Lesungen aus dem alten Brevier

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.

Moderator: Hubertus

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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 14. Februar 2017, 11:57

kephas hat geschrieben:
Dienstag 14. Februar 2017, 09:56
Marion hat geschrieben:
Montag 13. Februar 2017, 19:48
Bulle "Cantate Domino" - Konzil von Florenz (1441) : ... Denn nach dieser Gotteslästerung ist das Wort nicht Fleisch geworden, sondern das Wort hat durch Gnade im Fleisch gewohnt: Das heißt, der Sohn Gottes ist nicht Mensch geworden, sondern der Sohn Gottes hat vielmehr im Menschen gewohnt.
... Nestorius hat nicht die Gottheit Jesu bezweifelt ...
Der letzte Satz sagt genau das aus. Gott wohnt in einem Menschen, heißt ja nicht der Mensch sei dann Gott, sondern eben, er sei nicht Gott.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 14. Februar 2017, 18:49

Hll. Märtyrer Faustin und Jovita 15. Februar
Lesung 3

Die Brüder Faustin und Jovita waren vornehme Männer aus Brescia. In der Verfolgung Trajans wurden sie gefesselt durch viele Städte Italiens geschleppt und mußten die grausamsten Marter erdulden; aber sie blieben standhaft im Bekenntnis des christlichen Glaubens. Zuerst wurden sie in Brescia lange Zeit in Ketten gelegt, wurden den wilden Tieren vorgeworfen und dem Feuer übergeben; doch die wilden Tiere und ebenso das Feuer ließen sie unversehrt und unverletzt. Von da wurden sie in Ketten gefesselt nach Mailand gebracht. Auch da wurde ihr Glaube durch die ausgesuchtesten Qualen so wie das Gold im Feuer geprüft; aber er glänzte in den Qualen nur um so heller. Dann wurden sie nach Rom gebracht. Dort wurden sie vom Papst Evaristus ermuntert, aber auch hier wiederum grausam gequält. Schließlich brachte man sie nach Neapel. Auch da mußten sie mannigfache Qualen erdulden und wurden schließlich, an Händen und Füßen gebunden, ins Meer versenkt. Durch Engel aber wurden sie wunderbar wieder gerettet. Durch ihre Standhaftigkeit im Leiden sowie durch ihre Wundermacht bekehrten sie viele zum christlichen Glauben. Zuletzt wurden sie nach Brescia zurückgebracht und dort mit dem Beile enthauptet. Es war zu Beginn der Regierungszeit des Kaisers Hadrian. So empfingen sie die herrliche Marterkrone.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 17. Februar 2017, 12:00

Hl. Bischof und Martyrer Simeon 18. Februar

Simeon, der Sohn des Kleophas, war nach dem Apostel Jakobus der erste Bischof von Jerusalem. Unter dem Kaiser Trajan wurde er beim ehemaligen Konsul Attikus angezeigt, daß er Christ und ein Verwandter des Herrn sei. Damals wurden nämlich alle verhaftet, die aus dem Geschlecht Davids stammten. Nach vielen anderen Qualen wurde er auf dieselbe Art wie unser Heiland hingerichtet. Alle Anwesenden staunten, daß ein Mann von so hohem Alter - er zählte schon 120 Jahre- die unsäglichen Schmerzen der Kreuzigung so tapfer und standhaft ertragen konnte.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 17. Februar 2017, 12:02

Sonntag Sexagesima

Lesung 4-6
Aus dem Buch des hl. Bischofs Ambrosius über Noe und die Arche

Hier hast du ein Beispiel, wie der Herr gezürnt hat. Wohl dachte er daran, d. h. er wusste schon, daß der Mensch auf dieser Erde lebend, mit Fleisch überkleidet, nicht ohne Sünde bleiben könne; denn diese Erde ist gleichsam ein Ort der Versuchung und der Leib ein Anreiz zum Verderben. Obwohl also die Menschen eine vernünftige Seele besaßen und der Seele Macht gegeben ist über den Körper, so stürzten sie doch geradezu ohne Überlegung in ihren Untergang hinein und wollten sich daraus nicht mehr erheben. Gott denkt jedoch nicht so wie die Menschen, und bei ihm folgt nicht ein neuer Gedanke einem anderen; auch zürnt er nicht so wie ein veränderlicher Mensch; sondern diese Ausdrücke wollen nur die Bosheit unserer Sünden andeuten, durch die die Beleidigung Gottes hervorgerufen ward; sie wollen besagen, daß die Schuld schon so angewachsen war, daß dadurch sogar Gott, der doch seiner Natur nach weder Zorn, noch durch Haß, noch durch sonst eine Leidenschaft erregt wird, gleichsam zum Zorne gereizt war. Überdies drohte der Herr, den Menschen zu vertilgen. Vom Menschen bis zum Vieh, vom Gewürm bis zu den Vögeln des Himmels will ich alles vertilgen. So sprach er. Was hatten denn die vernunftlosen Geschöpfe verschuldet? Sie waren ja auch nur um des Menschen willen erschaffen worden. Darum war es ganz folgerichtig, daß wenn der vertilgt würde, um dessentwillen sie erschaffen waren, auch sie vernichtet werden. Es war ja dann niemand mehr da, der sich ihrer bedienen konnte. In einem höheren Sinne wird uns hier folgende Wahrheit dargelegt: Der Mensch ist ein Geist der zu denken fähig ist. Denn das ist der Begriff des Menschen: Ein lebendiges, sterbliches, vernünftiges Wesen. Wenn nun die vornehmste Gabe des Menschen schwindet, dann werden damit auch alle sinnlichen Fähigkeiten wertlos; denn es bleibt nichts mehr übrig, was zum Heil führen könnte, weil da die Vorbedingung des Heiles, die Tugend fehlt. Um aber die Verworfenheit aller übrigen Menschen anzudeuten und auf die Güte Gottes hinzuweisen heißt es: Noe fand Gnade vor dem Herrn. Hier sehen wir, daß die Bosheit der Gottlosen die Gerechtigkeit des Frommen nicht verdunkeln kann. Dieser wird ja eigens zur Fortpflanzung des ganzen Geschlechtes gerettet. Er wird aber nicht wegen des Adels seiner Geburt, sondern wegen seiner Gerechtigkeit und Vollkommenheit gelobt. Der wahre Adel des bewährten Mannes ist der Tugendadel. Denn wie das Geschlecht der Menschen Menschen zeugt, so bringt die Seele Tugenden hervor. Die Menschen werden durch den Glanz ihrer Abstammung geadelt, die Seele wird aber durch den Glanz der Tugenden verklärt.

Lesung 7-9

Luk. 8, 4-15
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Geliebteste Brüder, die Lesung des heiligen Evangeliums, die ihr soeben vernommen habt, bedarf keiner Auslegung mehr, sondern verlangt nur eine Ermahnung. Denn das, was die ewige Wahrheit mit eigenen Worten erklärt hat, weiter zu entwickeln, das darf ein schwacher Mensch sich nicht unterstehen. Doch findet sich in dieser Erklärung des Herrn etwas, was wir ernstlich erwähnen müssen. Wenn ich euch sagen würde, der Same bedeutet das Wort, der Acker die Welt, die Vögel, den Teufel, die Dornen den Reichtum, so würdet ihr vielleicht Bedenken tragen, mir Glauben zu schenken. Deswegen eben würdigte sich der Herr, selbst das zu erklären, was er sagte, damit ihr es lernet, die wahre Bedeutung der Dinge auch in dem zu suchen, was er nicht selbst auslegen wollte. Durch die Auslegung dessen, was er gesagt hatte, gibt er also zu erkennen, daß er gleichnisweise gesprochen hatte. Zugleich gibt er auch uns eine gewissen Sicherheit, wenn wir euch den bildlichen Sinn seiner Worte nach unseren schwachen Kräften erklären. Wer würde mir je glauben, wenn ich unter den Dornen den Reichtum verstehen wollte, zumal, da jene stechen, dieser aber Freude macht? Und dennoch ist er ein Dorn, weil er durch marternde Sorgen das Herz peinigt und es sogar zur Sünde verleitet und dadurch tödlich verwundet. Darum hat ihn auch der Herr an dieser Stelle, wie ein anderer Evangelist bezeugt, nicht Reichtum schlechthin, sondern trügerischen Reichtum genannt. Trügerisch ist er, weil wir ihn nicht lange besitzen können; trügerisch, weil er die Sehnsucht unseres Herzens nicht zu stillen vermag. Die wahren Güter sind einzig die, welche uns an Tugenden reich machen. Wollt ihr also, geliebteste Brüder, wirklich reich werden, dann liebt die wahren Reichtümer. Sucht ihr den Gipfel wahrer Ehre, dann trachtet nach dem Himmelreich; strebt ihr nach echtem Ruhme und wahren Würden, dann sorgt, daß ihr bald dem himmlischen Hofstaat der Engel einverleibt werdet. Die Worte des Herrn, die ihr mit dem Ohr vernehmt, bewahret im Herzen! Denn des Geistes Speise ist das Wort Gottes. Wenn das vernommene Wort nicht im Gedächnis behalten wird, dann ist es genau so, wie wenn die aufgenommene Speise von einem kranken Magen wieder zurückgegeben wird. Wer aber keine Speise mehr behalten kann, dessen Leben darf man wirklich aufgeben.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 20. Februar 2017, 19:21

Fest der Thronbesteigung des hl. Apostels Petrus in Antiochien 22. Februar

4.-6. Lesung
Predigt des hl. Bischofs Augustinus
Das heutige Fest hat von unseren Vätern den Namen Thronbesteigung erhalten; denn heute hat, so wird berichtet, der Apostelfürst Petrus den bischöflichen Thron bestiegen. Mit Recht feiern die Gemeinden die Errichtung dieses Bischofststuhles, den der Apostel zum Segen der Gemeinde bestiegen hat auf Grund des Herrenwortes: Du bist Petrus! Und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Der Herr nennt also Petrus das Fundament der Kirche und darum ehrt die Kirche ganz mit Recht dieses Fundament, auf dem das hohe Gebäude der Kirche ruht. Deshalb heißt es auch im Psalm, den wir gelesen haben, ganz passend: In der Gemeinde sollen sie ihn rühmen und loben ihn im Rat der Alten. Gepriesen sei Gott, der befiehlt, daß der heilige Apostel Petrus in der Kirche gerühmt werde; denn es gehört sich, daß dieses Fundament in der Kirche geehrt wird, durch das wir zum Himmel aufsteigen können. Durch die heutige Feier der Thronbesteigung wird also das priesterliche Amt geehrt. Diese Ehre erweisen sich die Kirchen gegenseitig; die Kirche gewinnt auch notwendigerweise um so mehr an Würde, je mehr das Priesteramt bei ihr an Ehre genießt. Da also der fromme Sinn mit Recht dieses Fest in den Kirchen eingeführt hat, wundert es mich sehr, wie bei manchen Ungläubigen heute ein so verderblicher Irrtum entstehen konnte, daß man auf die Gräber der Verstorbenen Speise und Wein stellt, als bedürften die abgeschiedenen Seelen irdischer Nahrung.

