaufgeregter zur Kenntnis als die übrige Welt....)
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 22. Juni 2016, 00:31

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 22. Juni 2016, 01:13

Florianklaus hat geschrieben:Die Querelen um das seit den 6er Jahren vorbereitete Konzil sind ein unfaßbares Armutszeugnis für die Orthodoxie. Man hat den Eindruck von sturer Unbeweglichkeit (Griechenland z.B. bezeichnet alle nichtorthodoxen christlichen Gemeinschaften pauschal als "Sekten") und dem Beharren auf Macht und Einfluß (z.B. Jurisdiktionsgerangel im Orient). Was soll das für eine Kirche sein, die es noch nicht einmal schafft, sich über grundlegende territoriale Strukturen zu verständigen oder eine einheitliche Entscheidung über die Ehe und den Umgang mit schon getauften Konvertiten herbei zu führen? Offensichtlich fehlt es auf allen Seiten am Willen zur Einheit. Ich sehe da nur Kirchen, aber keine Kirche. Wer soll das ernst nehmen?
Als Replik geeignet:

http://www.pravoslavie.ru/english/94455.htm
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 22. Juni 2016, 13:58

Budget der Großen Synode: 2.5 Millionen Euro:


http://byztex.blogspot.de/216/6/3m-cr ... id-by.html
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Jeremias » Mittwoch 22. Juni 2016, 16:14

ad-fontes hat geschrieben:Es bleibt spannend:


http://www.pravoslavie.ru/english/94479.htm
"In it, the current gathering is referred to as a preparatory council for a further series of councils, rather than a one-time event, noting that the absence of four Local Churches is properly speaking the failure of all involved, and that the issues preventing certain Churches from participating in the current council are to be resolved before the convening of the next, that all might attend in good conscience."

:daumen-rauf:
Das könnte ja mal nen kluges Ergebnis sein.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Florianklaus » Donnerstag 23. Juni 2016, 14:31


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martin v. tours
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von martin v. tours » Montag 27. Juni 2016, 07:22

Ich habe mir eben dieses Interview angehört:
http://www.kathtube.com/player.php?id=4598
Mich würde interessieren was die Orthodoxen hier im Forum über diese Aussagen denken.
Mich überzeugt das Gerede dieses Mannes nicht. Gerade auch die Aussagen zu weiblichen Priesterinnen in der Orthodoxie (momentan kein Bedarf…)
Das sind ja Aussagen wie von katholischen Weichspültheologen.
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Florianklaus » Montag 27. Juni 2016, 12:14

Was hat das Konzil jetzt eigentlich genau verbindlich beschlossen und war das vorher zwischen den orthodoxen Kirchen unklar oder nicht verbindlich geregelt?

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Jeremias
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Jeremias » Montag 27. Juni 2016, 12:17

martin v. tours hat geschrieben:Ich habe mir eben dieses Interview angehört:
http://www.kathtube.com/player.php?id=4598
Mich würde interessieren was die Orthodoxen hier im Forum über diese Aussagen denken.
Mich überzeugt das Gerede dieses Mannes nicht. Gerade auch die Aussagen zu weiblichen Priesterinnen in der Orthodoxie (momentan kein Bedarf…)
Das sind ja Aussagen wie von katholischen Weichspültheologen.
Der Mensch ist kein guter Redner.
Ansonsten klingt das ganz akzeptabel. Nur was die Frauenordination angeht: Natürlich gibt es Leute, die dafür sind, aber die Konservativen jammern da sofort rum. Ich halte sowohl die Mönchspflicht bei unseren Hirten als auch die Beschränkung der höheren Weihen auf ein Geschlecht für unsinnig.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Anselmus » Montag 27. Juni 2016, 19:29

martin v. tours hat geschrieben:Ich habe mir eben dieses Interview angehört:
http://www.kathtube.com/player.php?id=4598
Mich würde interessieren was die Orthodoxen hier im Forum über diese Aussagen denken.
Mich überzeugt das Gerede dieses Mannes nicht. Gerade auch die Aussagen zu weiblichen Priesterinnen in der Orthodoxie (momentan kein Bedarf…)
Das sind ja Aussagen wie von katholischen Weichspültheologen.
Ja, das Interview ist schon sehr flach... Aber ja, leider gibt es auch bei uns solche Weichspültheologen...