7. - 9. Lesung
Matth. 16,13-19
Auslegung des hl. Papstes Leo

Der Herr fragt die Apostel, was die Leute von ihm halten. Solange die verschiedenen Meinungen der Menschen aufgezählt werden, antworten sie alle zusammen. Sobald er aber nach der Ansicht der Jünger fragt, da legt der zuerst das Bekenntnis über den Herrn ab, der unter den Aposteln auch dem Range nach der erste ist. Dieser sagt: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes; darauf entgegnete ihm Jesus: Selig bist du, Sohn des Jonas; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist. Das heißt: Selig bist du, weil mein Vater dich belehrt hat, weil keine Meinung des Menschen dich getäuscht, sondern eine Eingebung vom Himmel dich unterwiesen hat. Nicht Fleisch und Blut, sondern der, dessen eingeborener Sohn ich bin, hat dir mein Wesen offenbart. Und ich sage dir, spricht er; d.h.: So wie mein Vater dir meine Gottheit geoffenbart hat, so verkünde ich dir auch deinen Vorrang. Du bist Petrus, d.h. obwohl ich der unzerstörbare Fels bin, der Eckstein, der alles verbindet, das Fundament, außerdem niemand ein anderes legen kann, so bist dennoch auch du ein Fels. Denn durch meine Kraft erhälst du Festigkeit, und an allem, was ich Kraft eigener Machtvollkommenheit besitze, hast du Anteil und besitzest es zusammen mit mir. Und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen; die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Auf diesem festen Grund also, sagte er, will ich einen ewigen Tempel errichten und meine Kirche, die bis zum Himmel emporragen wird, soll auf diesem festen Glaubensgrunde sich erheben. Dieses Bekenntnis werden die Pforten der Hölle nicht aufhalten und die Todesketten nicht fesseln. Denn dieses Wort ist ein Wort des Lebens. Und wie es seine Bekenner zum Himmel erhebt, so stürzt es seine Leugner zur Hölle hinab. Deshalb sagt er dem heiligen Petrus: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; alles was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein. Wohl ging diese Gewalt auch auf die anderen Apostel über, und alle Hirten der Kirche haben Anteil an der in diesen Worten enthaltene Macht. Dennoch wird nicht ohne Grund dem einen Apostel anvertraut, was allen mitgeteilt wird. Dem Petrus nämlich wird diese Gewalt deshalb in besonderer Weise anvertraut, weil er auch allen Vorstehern der Kirche ein Vorbild sein soll. Es bleibt also der Vorrang des Petrus gewahrt, wo immer in seinem Sinn ein Urteil gefällt wird. Und es waltet da keine zu große Strenge oder zu große Nachgiebigkeit, wo nichts gebunden und nichts gelöst wird, was nicht der hl. Petrus gebunden oder gelöst hat.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 22. Februar 2017, 11:15

Hl. Bischof, Bekenner und Kirchenlehrer Petrus Damiani 23. Februar

Petrus wurde in Ravenna von ehrbaren Eltern geboren. Als Säugling wurde er jedoch von seiner Mutter aus Überdruß über ihre vielen Kinder verstoßen; von einer Dienstmagd wurde er halbtot aufgefunden und gepflegt und seiner Mutter zurückgegeben, nachdem in ihrem Herzen das menschliche Empfinden wieder erwacht war. Bald verlor er beide Eltern und mußte wie ein niedriger Sklave unter der strengen Vormundschaft seines Bruders die harte Arbeit eines Knechtes verrichten. Damals legte er ein herrliches Zeichen seiner Fömmigkeit gegen Gott und seiner Liebe gegen seinen Vater ab; denn als er zufällig ein Geldstück fand, verwandte er es nicht dazu, um seinen Hunger zu stillen, sondern brachte es einem Priester, damit er das heilige Opfer für seinen Vater darbringe. Von seinem Bruder Damian, von dem er, wie berichtet wird, auch seinen Beinamen erhalten hat, wurde er gütig aufgenommen und auf seine Veranlassung hin in den Wissenschaften unterrichtet. In kurzer Zeit machte er darin solche Fortschritte, daß selbst seine Lehrer staunten. Er machte sich also in den freien Wissenschaften einen berühmten Namen und hielt darüber unter allgemeinem Beifall auch Vorlesungen. Dabei trug er, um den Leib dem Geiste unterwürfig zu halten, unter seinen weichen Oberkleidern ein rauhes Bußgewand und oblag eifrig dem Fasten, den Nachtwachen und dem Gebete. Als er in seiner Jugend eines Nachts von der Glut der Fleischeslust heftig geplagt wurde, stürzte er sich in das eiskalte Wasser eines Flusses und erstickte so die Flammen der brennenden Begierlichkeit. Ferner pflegte er alle Andachtsorte zu besuchen und den ganzen Psalter zu beten. Rastlos half er den Armen, lud sie häufig zu Tische und diente ihnen mit eigener Hand. Um immer mehr in der Vollkommenheit zu wachsen, trat er zu Fonte Avellano in der Diözese Gubbio in das Kloster vom heiligen Kreuz ein, das vom heiligen Ludolf, einem Schüler des heiligen Romuald, gegründet worden war. Bald darauf wurde er von seinem Abt in das Kloster zu Pomposa und dann in das vom heiligen Vinzenz von Perugia geschickt und brachte in beide Klöster durch seine heiligen Worte, durch treffliche Verordnungen und duch seinen heiligen Wandel einen neuen Geist. Später kehrte er zu den Seinen zurück und wurde nach dem Tode des Abtes mit der Leitung der Klosterfamilie von Avellano betraut. Diese förderte er durch Errichtung neuer Klöster an verschiedenen Orten und durch andere heilsame Einrichtungen derart, daß er mit Recht als der zweite Stifter des Ordens und als eine besondere Zierde desselben gilt. Seine segensreiche Wirksamkeit erfuhren auch andere Orden, Stifte von Kanonikern und Städte. Der Diözese Urbino hat er öfters nützliche Dienste erwiesen, hat dem Bischof Theuzo in einer besonders wichtigen Angelegenheit beigestanden und ihm mit Rat und Tat in der rechten Verwaltung seines Bischofsamtes geholfen. Durch eifrige Betrachtung göttlicher Dinge, durch körperliche Abtötungen und durch andere Übungen wahrer Heiligkeit ragte er hervor. Infolgedessen ernannte ihn Papst Stephan XI. trotz seiner Weigerung und seines Widerstrebens zum Kardinal der heiligen römischen Kirche und zum Bischof von Ostia. Glänzend verwaltete Petrus diese Ämter und lebte so, wie es einem Bischof geziehmt. In jener schwierigen Zeit wurde er infolge seiner Gelehrsamkeit durch Übernahme von Gesandschaften und anderen Arbeiten eine starke Stütze für die römische Kirche und den Papst. Gegen die Ketzerei der Nikolaiten und das Laster der Simonie kämpfte er mit größter Entschiedenheit bis zu seinem Tode. Dann versöhnte er die Kirche von Mailand mit der römischen. Den falschen Päpsten Benedikt und Kadalous setzte er stärksten Widerstand entgegen. Heinrich IV., König von Deutschland, hielt er von der unerlaubten Ehescheidung ab; die Bürger von Ravenna brachte er wieder zum schuldigen Gehorsam gegen den Heiligen Stuhl; die Stiftsherrn von Velletri veranlasste er ein heiligeres Leben zu beginnen. In der Provinz Urbino war kaum eine Diözese, um die sich Petrus nicht verdient gemacht hätte; der von Gubbio, die ihm eine Zeitlang anvertraut war, half er aus vielen Mißständen. Auch anderer nahm er sich, wenn es Not tat, genauso an, als wenn sie seiner eigenen Obhut anvertraut wären. Auch nachdem er die Kardinals- und Bischofswürde niedergelgt hatte, ließ er von seinem Eifer, dem Nächsten zu helfen, nicht ab. Er hat auch das Fasten am Freitag zu Ehren des heiligen Kreuzes Jesu Christi, die Tagzeiten von der heiligen Gottesmutter und ihre besondere Verehrung am Samstag verbreitet. Die Sitte, sich selbst zu geißeln, zur Sühne für die Sünden, hat er gefördert. Schließlich ging er, infolge seiner Heiligkeit und Gelehrsamkeit, seiner Wunder und seiner glänzenden Wirksamkeit berühmt, auf der Rückreise von einer Gesandschaft nach Ravenna, am 22. Februar in Faenza zu Christus ein. Sein Leib wurde durch viele Wunder verherrlicht. Er wird zu Faenza in der Kirche der Zisterzienser vom Volk hoch verehrt. Die Bürger von Faenza haben schon öfters in großer Gefahr seine Hilfe erfahren und haben ihn zu ihrem Patron erwählt. Papst Leo XII. hat das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre, die wie von einem Bekenner und Bischof schon in einigen Diözesen, sowie im Kamaldulenserorden gefeiert wurden, auf Antrag der heiligen Ritenkongregation unter der Zufügung des Titels Kirchenlehrer auf die ganze Kirche ausgedehnt.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 23. Februar 2017, 11:18

Hl. Matthias der Apostel 24. Februar

Lesung 4-6
Aus der Erklärung des hl. Bischofs Augustinus über den 86. Psalm:

Seine Grundfesten sind auf heiligen Bergen; es liebt der Herr die Tore Sions. - Warum sind die Apostel und Propheten die Grundfesten? Weil ihre Gewalt unsere Ohnmacht stützt. Warum sind sie Tore? Weil wir durch sie in das Reich Gottes eingehen. Denn sie predigen uns, und wenn wir durch sie eingehen, so gehen wir durch Christus ein; denn er ist die Tür. Und wenn von zwölf Toren Jerusalems die Rede ist, so ist das eine Tor Christus, und sind die zwölf Tore Christus, denn in den zwölf Toren ist Christus; daher auch die Zwölfzahl der Apostel; denn tief und bedeutungsvoll ist sie. Ihr werdet, spricht der Herr, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Wenn dort zwölf Throne sind, so bleibt keiner übrig, auf dem der dreizehnte Apostel Paulus säße und sein Richteramt ausübte. Doch sagt er selbst, daß er nicht nur Menschen, sondern auch Engel richten werde. Welche Engel anders als die abtrünnigen? Wisset ihr nicht, spricht er, daß wir Engel richten werden? Ihm könnte die Menge entgegnen: Was rühmst du dich deines Richteramtes? Wo willst du denn zu Gerichte sitzen? Der Herr sprach von zwölf Richterstühlen zu zwölf Aposteln; einer, Judas, ist gefallen und an seine Stelle wurde der heilige Matthias gewählt; und so ist die Zwölfzahl der Throne ausgefüllt. Suche zuerst einen Sitz, wo du dich niederlassen kannst, und dann drohe mit deiner Richtergewalt! Lasset uns also sehen, was diese zwölf Throne bedeuten. Ein tiefsinniger Hinweis auf die Allgemeinheit liegt darin, denn die Kirche sollte sich auf der ganzen Erde ausbreiten. Daher wird sie auch ein in Christus gefügter Bau genannt. Und weil man von überallher zum Gerichte kommt, sind es zwölf Richterstühle; ebenso hat auch jene Stadt zwölf Tore, weil man von überallher dorthin kommen kann. So gehören auch nicht nur jene zwölf und der Apostel Paulus, sondern alle, welche dereinst richten werden, wegen des Hinweises auf die Allgemeinheit zu den zwölf Thronen, so wie alle, welche eintreten werden. Denn es gibt vier Weltteile: Morgen, Mittag, Abend, Mitternacht. Diese vier Teile werden ständig in der Heiligen Schrift genannt. Von diesen vier Weltgegenden, so sagt der Herr im Evangelium, wird er seine Auserwählten sammeln. Von all diesen vier Windrichtungen wird also die Kirche gerufen! Wie wird sie gerufen? Von allüberall durch die Dreifaltigkeit, und zwar nur durch die Taufe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wenn also diese Vierzahl dreifach gesetzt ist, so kommt zwölf heraus.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 25. Februar 2017, 13:07

Sonntag Quinquagesima

4.-6. Lesung
Aus dem Buch des hl. Bischofs Ambrosius über den Patriarchen Abraham

Abraham war wahrlich ein großer Mann und durch viele glänzende Tugenden ausgezeichnet. Keine Weltweisheit kann trotz aller Bemühungen ihn je erreichen. Alles, was die Weltweisheit je erdacht hat, ist geringer als das, was er getan hat; größer als ihr prahlerisches, lügenhaftes Gerede ist der schlichte, wahrhaftsgetreue Bericht dessen, was er getan hat. Laßt uns daher vor allem die Gottergebenheit dieses Mannes betrachten; denn diese Tugend ist dem Range nach die erste und die Grundlage aller übrigen. Mit Recht war sie auch die erste, welche Gott von ihm forderte, als er sprach: Verlasse dein Land, deine Verwandschaft und deines Vaters Haus. Es hätte genügt zu sagen: Verlasse dein Land. Denn damit war schon gesagt, daß er auch seine Verwandschaft und sein Vaterhaus verlassen müsse. Gott zählte das alles einzeln auf, um seine Gesinnung zu prüfen; es sollte nicht den Anschein erwecken, als habe Abraham unklug gehandelt; es sollte auch die Möglichkeit, das Gebot Gottes zu umgehen, ausgeschlossen werden. Der Auftrag war also ganz ausführlich und nichts war dabei unklar. Ebenso wurde ihm aber auch die Belohnung in Aussicht gestellt, damit er nicht den Mut verliere. Er ward geprüft wie ein Held, ward angeeifert wie ein gottesfürchtiger Mann, aufgerufen wie ein Gerechter. Er zog aus, wie ihm der Herr befohlen hatte, und Lot zog mit ihm. Unter den Sprüchen der sieben Weltweisen, wird ganz besonders gefeiert das Wort: Folge Gott! Das hat Abraham geübt, und zwar schon bevor der Weise diesen Ausspruch tat. Er folgte Gott und verließ sein Land. Früher hatte er in einem anderen Lande gewohnt, nämlich im Lande der Chaldäer, dies hatte Therach, Abrahams Vater, verlassen und war nach Haran gezogen. Ferner nahm er seinen Neffen mit, obwohl ihm doch gesagt worden war: Verlasse deine Verwandtschaft! Darum wollen wir überlegen, ob das ausziehen aus dem Lande nicht soviel bedeutet, wie diese Erde, d. h. die Wohnung unseres Leibes zu verlassen; aus ihr war Paulus ausgezogen; denn er sagte: Unser Wandel ist im Himmel.

Lesung 7-9
Luk. 18, 31-43

Auslegung des hl.Papstes Gregor

Unser Erlöser sah voraus, daß seine Jünger bei seinem Leiden in große Verwirrung geraten würden. Darum sagte er ihnen schon lange zuvor sein schmachloses Leiden, aber auch seine glorreiche Auferstehung voraus, damit sie an seiner Auferstehung nicht zweifelten, auch wenn sie ihn sterben sähen, so wie er es vorhergesagt hat. Aber die damals noch ganz irdisch gesinnten Jünger konnten seine geheimnisvollen Worte nicht fassen; darum wirkte er ein Wunder; vor ihren Augen erhielt ein Blinder das Augenlicht wieder. Himmlische Werke sollten sie im Glauben festigen, nachdem sie seine Worte von dem geheimnisvollen Ratschlusse des Himmels nicht verstehen konnten. Die Wunder unseres Herrn und Heilandes, geliebteste Brüder, sind unter einem doppelten Gesichtspunkte zu betrachten. Zunächst müssen wir glauben, daß sie wirklich geschehen sind. Sodann hat jedes auch eine höhere Bedeutung und will uns etwas sagen. Seine Werke lehren uns etwas durch die Macht, die sich in ihnen äußert und noch etwas durch ihre tiefere Bedeutung.Wer dieser Blinde war, ist uns geschichtlich unbekannt; wohl aber wissen wir, was er versinnbilden und bedeuten soll. Blind ist nämlich das Menschengeschlecht. In seinem Stammvater wurde es aus dem Paradies der Wonne vertrieben, es kannte die Schönheit des himmlischen Lichtes nicht mehr und saß infolge seiner Verdammung in der Finsternis. Als der Erlöser kam, empfing es neues Licht. Nun kennt es das Glück innerer Erleuchtung und verlangt danach und kann durch Übung guter Werke auf dem Weg des Lebens voranschreiten. Zu beachten ist auch, daß der Blinde das Augenlicht erhielt, als Jesus sich Jericho näherte. Jericho bedeutet so viel wie Mond. In der Sprache der heiligen Schrift ist der Mond ein Sinnbild für die Vergänglichkeit des Fleisches. Denn er nimmt regelmäßig jeden Monat ab und ist so ein Bild für die Vergänglichkeit unseres sterblichen Leibes. Als unser Schöpfer also sich Jericho nähert, erhielt der Blinde das Augenlicht wieder. Als Gott unseren vergänglichen Leib annahm, erhielt das Menschengeschlecht das Licht, das es verloren hatte, wieder. Gott leidet Menschliches und dadurch wird der Mensch zu Gott emporgehoben. Darum passt es auch ganz gut, wenn es von dem Blinden heißt: Er saß am Weg und bettelte. Denn die ewige Wahrheit selbst sagt: Ich bin der Weg.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 26. Februar 2017, 12:32

Hl. Bekenner Gabriel von der schmerzhaften Jungfrau 27. Februar

Lesung 4-6
Gabriel stammte aus einer achtbaren Familie zu Assisi in Umbrien. Zum Andenken an seinen seraphischen Landsmann wurde er Franziskus genannt. Von Jugend an zeigte er vortreffliche Geistesanlagen. Als Jüngling oblag er zu Spoleto dem Studium der Wissenschaften. Eine Zeitlang schien es, als lasse er sich vom eitlen Prunk der Welt anlocken. Aber durch die Gnade des barmherzigen Gottes, der ihn schon lange zu einem vollkommenen christlichen Leben rief, verzichtete er nach einer schweren Krankheit auf die Eitelkeit der Welt und strebte nur noch nach unvergänglichen Gütern. Damit er umso schneller dem Ruf Gottes gehorchte, fügte es sich, daß er das berühmte Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau schaute, als es in feierlicher Prozession durch die Straßen von Spoleto getragen wurde, und dabei von der Flamme göttlicher Liebe ergriffen wurde und sogleich den Entschluß fasste, in die Genossenschaft der Kleriker vom Leiden Christi einzutreten. Nach Überwindung nicht geringer Schwierigkeiten nahm er im Kloster Morrovalle das einfache Ordenskleid und wählte sich den Namen Gabriel von der schmerzhaften Jungfrau, um ständig an ihre Freuden und Leiden erinnert zu werden. Schon während der Probezeit zeichnete er sich von Tag zu Tag immer mehr durch treue Beobachtung der Ordensregel und durch Übung aller Tugenden aus und brachte es in kurzer Zeit so weit, daß er nicht nur von seinen Mitbrüdern, auch den älteren, für ein Muster vollkommener Heiligkeit gehalten wurde, sondern auch außerhalb des Klosters, und daß er überall den Wohlgeruch Christi verbreitete. Ständig verehrte er das Leiden des Herrn und verwandte Tag und Nacht darauf, es zu betrachten. Zur heiligen Eucharistie, die das Gedächtnis dieses Leidens enthält, fühlte er sich mit unglaublicher Liebe hingezogen. Wenn er sie empfing, glühte er vor Liebe wie ein Seraph. Doch nichts ging über die Liebe, die er zur erhabenen Gottesmutter trug. Er suchte sie auf jede mögliche Art zu ehren, vor allem versenkte er sich so tief in ihre Leiden und Schmerzen beim Tod Jesu, daß er Ströme von Tränen dabei vergoß. Die tiefbetrübte Jungfrau war sozusagen der ganze Inhalt seines Lebens; sie war ihm die Lehrmeisterin der Heiligkeit. Bei seinen Mitbrüdern war man allgemein der Meinung, der Diener Gottes sei dazu von Gott berufen worden, daß durch sein Beispiel die Verehrung der tiefbetrübten Jungfrau Maria immer größere Verehrung finde. Unter allen Tugenden schätzte er besonders die christliche Demut und den Gehorsam. Er hielt sich für den Geringsten von allen und verrichtete mit Vorliebe die geringsten Arbeiten im Hause; er führte nicht nur die Befehle seiner Vorgesetzten, sondern auch deren Wünsche ganz gewissenhaft aus. Durch Zügelung der Sinne und große Lebensstrenge konnte er die Lilie der Jungfräulichkeit unbefleckt bewahren. Gänzlich der Welt gekreuzigt, lebte er einzig und allein für Gott und stand in ganz innigem Verkehr mit seinem Herrn. Im Glanze so vieler Tugenden vollendete er bald seinen kurzen Lebenslauf; mehr von der Glut seiner Liebe als von den Schmerzen der Krankheit aufgezehrt, starb er, von der Gottesmutter gestärkt zu Isola in den Abruzzen eines friedlichen Todes und schwang sich empor zu den Seligen im Jahre 1862 im Alter von 24 Jahren. Da ihn Gott durch Wunder verherrlichte nahm ihn Papst Pius X. in die Zahl der Seligen auf. Papst Benedikt XV. aber schenkte dem seligen Jüngling im Jahre 1920, 200 Jahre nach der Gründung seiner Genossenschaft, die Ehren der Heiligen; Pius XI. dehnte das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre auf die ganze Kirche aus.

7.-9. Lesung
Mark. 10, 13-21

Auslegung des hl. Priesters Beda Venerabilis
Der Herr sagte den Jüngern: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das Himmelreich. Ganz deutlich sagte er: Für solche, nicht für diese, um zu zeigen, daß es nicht auf das Alter, sondern auf die Gesinnung ankommt, daß denen die unschuldig und einfältig sind wie die Kinder, der Lohn verheißen wird. Mit dieser Auffassung stimmt auch die des Apostels überein: Brüder werdet nicht Kinder im Denken! In der Bosheit seid Kinder, im Urteil aber Erwachsene! Wahrlich, ich sage euch, wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind aufnimmt, wird in dasselbe nicht eingehen. Ein Kind ist nicht lang bös, denkt nicht fortwährend an das erlittene Unrecht, freut sich nicht beim Anblick einer schönen Frau, denkt nicht anders als es spricht. Wenn ihr nicht auch diese Unschuld und Herzensreinheit besitzt, könnt ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Noch in einem anderen Sinne müssen wir das Reich Gottes, d.h. die Lehre des Evangeliums wie Kinder aufnehmen. Ein Kind widerspricht nicht beim Unterricht seinen Lehrern, es sucht nicht nach Gründen und Beweisen gegen sie, sondern nimmt gläubig an, was ihm gelehrt wird, gehorcht in Ehrfurcht und verhält sich ruhig. So müssen auch wir handeln und müssen einfach und ohne Widerspruch den Worten des Herrn gehorchen. Und er umarmte sie, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Er umarmte und segnete die Kinder, um zu zeigen, daß die, die demütig sind im Geiste, seines Segens, seiner Gande und Liebe würdig sind. Und als er sich auf den Weg machte, kam ein Mann zu ihm, kniete vor ihm nieder und fragte: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? Ich glaube, dieser Mann, den der Herr nach dem Weg zum ewigen Leben fragte, hatte schon gehört, daß nur die, die wie die Kinder sein wollen, würdig sind, in das Himmelreich einzugehen. Weil er aber ganz sicher sein wollte, darum bat er, ihm nicht in Gleichnissen, sondern ganz offen zu sagen, durch welche Werke er sich das ewige Leben verdienen könne. Jesus antwortete ihm: Du kennst die Gebote. Damit meinte er die Reinheit und Unschuld der Kinder, die wir nachahmen müssen, wenn wir in das Reich Gottes eingehen wollen. Jener erwiderte: Das alles habe ich von Jugend an beachtet. Man darf nicht glauben, wie es manche taten, dieser Mann habe den Herrn in der Absicht gefragt, um ihn auf die Probe zu stellen, oder er habe ihm etwas vorgemacht über sein bisherges Leben, da er sagte, er habe die Vorschriften des Gesetzes stets beobachtet. Er bekannte vielmehr ganz schlicht und einfach, wie er wirklich gelebt hatte. Denn wenn er sich der Lüge oder Heuchelei schuldig gemacht hätte, dann hätte Jesus, der doch bis in die Falten seines Herzes sah, ihn sicher nicht, wie berichtet wird, liebgewonnen. Denn der Herr liebt die, welche die Vorschriften des Gesetzes bis ins kleinste beobachten. Und er weist die, die nach Vollkommenheit streben, gerade auf die Feinheiten des Gesetzes hin; er war ja nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern zu erfüllen. Zur vollkommenen Erfüllung des Gesetzes gehört dann aber auch, was er dann sagt: Gehe hin, verkaufe was du hast, und gib es denn Armen; dann wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Wer vollkommen sein will, muß verkaufen was er besitzt, und zwar nicht bloß teilweise, wie Ananias und Saphira, sondern ganz. Wenn er es verkauft hat, muss er alles den Armen geben, so kann er sich einen Schatz im Himmelreich sichern. Auch das genügt noch nicht zur Vollkommenheit, wenn er nach Verachtung des Reichtums nicht auch dem Heiland folgt, d.h. vom Bösen abläßt und Gutes tut. Es ist leichter, irdische Güter zu opfern als den eigenen Willen. Viele haben schon ihre Reichtümer hergegeben und sind dem Herrn doch nicht gefolgt. Nur der folgt in Wahrheit dem Herrn, der ihn nachahmt und in seinen Fußstapfen wandelt. Denn wer sagt, er glaube an Christus, muss auch so wandeln wie er.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 28. Februar 2017, 12:21

Aschermittwoch

1.-3. Lesung
Matth. 6, 16-21

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus
Durch diese Vorschrift soll offenbar unserer Sinn ganz auf die innere Freuden gelenkt werden. Wir sollen nicht einen äußeren Lohn suchen und dieser Welt gleichförmig werden und so die Verheißungen des Glückes verlieren, das umso dauerhafter und fester ist, je mehr es im Inneren ruht; denn Gott hat uns erwählt dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden. In diesem Punkt ist besonders zu beachten, daß nicht bloß in großem Glanz und Prunk nach außen, sondern auch in einfacher Trauerkleidung der Stolz sich äußern kann. Das ist umso gefährlicher, weil er da unter dem Schein des Gottesdienst auftritt. Wer durch übermäßige Körperpflege, Kleiderpracht und sonstigem Pomp sich hervortut, dem merkt man leicht an, daß er irdischen Glanz sucht, und er kann niemanden täuschen, wenn er auch recht scheinheilig tut. Wenn aber ein Christ durch ungewöhnliche Vernachläßigung des Äußeren und Schmutz die Blicke der Menschen auf sich zieht, vorrausgesetzt, daß er es absichtlich tut, nicht von der Not dazu gezwungen ist, dann kann man aus seinen übrigen Handlungen schließen, ob er dies aus Verachtung alles überflüssigen Putzes oder aus Ehrgeiz tut. Denn der Herr hat uns vor den Wölfen in Schafskleidern gewarnt und gesagt: an ihren Früchten werdet ihr sie schon erkennen. Sobald ihnen einmal durch irgend eine Prüfung das entrissen oder versagt wird, was sie unter dieser Maske entweder erreicht haben oder zu erreichen suchen, dann wird sich notwendigerweise zeigen, ob sie Wölfe im Schafspelz oder wirklich Lämmer in ihrer wahren Gestalt gewesen sind. Doch darf der Christ jetzt nicht deswegen durch übermäßige Kleiderpracht die Augen der Menschen auf sich lenken wollen, weil manchmal Heuchler schlechte oder notdürftige Kleidung dazu benutzen, um Unvorsichtige zu täuschen. Es brauchen ja auch die Schafe nicht ihre Wolle abzulegen, weil manchmal Wölfe sich damit bedecken.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 1. März 2017, 11:07