Und was Jeremias da von sich gibt, das ist wohl schon am äußeren linken Rand der Orthodoxen Kirche. Und für so etwas findet sich Gott sei Dank keine Mehrheit...

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von taddeo » Montag 27. Juni 2016, 20:11

Anselmus hat geschrieben:... wohl schon am äußeren linken Rand der Orthodoxen Kirche ...
Hätte gar nicht gedacht, daß es sowas in der Orthodoxie überhaupt gibt. :D
(Einen "Mönchszwang" für Bischöfe gibt es ja sowieso nicht, soweit ich weiß - oder irre ich, daß auch jeder zölibatär lebende Nicht-Mönchspriester Bischof werden kann? Und Forderung nach Frauenordination in der Orthodoxie - ich habe bisher immer vermutet, daß das automatisch ein Fall für die spirituelle Klapsmühle sei. Zumindest ein Weihehindernis.)
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Kirchenjahr » Dienstag 28. Juni 2016, 00:00

martin v. tours hat geschrieben:Ich habe mir eben dieses Interview angehört:
http://www.kathtube.com/player.php?id=4598
Ich war bereits u. a. an fünf verschiedenen Orten in Europa und habe dort orthodoxe Gottesdienste erlebt: Paris, Hamburg, Dortmund, Gifhorn, Nähe Fulda

Ich wäre bis heute nicht auf den Gedanken gekommen, dass ein Orthodoxer statt zu beten so ein Interview gibt.

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Jeremias » Dienstag 28. Juni 2016, 14:21

Leider findet das keine Mehrheit, richtig. Es kann gut sein, dass ich die Gemeinde wechseln werde, wenn zumindestens weibliche Meßdiener nicht hoffähig werden und meine Frau Töchter kriegt. Da gibts nämlich schon genug Alternativen.

Und natürlich bin ich am "linken Rand" (wobei das sprachlich Unfug ist, "liberal" wäre hier das passende Wort). Das sollte aber schon aufgefallen sein. :breitgrins:

Tatsächlich stehe ich auch als aktives Gemeindemitglied (s. Profilbild...) ganz offen zu dieser Meinung. Bisher hat man mich nicht verlacht, aber mein 73jähriger Priester hat da auch nicht große Bewegungswilligkeit demonstriert.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Walter » Mittwoch 29. Juni 2016, 22:40

martin v. tours hat geschrieben:Mich überzeugt das Gerede dieses Mannes nicht. Gerade auch die Aussagen zu weiblichen Priesterinnen in der Orthodoxie (momentan kein Bedarf…)
Das sind ja Aussagen wie von katholischen Weichspültheologen.
Ja, leider. :(
γενηθήτω το θέλημά σου·

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Walter » Mittwoch 29. Juni 2016, 22:41

γενηθήτω το θέλημά σου·

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Florianklaus » Donnerstag 30. Juni 2016, 08:52

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Jeremias » Donnerstag 30. Juni 2016, 10:00

Ich wünschte mir, ich könnte den Optimismus meines Bischofs teilen. Aber ich bin mir da unsicherer.

Interessant finde ich tatsächlich, dass er einen Unterschied durch den konziliaren Auftrag der OBKD sieht. Man wird sehen, würde ich sagen.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Germanus » Donnerstag 30. Juni 2016, 10:59

Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Florianklaus » Donnerstag 30. Juni 2016, 11:18

Germanus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
Das mag ja alles sein, ist aber kein hinreichender Grund, daß man sich nicht einmal über die strittigen Jurisdiktionsfragen eingen konnte. Die Außenwirkung finde ich verheerend.