Donnerstag nach dem Aschermittwoch

1. - 3. Lesung
Matth. 8, 5-13

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Wir wollen sehen, ob Matthäus und Lukas in ihrem Bericht vom Knechte des Hauptmannes miteinander übereinstimmen. Matthäus schreibt: Es trat ein Hauptmann zu Jesus, bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause gelähmt. Dem scheint zu widersprechen, was Lukas sagt: Da er von Jesus gehört hatte, schickte er die Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn, er möge kommen und seinen Knecht gesund machen. Als diese zu Jesus kamen, baten sie ihn inständig und sprachen zu ihm: Er verdient es, daß du ihm das tust; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Jesus ging nun mit ihnen hin. Als er aber nicht mehr weit vom Hause war, schickte der Hauptmann seine Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Herr bemühe dich nicht; denn ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach. Wenn das so ist, wie kann denn nun wahr sein, was Matthäus berichtet: Es trat ein Hauptmann zu ihm hin? Er ist doch gar nicht zu Jesus gegangen, sondern hat seine Freunde hingeschickt. Wir brauchen aber nur genau hinzuschauen; dann werden wir merken, daß Matthäus auf keine Weise vom gewöhnlichen Sprachgebrauch abgewichen ist. Denn einmal sagen wir selbst regelmäßig, einer sei irgendwo hingegangen, wenn er auch noch gar nicht dahingekommen ist, wohin er, wie wir sagen, gegangen ist. So sagen wir auch, einer ist nicht nahe, oder er ist sehr nahe herangekommen an sein Ziel, zu dem er strebte. Ja, wir sagen auch einer habe einen anderen angegangen, um etwas von ihm zu erlangen, so als ob dies wirklich geschehen wäre, auch wenn der, der ihn angegangen hat, den anderen den er anging, gar nicht gesehen hat, weil er durch einen Freund den anging, dessen Gunst er braucht. Diese Redeweise ist uns so geläufig, daß die, die irgendeinen unnahbaren Großen durch Vorschieben geeigneter Personen geschickt gewinnen, allgemein im Lateinischen perventor, d.h. Hinzukömmlinge genannt werden. Matthäus konnte also mit Recht kurz sagen: Der Hauptmann trat zu ihm hin; dies verstand man allgemein in dem Sinne, daß es durch andere geschehen war. Diese tiefe bedeutungsvolle Ausdrucksweise des Evangelisten dürfen wir aber nicht blos oberflächlich betrachten. Im Psalm heißt es ja auch: Tretet hin zu ihm und ihr werdet erleuchtet. Da nun Jesus selbst den Glauben des Hauptmanns, durch den er in Wahrheit sich Jesus nahte, lobte und sprach: Solch großen Glauben hab ich in Israel nicht gefunden, darum wollte der weise Evangelist lieber den Ausdruck wählen, der Hauptmann sei selbst zu Christus gegangen, statt zu sagen, seine Freunde haben es getan; durch sie habe er seine Bitte vorgebracht.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 2. März 2017, 12:04

Freitag nach dem Aschermittwoch
1.-3. Lesung
Matth. Kap. 5,43 ff; 6,1. ff
Auslegung des hl. Priesters Hieronymus

Ich aber sage euch; Liebet eure Feinde, tuet gutes denen, die euch hassen. Es gibt viele, welche die Gebote Gottes an ihrer eigenen Schwachheit messen und nicht an der Kraft der Heiligen; sie glauben darum, ihre Erfüllung sei unmöglich, und sagen, es sei schon hinreichend, um tugendhaft zu sein, wenn man seine Feinde nicht hasse; sie aber zu lieben, das gehe über die menschliche Natur hinaus. Man muss aber wissen, daß Christus nicht unmögliches verlangt, sondern nur das, was tatsächlich schon geleistet wurde. Denn David hat es Saul und Absolom gegenüber getan; auch der Blutzeuge Stephanus hat für seine Feinde, während sie ihn steinigten, gebetet, und Paulus begehrte, ein Fluch zu werden für seine Verfolger. Dasselbe lehrte und übte auch Jesus, da er sprach: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun. Auf daß ihr Kinder eures Vaters seid, der im Himmel ist. Wenn jemand durch Beobachtung des Gebote Gottes ein Kind Gottes wird, dann ist er nicht seiner Natur nach, sondern durch seinen freien Willen ein Kind Gottes. Wenn du daher Almosen gibst, dann laß es nicht vor dir herposaunen, wie die Heuchler in den Synagogen und auf der Straße es tun, damit sie von den Menschen gepriesen werden. Wer also sein Almosen ausposaunt, ist ein Heuchler. Wer beim Fasten sein Angesicht verstellt, damit man es ihm ansehe, daß er nichts im Magen hat, der ist ein Heuchler. Der in den Synagogen und an den Straßenecken betet, um von den Menschen gesehen zu werden, der ist ein Heuchler. Aus all dem folgt, daß alle, die etwas tun, um von den Menschen gerühmt zu werden, Heuchler sind. Wie mir scheint, ist auch der einer, der zu seinem Bruder spricht: Halte still, bis ich dir den Splitter aus deinem Auge ziehe; denn anscheinend tut er es nur aus seiner Ehre willen, damit er selber gerecht erscheine. Daher ruft ihm der Herr zu: Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge. Nicht die Tugend selbst, sondern der Beweggrund der Tugend wird also von Gott belohnt. Wenn du auch nur ein klein wenig vom rechten Weg abweichst, dann macht es nichts aus, ob du nach rechts oder links gehst, nachdem du doch den richtigen Weg verloren hast.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 3. März 2017, 11:57

Samstag nach dem Aschermittwoch
Markus 6, 47. -56.
Auslegung des hl. Priesters Beda Venerabilis

Die Arbeit der Jünger beim Rudern und der widrige Wind deuten auf die mannigfachigen Bedrängnisse der hl. Kirche hin; diese bemüht sich auch, durch die Wellen der ihr widerstreitenden Welt und die Stürme der unreinen Geister zu der Ruhe des himmlischen Vaterlandes wie zum gesicherten Uferrand hinzusteuern. Daher heißt es ganz richtig: Das Schiff befand sich mitten auf dem Meere und Jesus war allein am Lande: Denn die Kirche wurde auch schon manchmal von so vielen Angriffen der Heiden heimgesucht, ja sogar entweiht, daß man hätte glauben können, wenn dies möglich wäre, ihr Heiland habe sie auf einige Zeit gänzlich verlassen. Von diesen Wogen und Stürmen und den hereinbrechenden Prüfungen betroffen, sucht sie unter lautem Seufzen seinen Beistand und seinen Schutz und ruft: Warum, Herr hast Du Dich so weit zurückgezogen und siehst nicht her, da es doch Zeit ist, auf unsere Not? Zugleich führt sie die Worte ihrer Feinde und Verfolger an, indem sie den darauffolgenden Psalmvers beifügt: Denn er spricht in seinem Herzen: Gott hat sie vergessen, hat abgewand sein Angesicht und sieht nimmer her auf sie. Er aber vergisst nicht das Flehen seiner Armen und wendet sein Angesicht nicht ab von denen, die auf ihn hoffen; vielmehr steht er allen bei, die mit den Feinden zu kämpfen haben, daß sie siegen können, und er krönt die Sieger auf ewig. Daher heißt es auch hier ganz deutlich: Er sah, daß sie große Mühe hatten beim Rudern. Denn der Herr sieht auf die, die sich abmühen im Meer, wenn er auch selbst am Strande steht. Wohl sieht es zeitweise aus, als zögere er, ihnen in ihrer Not zu helfen, aber er schaut doch huldvoll auf sie und gibt ihnen Kraft, daß sie in ihrer Bedrängnis nicht erliegen; und dann hilft er sogar ganz offensichtlich, dämmt gleichsam die hochgehenden Wogen ein und glättet sie und überwindet so die Gegner und rettet die Seinen.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 3. März 2017, 11:59

Hl. Kasimir 4. März

4. - 6. Lesung
Kasimir war der Sohn des Königs Kasimir von Polen und seiner Gemahlin Elisabeth von Österreich. Von vorzüglichen Lehrern wurde er in der Frömmigkeit, sowie den schönen Künsten und Wissenschaften unterrichtet. Von Jugend auf tötete er auch schon seine zarten Glieder mit einem rauhen Bußkleid und durch langes Fasten ab. Er schlief nicht in einem prächtigen, weichen Bett, sondern auf hartem Boden. Gar oft kniete er heimlich in der Nacht vor den Türen der Kirchen auf der Erde, um zum gütigen Gott zu beten. Ständig beschäftigte er sich mit der Betrachtung des Leidens Christi; und dem feierlichen Meßopfer wohnte er stets mit solcher Sammlung bei, daß man meinte, er sei verzückt. Seine besonderen Bemühungen galten der Förderung des katholischen Glaubens und der Beilegung des ruthenischen Schismas. Er brachte seinen Vater Kasimir dazu, ein Gesetz zu erlassen, daß die Schismatiker keine neuen Kirchen mehr bauen und die alten, wenn sie baufällig wurden, nicht wiederherstellen durften. Gegen Arme und Bedrängte war er gut und hilfsbereit; er erhielt darum den Namen Vater und Beschützer der Armen. Die Jungfräulichkeit hatte er von der Wiege an unbefleckt bewahrt. Am Ende seines Lebens verteidigte er sie noch einmal ganz besonders tapfer, da er von schwerer Krankheit heimgesucht war und lieber sterben wollte als auf den Rat der Ärzte hin die Keuschheit preiszugeben. So gelangte er in kurzer Zeit zur Vollendung. Reich an Tugenden und Verdiensten gab er an dem Tag, den er schon vorher als seinen Sterbestag bezeichnet hatte, umgeben von einem Chor von Priestern und Ordensleuten, seinen Geist Gott zurück im 25. Jahre seines Lebens. Sein Leib wurde nach Wilna gebracht und wird durch viele Wunder verherrlicht. Abgesehen davon, daß an seinem Grabe ein totes Mädchen das Leben, Blinde das Augenlicht, Lahme die Kraft zum Gehen und andere Kranke die Genesung wiedererlangten, erschien er in der Luft den Litauern, als sie wegen ihrer kleinen Streitmacht bei einem unverhofften Einfall eines mächtigen Feindes in großer Angst waren, und verhalf ihnen zu einem glänzenden Sieg. Deshalb nahm Leo X. ihn in die Zahl der Heiligen auf.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 4. März 2017, 12:07

1. Fastensonntag
Lesung 4-6
Predigt des hl. Papstes Leo
Geliebteste! Wenn ich euch jetzt das heilige, große Fasten verkündigen will, womit könnte ich da besser beginnen als mit dem Ausspruche des Apostels, durch den Christus redete, indem ich euch nämlich wiederhole, was soeben vorgelesen wurde: Sehet, jetzt ist die gnadenreiche Zeit; sehet, jetzt sind die Tage des Heils! Wohl gibt es keine Zeit, die nicht reich wäre an Gottes Gnadengaben, wohl steht der Zutritt zu Gottes Barmherzigkeit auf Grund seiner Gnade uns jederzeit offen, doch müssen gerade jetzt die Herzen aller mit größerem Eifer nach geistlichen Fortschritt streben und mit größerer Zuversicht erfüllt werden, da uns die Wiederkehr des Tages, an dem wir erlöst wurden, zu allen Werken der Frömmigkeit einladet; denn rein an Leib und Seele sollen wir das über alles hocherhabene Geheimnis des Leidens unseres Herrn feiern. Diesen hocherhabenen Geheimnissen gebührte eigentlich eine ständige Hingabe und Verehrung; vor dem Angesichte Gottes sollten wir immer so erscheinen, wie wir mit Recht am Osterfeste befunden werden. Weil aber dieser Starkmut nur wenigen gegeben ist, vielmehr sie Strenge wegen der Gebrechlichkeit des Fleisches immer wieder nachlässt und der Eifer infolge der mannigfaltigen Geschäfte dieses Lebens erkaltet, darum müssen notwendigerweise auch fromme Herzen von dem Staube der Welt befleckt werden. Deshalb ist von Gott die heilsame Einrichtung getroffen worden, daß eine vierzigtägige Übung und zur Wiederherstellung unserer Herzensreinheit helfen soll; während dieser Zeit sollen gute Werke wieder tilgen und heiliges Fasten wieder ausmerzen, was wir zu anderen Zeiten gesündigt haben. Da wir nun, Geliebteste, diese geheimnisvollen Tage beginnen, die zur Reinigung von Seele und Leib eingesetzt sind, so wollen wir besorgt sein, den Vorschriften des Apostels nachzukommen und uns von jeder Befleckung des Leibes und des Geistes zu reinigen. Den Widerstreit zwischen den beiden Teilen unseres Wesens wollen wir zur Ruhe bringen; dann kann der Geist unter Gottes Leitung Führer des Körpers werden und seine Würde und seine Herrschaft behaupten. Geben wir niemand einen Anstoß und setzen wir uns damit nicht dem Tadel unserer Gegner aus. Denn mit Recht werden uns die Vorwürfe der Ungläubigen treffen, durch unsere Schuld werden sich die Zungen der Gottlosen daran machen, die Religion zu beschimpfen, wenn unser Verhalten während des Fastens mit vollkommener Reinheit und Enthaltsamkeit im Widerspruch steht. Denn nicht der bloße Verzicht auf Nahrung bildet die Hauptsache beim Fasten; ja wir würden ganz umsonst dem Leib die Speise versagen, wenn nicht auch der Geist vom sündigen Tun sich enthalten würde.