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ad-fontes » Donnerstag 30. Juni 2016, 12:48

Florianklaus hat geschrieben:
Germanus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
Das mag ja alles sein, ist aber kein hinreichender Grund, daß man sich nicht einmal über die strittigen Jurisdiktionsfragen eingen konnte. Die Außenwirkung finde ich verheerend.
Eher erleben wir eine Einigung in der Kalenderfrage, als daß sich die Hirten bzgl. der überlappenden Jurisdiktionen einigen (da geht es um Posten und Geld, viel Geld, wenn man an die USA denkt). Seine Eminenz Augustinos hat ja außerdem bereits in obigem Interview verlautbaren lassen, daß auch sein Nachfolger den Titel "Metropolit von Deutschland" führen wird.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Germanus » Donnerstag 30. Juni 2016, 17:28

Florianklaus hat geschrieben:
Germanus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
Das mag ja alles sein, ist aber kein hinreichender Grund, daß man sich nicht einmal über die strittigen Jurisdiktionsfragen eingen konnte. Die Außenwirkung finde ich verheerend.
Aber was nützen denn die schönsten Beschlüsse, wenn sie nicht rezipiert werden? Das wissen auch die Hierarchen, weshalb sie recht klug agieren (weil sie anders ja auch nicht agieren können, ohne ekklesiologische Konsequenzen zu provozieren). Die "Außenwirkung" verfehlt da wohl nur ihre Wirkung, wenn man wirklich von außen hinschaut - ohne die inneren Zusammenhänge mit einem "orthodoxen Auge" zu betrachten. Das alles ist ja kein Theater, sondern hier geht es um die konkreten Menschen in den Kirchen, nicht um ein unpersönliches Gebilde von ethnischen Individuenkonglomeraten mit je eigenen sonderbaren Ritualen.
Gruß G.
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ar26
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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von ar26 » Donnerstag 30. Juni 2016, 23:58

Germanus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
Lieber Germanus, ich versuche mal, hier ein Missverständnis auszuräumen. Kein in communio mit dem römischen Bischof stehender Christ hat irgendetwas zu glauben, was ein Konzil der mit dem römischen Bischof verbundenen Bischöfe beschlossen hat, wenn dieser Beschluss wider den Glauben der Kirche ist. Die Hierarchen der Kirche können über den Glauben nicht disponieren sondern nur in Streitfällen entscheiden.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von Protasius » Freitag 1. Juli 2016, 07:19

ar26 hat geschrieben:
Germanus hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:http://www.katholisch.de/aktuelles/aktu ... -von-kreta

Offensichtlich sind alle wichtigen Fragen ausgeklammert oder in die Verantwortung der Ortskirchen gegeben worden. Die Orthodoxie hat sich als handlungs- und reformunfähig erwiesen.
Tatsächlich kommt es hier sehr darauf an, auf welcher Grundlage man die Ergebnisse des Konzils bewertet. Könnte die konziliare Beschlussfindung auf quasi demokratischen Wegen stattfinden, wären die Ergebnisse als enttäuschend mager und ineffektiv zu bewerten. Das orthodoxe synodale Prinzip geht aber davon aus, dass nicht die Mehrheit von Bischöfen unbedingt beschlussfähig ist, sondern, grob gesagt, nur die ganze Kirche. Ein Hintergrund ist, dass die orth. hierarchische Struktur zwar die Aufteilung in unterschiedliche Stände vorsieht, aber die Konsequenzen dieser Differenzierung deutlich anders gelagert sind als etwa katholischerseits, da z.B. die orth. Bischöfe auf Konzilien nur dann einen Beschluss fassen können, wenn sich dieser Beschluss mit dem Glauben der ganzen Kirche, also aller Glieder in allen Ständen, deckt (und nicht etwa, dass das Volk nach einem Konzilsbeschluss dann aufgrund dieses Beschlusses dieses oder jenes zu glauben hat). Ein für römische Ohren womöglich ganz unverständliches Procedere, obwohl es eine zeitlang durchaus allgemein so gehandhabt wurde.
Gruß G.
Lieber Germanus, ich versuche mal, hier ein Missverständnis auszuräumen. Kein in communio mit dem römischen Bischof stehender Christ hat irgendetwas zu glauben, was ein Konzil der mit dem römischen Bischof verbundenen Bischöfe beschlossen hat, wenn dieser Beschluss wider den Glauben der Kirche ist. Die Hierarchen der Kirche können über den Glauben nicht disponieren sondern nur in Streitfällen entscheiden.
Aber wie soll der in Frage stehende Christ das feststellen, wenn er damit nicht sein eigenes Urteil über das der dazu eingesetzten Apostelnachfolger setzt?
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Heilige und Große Synode 2016

Beitrag von HeGe » Dienstag 5. Juli 2016, 13:56

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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