Lesung 7-9
Matth. 4, 1-11
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Manche zweifeln oft, von welchem Geiste Jesus in die Wüste geführt wurde. Weiter unten heißt es ja auch: Da nahm ihn der Teufel mit in die heilige Stadt; und wiederum: Abermals nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg. Man muss aber wirklich und fraglos annehmen, daß er vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde, daß ihn sein Geist selbst dahin führte, wo der böse Geist zu ihm kommen und ihn versuchen sollte. Wenn es aber heißt, der Gottmensch sei vom Teufel auf einen hohen Berg oder in die heilige Stadt geführt worden, da möchte unser Geist sich weigern, das zu glauben, und die Ohren eines Menschen erschaudern, solches zu hören. Wenn wir aber bedenken, daß noch ganz andere Dinge mit ihm geschehen sind, dann merken wir, daß auch dies gar nicht so unglaublich ist. Sicher ist der Teufel das Haupt aller Bösen; alle Bösen sind Glieder dieses Hauptes. War Pilatus nicht ein Glied des Teufels? Waren nicht die Juden, welche Christus verfolgten, und die Soldaten, welche ihn kreuzigten, Glieder des Teufels? Was wundern wir uns demnach, wenn er sich vom Teufel auf den Berg führen ließ, da er es duldete, daß er von den Gliedern des Teufels gekreuzigt wurde? Es ist daher für unseren Heiland nicht entwürdigend, wenn er diese Versuchung zuließ, da er ja gekommen war, unseren Tod durch seinen zu überwinden. Wir müssen aber bedenken, daß eine Versuchung auf dreifache Weise vor sich gehen kann: durch Anreiz, durch wohlgefälliges Verweilen, durch Einwilligung. Wenn wir versucht werden, so gefallen wir gewöhnlich durch wohlgefälliges Verweilen im Bösen oder auch durch Einwilligung in das Böse; denn wir sind sündigem Fleische entsprossen und tragen in uns den Keim, durch den wir Anfechtungen erleiden. Gott hingegen wurde im Schoße der Jungfrau und kam sündenlos auf diese Welt; er trug keineskegs diesen Widerstreit in sich. Er konnte also durch Anreizung versucht werden, aber kein wohlgefallen am Bösen verwundete seinen Geist. Daher war auch diese ganze Versuchung des Teufels nur äußerlich, nicht innerlich.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 5. März 2017, 11:23

Montag nach dem 1. Fastensonntag
Lesung 1 - 3

Matth. 25, 31-46
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus
Wenn wir, ohne die Gebote zu beobachten durch den Glauben allein, der aber ohne Werke tot ist, zum ewigen Leben gelangen könnten, wie könnte dann wahr sein, was Christus denen, die er zu seiner linken stellte, sagen wird: Weichet von mir in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist? Er tadelt sie ja nicht, weil sie nicht an ihn geglaubt, sondern weil sie keine guten Werke getan haben. Damit also niemand vom Glauben, der doch ohne Werke tot ist, das ewige Leben sich verspreche, gerade deshalb hat er gesagt, daß er alle Völker scheiden werde, welche nebeneinander auf der selben Weide gelebt haben. Offensichtlich sind demnach die, welche ihm zurufen werden: Herr wann sahen wir dich solches leiden und haben dir nicht geholfen? solche die auch an ihn geglaubt, aber um die Übung guter Werke sich nicht gekümmert haben, als ob man durch einen toten Glauben zum ewigen Leben gelangen könnte. Müssen nun nur die in das ewige Feuer eingehen, die keine Werke der Barmherzigkeit getan haben? Nicht auch jene die fremdes Gut geraubt haben? Oder die welche den Tempel Gottes in sich geschändet oder so gegen sich selbst herzlos gewütet haben? Als ob die Werke der Barmherzigkeit ohne die Liebe etwas nützen könnten, wo doch der Apostel sagt: Wenn ich doch mein ganzes Vermögen den Armen austeilen würde, hätte aber die Liebe nicht, so würde es mir nichts nützen. Kann denn jemand seinen Nächsten wie sich selbst lieben, wenn er nicht einmal sich selbst liebt? Denn wer die Sünde liebt hasst seine Seele. Man kann hier aber auch nicht das einwenden, wodurch viele sich selbst täuschen; das Feuer sei zwar ewig, nicht aber die Qual selbst. Sie glauben nämlich durch das ewige Feuer gingen jene nur hindurch, denen sie wegen ihres toten Glaubens das Heil durch Feuer versprechen; dann wäre also das Feuer selbst ewig, die Feuerqual aber, d.h. die Tätigkeit des Feuers an ihnen würde nicht ewig dauern. Doch der Herr hat solches vorrausgesehen und seinen Urteilsspruch darum mit den Worten geschlossen: Diese werden in die ewige Qual eingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben. Wie das Feuer, so wird auch die Qual ewig sein. Dazu werden, wie die Wahrheit selbst versichert, alle verdammt, denen nicht der Glaube, sondern die guten Werke gefehlt haben.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 5. März 2017, 11:28

Hll. Martyrinnen Perpetua und Felizitas 6. März

Perpetua und Felizitas wurden in der Verfolgung des Kaisers Severus in Afrika gleichzeitig mit Revokatus, Saturninus und Sekundulus verhaftet und in einen finsteren Kerker geworfen; später kam noch Satyrus dazu. Sie waren noch Taufkandidatinnen, wurden aber kurz darauf getauft. Einige Tage später wurden sie mit ihren Gefährten aus dem Kerker geholt und vor Gericht gestellt. Nach einem ruhmvollen Bekenntnis des Glaubens wurden sie vom Landpfleger Hilarion zum Tod durch die wilden Tiere verurteilt. Freudig kehrten sie in ihren Kerker zurück; dort wurden sie durch verschiedene Erscheinungen gestärkt und zum siegreichen Martyrium ermutigt. Perpetua ließ sich weder durch die wiederholten Bitten und Tränen ihres vom Alter gebeugten Vaters, noch durch die Liebe zu ihrem kleinen Kinde, noch durch die bitteren Qualen vom Glauben an Christus abbringen. Als der Tag der Vorführung immer näher kam, war Felizitas in großer Sorge, daß sie zurückgestellt würde; denn sie war schon seit acht Monaten gesegneten Leibes, und es war gesetzlich verboten, hoffende Frauen hinzurichten, doch auf das Gebet ihrer Leidensgenossen hin wurde die Niederkunft beschleunigt, und sie gebar ein Mädchen. Während sie nun bei der Geburt in Wehen lag, sagte einer von den Wächtern zu ihr: Wenn du jetzt schon solche Schmerzen hast, was wirst du erst tun, wenn du den wilden Tieren vorgeworfen wirst? Da antwortete sie: Jetzt leide ich; dann aber wird ein anderer in mir sein, der für mich leidet; dann werde auch ich für ihn leiden. Endlich, am 7. März, wurden die hochherzigen Frauen vor dem ganzen Volk im Amphitheater vorgeführt und zunächst gegeißelt. Dann wurden sie von einer wild gewordenen Kuh eine Zeitlang hin und hergeschleudert, gestoßen und auf die Erde geworfen. Schließlich wurden sie mit ihren Gefährten, die von anderen Tieren gequält worden waren, durch Schwerthiebe niedergemacht. Das Fest dieser heiligen Märtyrerinnen hat Papst Pius X. für die ganze Kirche zu einem höheren Rang erhoben und auf den 6. März festgesetzt.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 6. März 2017, 11:24

Dienstag nach dem 1. Fastensonntag
1. - 3. Lesung
Matth. 21, 10-17
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Was der Herr durch den Fluch über den unfruchtbaren Feigenbaum bildlich tat, das zeigte er bald darauf deutlicher, da er die Gottlosen aus dem Tempel trieb. Denn für den Baum war es keine Sünde, daß er keine Früchte hatte, als den Herrn hungerte, es war ja auch die Zeit dafür noch gar nicht gekommen. Aber für die Priester war es eine Sünde, daß sie im Hause Gottes irdische Geschäfte trieben und es unterließen, die Früchte der Frömmigkeit zu bringen, die sie hätten bringen sollen und nach denen der Herr bei ihnen sehnlichst verlanget. Der Herr brachte den Baum durch seinen Fluch zum Verdorren; so konnten alle, die es sahen oder hörten, merken, daß sie vor dem Richterstuhl Gottes viel strenger gerichtet werden, wenn sie, ohne die Früchte guter Werke zu bringen, nur zu frommen Reden Beifall klatschen und sich damit wie mit dem Rauschen und äußeren Schmuck grüner Blätter zufrieden geben. Weil sie das aber nicht einsahen, darum ließ er sie die verdiente Strafe in ihrer ganzen Strenge fühlen und warf alle rein weltlichen Verkaufsgegenstände aus jenem Hause hinaus, in dem nur Gottesdienst verrichtet, Opfer und Gebete Gott dargebracht, das Wort Gottes vorgelesen, angehört und gesungen werden sollte. Und doch müssen wir annehemen, daß im Tempel nur mit solchen Dingen gehandelt wurde, welche dort zum Gottesdienste erforderlich waren. An einer anderen Stelle lesen wir ja auch, daß er beim Eintritte in den Tempel Verkäufer und Käufer von Schafen, Rindern und Tauben antraf; es ist also anzunehmen daß die Auswärtigen dies alles nur zu Opferzwecken im Hause des Herrn von den Einheimischen kauften. Wenn also der Herr nicht einmal den Verkauf der Dinge im Tempel gestatten wollte, deren Darbringung er doch wollte, und zwar wegen der Habsucht oder Betrügerei, die gewöhnlich die Fehler der Kaufleute sind, wie scharf würde er wohl erst vorgehen, wenn er dort jemand antreffen würde, der lacht oder schwätzt oder irgendeinem Laster ergeben ist? Wenn der Herr diese weltlichen Geschäfte, die anderswo ruhig vorgenommen werden dürfen, in seinem Hause nicht duldet, wieviel mehr verdienen erst Handlungen, die nirgens erlaubt sind, Strafe vom Himmel, wenn sie im Heiligtum Gottes geschehen? Da der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf den Herrn herabkam, werden durch die Tauben passend die Gaben des Heiligen Geist angedeutet. Wer ist nun heute in der Kirche Gottes ein Verkäufer von Tauben? Nur die, die Geld annehmen für die Handauflegung, durch die der Heilige Geist mitgeteilt wird.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 6. März 2017, 11:29

Hl. Thomas von Aquin 7. März
4. - 6. Lesung
Der hochheilige Thomas, diese Zierde der christlichen Welt, diese Leuchte der Kirche, war der Sohn vornehmer Eltern, nämlich des Grafen Landulph von Aquin und seiner Gemahlin Theodora von Neapel. Er offenbarte schon als unmündiges Kind seine spätere besondere Vorliebe für die Gottesmutter. Einst fand er nämlich ein Blatt, auf dem das Ave Maria geschrieben stand; trotz aller Bemühungen seiner Amme hielt er es in der geballten Faust ganz fest, und als es ihm von der Mutter mit Gewalt weggenommen wurde, verlangte er es unter Weinen und Gebärden wieder zurück; und als er es wieder erhielt, verschluckte er es. Mit fünf Jahren wurde er den Mönchen des heiligen Benedikt zu Monte Cassino zur Erziehung übergeben. Später wurde er zum Studium nach Neapel geschickt. Noch als Jüngling trat er in den Dominikanerorden ein. Seine Mutter und seine Brüder jedoch waren darüber sehr ungehalten, und als er nach Paris gesandt wurde, fingen seine Brüder ihn unterwegs ab und brachten ihn auf das Schloß San Giovanni; dort setzten sie ihm auf alle mögliche Weise zu, seinen heiligen Entschluß zu ändern; selbst ein Weib führten sie zu ihm, um ihn zu Fall zu bringen; er vertrieb sie jedoch mit einer brennenden Fackel. Bald darauf, als er kniend vor einem Kreuzbild betete und dabei vom Schlafe überfallen wurde, schien es ihm, als ob Engel seine Lenden umgürteten. Von dieser Zeit an blieb er für immer von jeder Regung der Sinneslust verschont. Seine Schwestern, die in der Absicht zu ihm auf die Burg kamen, ihn von seinem gottgefälligen Entschlusse abzubringen, brachte er so weit, daß sie alle irdischen Sorgen aufgaben und sich einem frommen Leben weihten. Durch ein Fenster entkam er schließlich von der Burg und kehrte nach Neapel zurück. Von da kam er nach Rom und später in Begleitung des Bruders Johannes Theutonikus, des Generalmagisters der Dominikaner, nach Paris. Dort studierte er unter der Leitung Alberts des Großen Philosophie und Theologie. Im Alter von 25 Jahren wurde er zum Magister ernannt und hielt unter dem größten Beifall öffentliche Vorlesungen über die Werke der Philosophen und Theologen. Niemals begann er zu Lesen oder zu Schreiben, ohne vorher zu beten. Bei schwierigen Stellen der Heiligen Schrift fügte er zum Gebet noch das Fasten hinzu. Ja, er sagte wiederholt zu seinem Mitbruder Reginaldus, alles, was er wisse, habe er nicht durch Studium oder eigene Arbeit sich angeignet, sondern von Gott empfangen. Als er einst zu Neapel vor einem Bilde des Gekreuzigten innig betete, hörte er die Worte: Du hast gut über mich geschrieben, Thomas; welchen Lohn willst du nun haben? Darauf erwiderte er: Herr, keinen anderen, als Dich. Die Schriften der Väter las er sehr eifrig und es gab keinen Schriftsteller, mit dem er sich nicht gewissenhaft beschäftigt hätte. In seinen zahlreichen Schriften über die verschiedenen Gebiete zeigt er eine große Gewandtheit, schwierige Fragen klar darzulegen; seine umfassende reine Lehre stimmt wundervoll mit den geoffenbarten Wahrheiten überein und ist darum ganz geeignet, die Irrtümer aller Zeit zu widerlegen. Von Papst Urban IV. wurde er nach Rom gerufen und verfaßte in seinem Auftrag das kirchliche Stundengebet für das Fronleichnamsfest. Ehrenstellen, sowie das Bischofsamt von Neapel lehnte er ab, auch als Klemens IV. sie ihm anbot. Von der Verkündigung des Gotteswortes ließ er nie ab; als er dies in der Oktav von Ostern einmal in der Basilika des heiligen Petrus tat, heilte er eine Frau, die den Saum seines Gewandes berührte, vom Blutflusse. Vom heiligen Gregor X. wurde er zum Konzil nach Lyon gesandt, fiel aber im Kloster Fossanuova in eine Krankheit. Noch während der Krankheit schrieb er eine Erklärung zum Hoheliede. Dort starb er in seinem 50. Lebensjahr am 7. März im Jahre des Heils 1274. Nach seinem Tode wurde er durch Wunder verherrlicht. Nach deren Prüfung wurde er von Johannes XXII. im Jahre 1323 in die Zahl der Heiligen aufgenommen. Auf Anordnung Urbans V. wurde später sein Leib nach Toulouse übertragen. Wegen seiner Unschuld und auch wegen seiner Geistesanlagen wurde er mit den Engeln verglichen und erhielt darum mit Recht den Namen engelgleicher Lehrer. Dieser wurde auch amtlich vom heiligen Pius V. bestätigt. Leo XIII. aber nahm bereitwillig die Anträge und Wünsche fast aller kaholischen Bischöfe entgegen und bestellte auf Vorschlag der heiligen Ritenkongregation durch ein apostolisches Schreiben den heiligen Thomas zum himmlischen Patron aller katholischen Schulen. Damit wollte er den vielen verderblichen, falschen Systemen der Philosophie einen Damm entgegensetzen und wollte zum Wohl der ganzen Menscheit der Wissenschaft neuen Auftrieb geben.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 7. März 2017, 11:19

Quatembermittwoch nach dem 1. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Matth. 12,38-50
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Nachdem das Volk der Juden sein Verwerfungsurteil empfangen, wird uns in den Niniviten, die Buße taten, und in der Königin des Südens, die nach Weisheit verlangte, ein erhabenes Bild der Kirche anschaulich vor Augen gestellt, wie sie sich von allen Enden der Erde sich sammelt, um die Worte des Friedensfürsten Salomon zu vernehmen. Ja, wahrlich, die Kirche ist eine Königin; ihr Reich ist ungeteilt; aus den verschiedensten und entlegensten Völkern fügt es sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Das war also damals ein bedeutungsvollen Hinweis auf Christus und seine Kirche. Größer aber ist jetzt die Gegenwart, wo das Geheimnis in seiner Wirklichkeit voll entfaltet. Die damalige Begegnung war nur ein Bild davon. Salomon war damals nur ein Vorbild, hier aber ist Christus leibhaftig. Aus zwei Gruppen setzt die Kirche sich zusammen: Die einen kennen die Sünde überhaupt nicht, die anderen hören auf zu sündigen. Denn die Buße tilgt die Vergehen; die Weisheit bewahrt davor. Das Zeichen des Jonas ist ein Vorbild der Leiden des Herrn, ebenso auch ein Hinweis auf den schweren Frevel, den die Juden verübt haben. Man kann darin eine Offenbarung der Größe Gottes und zugleich auch einen Beweis seiner Liebe erblicken. Denn den Männern von Ninive, die als Beispiel angeführt werden, wird zuerst die Strafe angekündigt, dann können wir aber auch das Rettungsmittel sehen. Deshalb brauchen auch die Juden nicht an der Vergebung ihrer Sünden zu verzweifeln, wenn sie Buße tun wollen.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 7. März 2017, 11:27

Hl. Johannes von Gott 8. März
4. - 6. Lesung

Johannes von Gott wurde von frommen katholischen Eltern in der Stadt Montemajor a Novo im Königreich Portugal geboren. Zu welch hohem Beruf er von Gott bestimmt war, zeigte sich schon im Augenblick seiner Geburt ein ungewöhnlicher Glanz über seinem Hause und ein feierliches Glockengeläute, das ganz von selbst einsetzte. Von einer etwas freien Lebensweise wurde er von der Gnade Gottes zurückgerufen und von da ab war er ein Muster großer Heiligkeit. Durch eine Predigt fühlte er sich so stark zum Guten hingezogen, daß er schon bei Beginn seines heiligeren Lebens die Vollkommenheit und Vollendung erreicht zu haben schien. Sein ganzes Vermögen verteilte er an die im Kerker schmachtenden Armen und wurde nun ein Schauspiel wunderbarer Buße und Selbstverleugnung für das ganze Volk. Von vielen jedoch wurde er für wahnsinnig gehalten und schwer angegriffen und sogar ins Irrenhaus gebracht; Johannes aber entbrannte nur noch mehr von heiliger Liebe. Er errichtete in Granada mit Hilfe milder Gaben zwei große Krankenhäuser, gründete einen neuen Orden und schenkte so der Kirche die neue Genossenschaft der Barmherzigen Brüder, die mit großem Gewinn für Leib und Seele den Kranken dienen; sie sind überall in der Welt verbreitet. Arme Kranke trug er manchmal auf seinen eigenen Schultern nach Hause und ließ ihnen nichts an Leib und Seele fehlen. Seine Liebe erstreckte sich auch über die Mauern seines Krankenhauses hinaus auf die bedürftigen Witwen und namentlich gefährdete Jungfrauen, denen er heimlich Lebensmittel zuwandte und bei denen er sich rastlos bemühte, die Fleischeslust, wenn sie davon befallen waren, zu ertöten. Als einst im königlichen Krankenhause zu Granada eine furchtbare Feuerstbrunst ausbrach, sprang Johannes furchtlos in das brennende Gebäude, eilte darin hin und her, bis er alle Kranken entweder auf seinen Schultern herausgetragen oder sie in ihren Betten an den Fenstern heruntergelassen und so vor dem Feuer gerettet hatte. Eine halbe Stunde lang weilte er so mitten in den ungeheuren Flammen, dann kam er mit Gottes Hilfe zum Staunen aller Leute unversehrt heraus; so gab er ein Beispiel der Liebe und zeigte, daß das Feuer, das um ihn herum brannte, weit schwächer war als jenes, das in seinem Innern loderte. Er zeichnete sich besonders durch vielseitige strenge Abtötung, durch ganz untertänigen Gehorsam, durch große Armut, durch Eifer im Gebet, durch Betrachtung der göttlichen Dinge und durch fromme Verehrung der heiligen Jungfrau aus. Auch besaß er die Gabe der Tränen. Schließlich wurde er von einer schweren Krankheit ergriffen, empfing fromm und andächtig die Sakramente der Kirche und, obschon er bereits ganz entkräftet war, zog er seine Ordenskleidung an, erhob sich vom Bett, fiel auf die Knie nieder und umfaßte mit der Hand und mit dem Herzen das Kruzifix und starb so im Frieden des Herrn am 8. März 1550. Auch nach dem Tode hielt er das Kreuz noch fest umschlungen und ließ es nicht los; in dieser Stellung verharrte er wunderbarerweise ungefähr sechs Stunden lang; die ganze Stadt konnte ihn so sehen; dann nahm man ihn erst weg. Sein Leichnam verbreitete einen wundervollen Wohlgeruch. Vor und nach seinem Tode wurde er durch viele Wunder verherrlicht. Darum nahm ihn Papst Alexander VIII. in die Zahl der Heiligen auf. Leo XIII. bestellte ihn auf Wunsch der Bischöfe der katholischen Welt auf Vorschlag der Ritenkongregation zum himmlischen Patron aller Krankenhäuser und aller Kranken, die darin liegen, und ordnete an, daß sein Name in der Litanei für die Sterbenden angerufen werde.

Lesung 7-9

Matth. 22, 34-46

Auslegung des hl. Johannes Chrysostomus

Nachdem er die Saduzäer abgefertigt hatte, kamen die Pharisäer wieder zu ihm. Sie hätten eigentlich ruhig sein sollen, doch sie wollten unbedingt Streit anfangen. Sie schickten einen Gesetzeskundigen vor, nicht um von ihm zu lernen, sondern um ihn auf die Probe zu stellen. So fragten ihn also, welches das erste Gebot im Gesetze sei. Das erste lautet bekanntlich: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; sie glaubten aber, er werde dieses Gebot abändern, vielleicht etwas hinzufügen, weil er sich ja als Gott ausgab; darum stellten sie an ihn diese Frage. Was tat nun Christus? Um ihnen zu zeigen, daß sie deshalb auf diese Frage gekommen waren, weil sie keine Liebe hatten und vor Neid vergingen, darum sagte er: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben; das ist das erste und größte Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Weshalb ist das zweite dem ersten gleich? Weil es in ihm enthalten ist und von ihm getragen wird. Denn wer böses tut, haßt das Licht und kommt nicht ans Licht. Ferner: Nur der Tor spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Dann heißt es weiter: Verderbt sind sie; abscheulich ist ihr Treiben. Und wiederum: Die Wurzel alles bösen ist die Habsucht; weil sich einige ihr ergeben haben, sind sie vom Glauben abgefallen. Weiterhin: Wer mich liebt, wird meine Gebote halten. Die Wurzel und der Mittelpunkt der Gebote ist ja: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn also Gott lieben soviel ist wie deinen Nächsten lieben - er sagt ja: Wenn du mich liebst, Petrus, weide meine Schafe!- und wenn die Liebe zum Nächsten bewirkt, daß man die Gebote hält, dann ist richtig, was er sagt, daß darauf das ganze Gesetz und die Propheten ruhen. Und wie er vorher, als er über die Auferstehung gefragt wurde, mehr sagte, als die Fragenden wollten, so hat er auch hier, wiewohl er nur nach dem ersten Gebot gefragt worden war, ganz von selbst das zweite dazu gesagt, das dem ersten nicht viel nachsteht. Denn das zweite ist dem ersten gleich. So hat er ganz leise angedeutet, daß sie nur aus Haß ihn gefragt hatten; denn die Liebe, heißt es, ist nicht eifersüchtig.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 8. März 2017, 11:26

Hl. Witwe Fransika vom Rom 9. März
Franziska war eine adelige Frau aus Rom. Von Kindheit an gab sie glänzende Proben ihrer Tugenden. Sie hatte keine Freude an kindlichen Spielen oder an den Lockungen der Welt; am liebsten war es ihr, wenn sie allein sein und beten konnte. Mit elf Jahren faßte sie den Entschluß, ihre Jungfräulichkeit Gott zu weihen und ins Kloster zu gehen. Dem Willen ihrer Eltern demütig gehorchend, heiratete sie aber später Laurentius dei Pontiani, einen reichen, vornehmen jungen Mann. Auch in der Ehe behielt sie, soweit es möglich war, ihre strenge Lebensweise stets bei. Sie ging nicht ins Theater, zu Gastmählern oder anderen derartigen Vergnügen, trug stets ein wollenes, einfaches Kleid und widmete alle Zeit, die ihr neben der Sorge für ihre Familie noch übrig blieb, dem Gebete oder dem Dienste des Nächsten. Ihre Hauptsorge war, die römischen Frauen von weltlicher Prachtliebe und eitler Putzsucht abzubringen. Sie gründete noch zu Lebzeiten ihres Mannes in Rom das Haus der Oblaten nach der Regel des heiligen Benedikt im Anschluß an die Kongregation von Monte Oliveto. Die Verbannung ihres Gatten, den Verlust ihres Vermögens und den Ruin ihres ganzen Hauses ertrug sie nicht nur mit größtem Starkmut, sondern sie dankte sogar Gott dafür, so wie der selige Job, und wiederholte häufig die Worte: der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; gepriesen sei der Name des Herrn. Nach dem Tode ihres Mannes eilte sie sogleich zu dem bereits erwähnten Haus der Oblaten und flehte barfuß, mit einem Strick um den Hals, unter vielen Tränen um Aufnahme in diese Genossenschaft. Ihre Bitte wurde ihr gewährt. Nun wollte sie, obschon sie die Mutter von allen war, nur eine Magd, ein armes Weib und ein Gefäß der Sünde genannt werden. Diese geringe Meinung von sich selbst bestätigte sie durch Wort und Tat. Oft trug sie, wenn sie von ihrem vor der Stadt gelegenen Weinberg heimkehrte, ein Bündel Holz auf dem Kopfe oder trieb einen mit Holz beladenen Esel durch die Stadt; sie suchte den Armen zu helfen und teilte reichlich Almosen an sie aus; sie besuchte die Kranken in den Spitälern und gab ihnen nicht bloß Nahrung für den Leib, sondern auch heilsame Lehren. Ihren Leib suchte sie durch Nachtwachen und Fasten, durch ein Bußkleid und einen eisernen Gürtel und durch häufige Geißelungen im Zaum zu halten. Nur einmal am Tag nahm sie Speise zu sich, und zwar nur Kräuter und Gemüse, und sie trank nur Wasser. Diese körperlichen Abtötungen milderte sie manchmal ein wenig auf Befehl ihres Beichtvaters, nach dessen leisestem Wink sie sich sofort richtete. Die Geheimnisse Gottes, namentlich das Leiden unseres Herrn Jesus Christus, betrachtete sie mit solcher inneren Glut und unter einem solchen Tränenstrom, daß sie von Mitleid fast gänzlich aufgezehrt wurde. Oft wurde sie beim Gebet, besonders nach dem Empfang des allerheiligsten Altarsakramentes, im Geiste zu Gott erhoben und blieb, von himmlischer Verzückung hingerissen, ganz unbeweglich. Daher versuchte auch der Feind des Menschengeschlechtes, sie durch mannigfache Verfolgungen und sogar durch Schläge von ihren Vorsätzen abzubringen; doch furchtlos wies sie ihn jedesmal ab und errang, vor allem durch den Beistand ihres Engels, mit dem sie ganz vertraut verkehrte, einen glänzenden Sieg über ihn. Sie besaß die Gabe der Krankenheilung und der Weissagung; sie sagte öfters die Zukunft voraus und schaute die Geheimnisse der Herzen. Oftmals blieb sie, während sie betete, vom Hochwasser oder vom Regen unberührt. Kleine Stückchen Brot, die kaum für drei Schwestern gereicht hätten, vermehrte der Herr auf ihr Gebet hin so wunderbar, daß fünfzehn davon satt wurden und noch ein ganzer Korb voll übrig blieb. Als ihre Schwestern einst im Januar außerhalb der Stadt Holz sammelten und dabei Durst bekamen, pflückte sie von einem Weinstock, der sich an einem Baum empor rankte, wunderbarerweise ganz frische Trauben und erfrischte damit ihre Schwestern. Schließlich ging sie in ihrem 56. Lebensjahr, berühmt durch ihre Verdienste und Wunder, zum Herrn ein. Papst Paul V. nahm sie in die Zahl der Heiligen auf.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 8. März 2017, 11:29

Donnerstag nach dem 1. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Matth. 15,21-28

Auslegung des hl. Priesters Hieronymus
Er verließ die verleumderischen Schriftgelehrten und Pharisäer und begab sich in die Gegend von Tyrus und Sidon, um diesen Völkern Rettung zu bringen. Ein kananäisches Weib aber kam aus dem Grenzgebiet und bat ihn laut um die Heilung ihrer Tochter. Beachte, daß die Heilung dieser Kanaaniterin sein fünfzehntes Wunder ist. Herr, Sohn David, erbarme dich meiner! Sie konnte Jesus den Sohn David nennen, weil sie aus der dortigen Gegend weggegangen war und den Irrglauben der Tyrier und Sidonier aufgegeben hatte, da sie mit dem Aufenthaltsort auch den Glauben aufgegeben hatte. Meine Tochter wird sehr von einem bösen Geist geplagt. Diese Tochter des kananäischen Weibes ist m.E. ein Bild jener Christenseelen, die sehr vom bösen Geist geplagt wurden und aus Unkenntnis ihres Schöpfers Steine angebeteten. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Das geschah nicht aus Stolz wie bei den Pharisäern oder aus Hochmut wie bei den Schriftgelehrten; sondern er wollte nur seinem eigenen Befehle nicht zuwider handeln. Denn er hatte gesagt, geht nicht hin auf die Straßen der Heiden und betretet nicht die Stätte der Samariter. Er wollte eben den Verleumdern keine Handhabe bieten und verschob die volle Erlösung der Heiden bis zur Zeit seines Leidens und seiner Auferstehung. Und seine Jünger traten hinzu, baten ihn und sprachen; laß sie doch weggehen; denn sie schreit uns nach. Die Jünger die zu jener Zeit die geheimnisvollen Pläne des Herrn noch nicht kannten, legten für dieses kananäische Weib, das ein anderer Evangelist Syro-Phönizierin nennt, Fürsprache ein, entweder aus Mitleid mit ihr, oder weil sie ihre Ruhe haben wollten vor ihrer Aufdringlichkeit; denn sie rief ihm immer wieder zu, als ob er kein gütiger, sondern ein hartherziger Arzt wäre. Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesand zu den verlorenen Schafen Israels. Nicht als wäre er zu den Heiden überhaupt nicht gesand, sondern er wollte nur sagen, daß er in erster Linie zu Israel gesand sei; wenn diese das Evangelium nicht annehmen werden, dann werde er mit Recht sich an die Heiden wenden.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 9. März 2017, 11:24

Hll. vierzig Martyrer zu Sebaste 10. März
4. - 6. Lesung

Zur Zeit des Kaisers Lizinius und des Statthalters Agrikolaus zeichneten sich zu Sebaste, einer Stadt in Armenien, vierzig Soldaten durch ihren Glauben an Jesus Christus und ihre Standhaftigkeit im Leiden besonders aus. Wiederholt wurden sie in einen schauerlichen Kerker geworfen, wurden gefesselt, das Gesicht wurde ihnen mit Steinen zerschmettert; zuletzt mußten sie in der kältesten Winterzeit unbekleidet unter freiem Himmel auf einem zugefrorenen Teich die Nacht verbringen; so sollten sie durch Erfrieren den Tod finden. Einmütig aber beteten sie: Zu vierzig sind wir auf den Kampfplatz getreten; zu vierzig wollen wir auch die Krone erlangen; Herr, laß nicht einen an dieser Zahl fehlen. Diese Zahl steht in Ehren; Du hast sie geheiligt durch Dein vierzigtägiges Fasten; damit kam das Gesetz Gottes auf die Erde; auch Elias fastete vierzig Tage lang und betete zu Gott; dann durfte er ihn schauen. So beteten sie. Während die übrigen Wächter vom Schlaf übermannt wurden, blieb der Türhüter allein wach. Auf einmal sah dieser, wie die Soldaten während des Gebetes von einem hellen Lichtschein umflossen wurden und wie vom Himmel Engel herabkamen, gleichsam von einem König geschickt, die 39 Kränze an die Soldaten austeilten. Da dachte er: Das sind doch 40; wo ist denn der Kranz für den vierzigsten? Während er noch so dachte sprang einer von ihnen, der die Kälte nicht mehr länger aushalten wollte, in das nebenan bereitete warme Bad. Das war eine bittere Enttäuschung für die Heiligen. Aber Gott ließ ihr Gebet nicht unerhört; denn voller Staunen über das, was er gesehen, weckte der Türhüter nun die anderen Wächter, bekannte sich laut als Christ, warf seine Kleider weg und schloß sich den Blutzeugen an. Als die Diener des Statthalters hörten, daß auch der Türhüter Christ geworden sei, zerschlugen sie mit Knütteln allen die Gebeine. Bei dieser Marter starben sie alle, mit Ausnahme des Jüngsten, Melithon mit Namen. Ihm waren auch die Gebeine zerschlagen, aber er lebte noch. Seine Mutter, die dabei war, sah dies und ermunterte ihn also: Mein Sohn, halte noch eine kleine Weile aus! Siehe, Christus steht vor der Türe; er hilft dir. Als sie sah, wie die Leiber der übrigen auf Karren geladen wurden, um auf den Scheiterhaufen geworfen zu werden, während ihr Sohn zurückgelassen wurde, weil die Frevlerschar hoffte, der Knabe werde sich zum Götzendienst bekehren, wenn man ihn am Leben lasse, da nahm ihn die heilige Mutter selbst auf ihre Schultern und schritt mutig hinter den mit den Leibern der Märtyrer beladenen Karren einher. In ihren Armen gab Melithon seinen Geist Gott zurück. Da warf die fromme Mutter seinen Leib auf den Scheiterhaufen, auf dem die übrigen Märtyrer verbrannt wurden. So waren sie also, nachdem sie an Glaubenseifer und Heldenmut einander gleich gewesen, auch im Tod miteinander vereint und durften gemeinsam in den Himmel eingehen. Nachdem sie verbrannt waren, wurden ihre Überreste ins Wasser geworfen; doch sie sammelten sich auf wunderbare Weise an einem Orte; die Christen fanden sie und setzten sie in einem ehrenvollen Grabe bei.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 9. März 2017, 11:31

Quatemberfreitag nach dem 1. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Joh. 5, 1-15

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Wir wollen sehen was Christus durch diesen einen andeuten wollte, da er selbst an der bedeutungsvollen Einzahl festhielt und von so vielen Kranken nur diesen einen gesund machte. Er fand in der Zahl seiner Jahre eine Art Krankheitszahl. Er war nämlich seit 38 Jahren krank. Inwiefern diese Zahl mehr mit dem kranksein als mit der Gesundheit in Beziehung steht, das müssen wir etwas ausführlicher darlegen. Seid also recht aufmerksam! Der Herr wird helfen, daß ich mich entsprechend ausdrücke und ihr mich recht versteht. Die Zahl 40 ist heilig und durch eine gewissen Vollkommenheit ausgezeichnet; ich denke, das ist euch bekannt meine Lieben. Die heiligen Schriften bezeugen sehr oft und ihr wisst sehr gut, daß durch diese Zahl das Fasten geheiligt ist. Denn Moses fastete 40 Tage, und ebenso Elias; und selbst unser Herr und Heiland Jesus Christus hat bei seinem Fasten diese Zahl eingehalten. Durch Moses wird das Gesetz, durch Elias die Propheten, durch unseren Heiland das Evangelium versinnbildet. Deshalb erschienen auch diese drei auf dem Berge, wo der Herr sich seinen Jüngern mit verklärtem Angesichte und in strahlendem Gewande zeigte. Da erschien er in mitten zwischen Moses und Elias, als ob das Evangelium vom Gesetze und den Propheten seine Bestätigung erhielte. Im Gesetze also, wie bei den Propheten, sowie auch im Evangelium wird die Zahl 40 hervorgehoben. Das große, vollkommene Fasten aber besteht darin, sich zu enthalten vom Bösen und von den unerlaubten Freuden dieser Welt. Das ist das rechte Fasten, daß wir der Gottlosigkeit und den Lüsten dieser Erde entsagen und Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Frömmigkeit auf dieser Welt leben. Welchen Lohn verheißt der Apostel für solches Fasten? Er fährt fort und sagt: Wir sollen erwarten die selige Hoffnung und die Offenbarung der Herrlichkeit des heiligen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus. In dieser Welt also feiern wir gleichsam ein großes vierzigtägiges Fasten, wenn wir tugendhaft leben und uns von den Sünden und von den unerlaubten Vergnügungen enthalten. Weil solche Enthaltsamkeit nicht unbelohnt bleiben wird, darum erwarten wir die selige Hoffnung und die Offenbarung der Herrlichkeit des heiligen Gottes und Heilandes Jesus Christus. In dieser Hoffnung werden wir, wenn aus der Hoffnung einmal Wirklichkeit wird, als Lohn den Denar empfangen. Dieser Lohn wird denen, die im Weinberge arbeiten, zuteil, wie euch aus dem Evangelium wohl noch bekannt ist; denn ich brauche nicht alles wiederholen, wie vor Anfängern und Unwissenden. Der Denar der seinen Namen von der Zahl 10 hat, wird also ausgeteilt. Fügen wir ihn zu 40 hinzu, so ergibt sich 50. Daher feiern wir unter Opfern, die 40 Tage vor Ostern, in heiliger Freude aber die 50 Tage nach Ostern, gleichsam als hätten wir bereits unseren Lohn empfangen. Denkt daran, wovon ich ausgegangen bin: davon daß dieser schon 38 Tage krank war. Ich will erkären, weshalb diese Zahl 38 mehr auf die Krankheit als auf einen gesunden Zustand sich bezieht. Die Liebe erfüllt, wie ich gesagt habe, das Gesetz; zur Erfüllung des Gesetzes in allem gehört die Zahl 40. Bei der Liebe aber werden uns zwei Gebote ans Herz gelegt; du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte; und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Mit Recht warf daher jene Witwe, ihr ganzes Vermögen, zwei Heller, in den Opferkasten; mit Recht erhielt der Wirt für den unter die Räuber gefallenen und Verwundeten zwei Geldstücke, damit er geheilt würde; mit Recht hielt sich Jesus zwei Tage bei den Samaritern auf, um sie in der Liebe zu stärken. Da also durch die Zahl zwei meistens etwas gutes angedeutet wird, so wird dadurch besonders auch die zweifache Liebe versinnbildet. Wenn also die Zahl 40 die Erfüllung des Gesetzes in sich schließt, und das Gesetz nur durch die zwei Gebote der Liebe ganz gehalten werden kann, was wunderst du dich, daß der krank lag, dem zur Zahl 40 noch zwei fehlten?
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 10. März 2017, 12:10

Quatembersamstag nach dem 1. Fastensonntag
1. - 3. Lesung
Matth. 17, 1-9

Auslegung des hl. Papstes Leo

Die Lesung des Evangeliums, Geliebteste, die durch die Ohren des Leibes bis in das Innere unseres Geistes gedrungen ist, leitet uns zum Verständnis eines großen Geheimnisses an. Wir werden es unter dem Beistande der Gnade Gottes leichter fassen, wenn wir unsere Betrachtung auf das zurücklenken, was kurz vorher erzählt worden ist. Der Erlöser des Menschengeschlechtes, Jesus Christus, begründete den Glauben, der die Gottlosen zur Gerechtigkeit und die Toten zum Leben ruft. Dabei unterwies er seine Jünger durch Vortrag seiner Lehre und durch Wunderwerke dahin, daß er, Christus, als der eingeborene Sohn Gottes und ebenso als Menschensohn anerkannt werden muss. Das eine ohne das andere nützt zum Heile nichts. Gleich gefährlich wäre es, an den Herrn Jesus Christus als bloßen Gott ohne Menschhheit oder als bloßen Menschen ohne Gottheit zu glauben. Beides ist in gleicher weise Gegenstand des Glaubens; denn Gott besaß eine wahre Menschennatur und der Mensch die wahre Gottesnatur. Um nun die heilbringende Erkenntnis dieser Glaubenswahrheit zu befestigen, fragte der Herr seine Jünger, was sie gegenüber den verschiedenen Ansichten der anderen von ihm dachten und glaubten. Da schwang der Apostel Petrus aufgrund einer Offenbarung des himmlischen Vaters sich weit über alles Leibliche und Irdische empor, erkannte ihn mit den Augen des Geistes als den Sohn des lebendigen Gottes und bekannte ihn als den Gott der Herrlichkeit; denn er schaute nicht bloß auf das Wesen aus Fleisch und Blut. Auf dieser hohen Stufe des Glaubens gewann er so sehr das Wohlgefallen Gottes, daß er mit Wonne und Seligkeit überhäuft und mit der heiligen Festigkeit eines unüberwindlichen Felsens ausgestattet wurde. Darauf wurde die Kirche gebaut, die mächtiger ist als die Pforten der Hölle und die Gewalt des Todes. Im Himmel soll nichts gelöst oder gebunden werden, was nicht dem Urteil Petri unterbreitet wurde. Dieser erhabenen Erkenntnis, Geliebteste, die mit Recht gelobt wurde, musste eine Belehrung über die Bedeutung der niederen Natur folgen. Nachdem der Apostel in seinem Glauben zum ruhmvollen Bekenntnis der Gottheit sich erhoben hatte, durfte er nicht meinen, es sei der leidensunfähigen Gottheit unwürdig und unangemessen, unsere Schwachheit anzunehmen; er durfte nicht glauben, die menschliche Natur sei in Christus schon so verklärt, daß sie weder gemartert noch durch den Tod aufgelöst werden könne. Darum sagte jetzt der Herr, er müsse jetzt nach Jerusalem gehen und vieles von den Ältesten, den Schriftgelehrten und Hohenpriestern leiden, er werde getötet und am dritten Tage werde er wieder auferstehen. Der hl. Petrus aber, der von höherem Lichte erleuchtet und von brennendem Eifer, den Sohn Gottes zu bekennen, beseelt war, wollte in einem, wie er glaubte, heiligen und freimütigen Unwillen die schmachvolle Verspottung und den grausamen, schimpflichen Tod zurückweisen. Er wurde jedoch von Jesus liebevoll zurechtgewiesen und so angeeifert, daß er selbst an seinem Leben teilzunehmen verlangte.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 11. März 2017, 11:36

2. Fastensonntag

Lesung 4-6
Aus dem Buch des hl. Bischofs Augustinus über die Lüge

Was Jakob auf Anraten seiner Mutter tat, da er scheinbar seinen Vater hintergang, das ist, wenn wir es genau und aufmerksam betrachten, kein Betrug, sondern ein bedeutungsvolles Vorbild. Wollten wir es aber dennoch einen Betrug nennen, dann müssten auch alle Gleichnisse und die Bilder von allen möglichen Dingen, welche doch auch nicht in ihrem eigentlichen Sinne aufzufassen sind, sondern bei denen aus der wörtlichen Bedeutung etwas anderes herauszulesen ist, als Lüge bezeichnet werden; doch das sei ferne. Wer dies annehmen wollte, könnte allen figürlichen Redensarten, die doch so häufig angewandt werden, diesen Vorwurf machen. Ja, dann könnte mit dem gleichen Recht selbst das, was wir Metapher nennen, nämlich die Übertragung eines Wortes von seiner eigentlichen zu einer angewandten Bedeutung, Lüge heißen. Denn was darin angedeutet ist, wird in Wirklichkeit auch gesagt. Man hält es aber für eine Lüge, weil man meint, nicht das was tatsächlich angedeutet ist, sei ausgesprochen worden, sondern glaubt, das falsche sei gesagt worden. Durch ein Beispiel mag dies verständlicher werden; beachte darum, was Jakob getan hat. Wohl umhüllte er seine Glieder mit den Fellen von Böcken. Wenn wir die nächste Veranlassung dazu betrachten, so müssen wir das als einen Betrug bezeichnen; denn er tat es, um für den gehalten zu werden, der er nicht war. Wenn wir aber diese Handlung zu dem in Beziehung bringen, um dessentwillen sie eigentlich geschehen ist, dessen Vorbild sie war, dann sind die Felle der Böcke ein Bild der Sünde und der, der sich mit ihnen umkleidete, ein Bild dessen, der nicht seine eigenen, sondern fremde Sünden auf sich genommen hat. Ein wirkliches Vorbild kann also keineswegs Lüge genannt werden; das gilt für eine Handlung, genauso aber für eine Rede. Als der Vater ihn fragte: Wer bist du mein Sohn? da antwortete er: Ich bin Esau, dein Erstgeborener. Wenn man dies auf die beiden Brüder bezieht, so klingt es wie eine Lüge; beziehen wir es aber auf das, um dessentwillen es geschehen ist und gesprochen wurde und niedergeschrieben wurde, dessen Vorbild es war, so ist hier derjenige mit seinem Leibe, d.h. mit seiner Kirche zu verstehen, der, als er darüber sprach, gesagt hat: Ihr werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sehen, euch aber wird man hinausstoßen; und wiederrum: Sie werden kommen von Osten und Westen, vom Norden und Süden und im Reiche Gottes zu Tische sitzen; und: Sehet es werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. So nämlich hat gleichsam der jüngere Bruder dem älteren den Vorrang abgenommen und an sich gerissen.

Lesung 7-9

Matth. 17, 1-9

Aus der Auslegung des hl. Papstes Leo


Jesus nahm den Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit, stieg mit ihnen auf einen abseits gelegenen hohen Berg und offenbarte ihnen seinen Glanz und seine Herrlichkeit. Wohl hatten sie erkannt, daß in ihm die Majestät der Gottheit wohnte, doch sie kannten noch nicht die Kraft seines Leibes, der die Gottheit barg. Deshalb hatte er ausdrücklich und mit besonderem Nachdruck verheißen, daß einige von den anwesenden Jüngern nicht eher den Tod kosten werden, als bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reiche, d.h. in seiner königlichen Herrlichkeit; soweit diese der Menschennatur, die er angenommen hatte, eigen war, wollte er sie nämlich diesen drei Männern zeigen. Denn das unbeschreibliche und unzugängliche Bild der Gottheit, das denen die reinen Herzens sind, im ewigen Leben vorbehalten ist, das konnten sie, da sie noch mit ihrem sterblichen Leibe umhüllt waren, unmöglich schauen. Als der Vater rief: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe, diesen sollt ihr hören! Hat man da nicht deutlich herausgehört: Dieser ist mein Sohn, der aus mit gezeugt ist und der so wie ich ohne Ende bleibt? Denn der Vater ist nicht älter als der Sohn und der Sohn ist nicht jünger als der Vater. Dieser ist mein Sohn, den von mir nicht die Gottheit scheidet, nicht die Allmacht absondert, nicht die Ewigkeit trennt. Dieser ist mein Sohn, kein angenommener, sondern ein wirklicher; er ist nicht aus einem anderen Stoffe erschaffen, sondern aus mit gezeugt; er hat nicht eine andere Natur, die mir ähnlich geworden ist, sondern er wurde aus meiner Wesenheit geboren und ist mir gleich. Dieser ist mein Sohn, durch den alles gemacht ist und ohne den nichts gemacht ist; alles was ich tue, das tut gleichermaßen auch er, und was ich wirke, das wirkt er mit mir, ohne Trennung, ohne Unterschied. Dieser ist mein Sohn, der die Wesenheit, die er besitzt wie ich, nicht gewaltsam an sich gerissen oder widerrechtlich sich angeeignet hat. Er verblieb in meiner Herrlichkeit; um aber den zur Erlösung des Menschengeschlechts gemeinsam gefaßten Plan auszuführen, erniedrigte er seine unveränderliche Gottheit bis zur Knechtsgestalt. Diesen also, an dem ich in allem mein Wohlgefallen habe, durch dessen Predigt ich geoffenbart, durch dessen Erniedrigung ich verherrlicht werde, diesen sollt ihr ohne zögern hören. Denn er ist die Wahrheit und das Leben, er ist meine Kraft und meine Weisheit.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 11. März 2017, 11:45

Hl. Gregor I., Papst, Bekenner und Kirchenlehrer - 12. März
4. - 6. Lesung
Gregor der Große, aus Rom, Sohn des Senators Gordian, widmete sich in seiner Jugend dem Studim der Philosophie. Auch bekleidete er das Amt eines Prätors. Nach dem Tode seines Vaters errichtete er in Sizilien sechs Klöster, ein siebentes unter dem Namen des heiligen Andreas zu Rom in seinem eigenen Hause, nahe bei der Basilika der heiligen Johannes und Paulus auf dem Skaurus. Unter der Leitung des Hilarion und Maximian lebte er dortselbst als Mönch und wurde später Abt. Bald wurde er zum Kardinaldiakon ernannt und vom Papst Pelagius zum Kaiser Tiberius Konstantinus nach Konstantinopel als Legat gesandt. Hier widerlegte er den Patriarchen Eutychius, der ein Buch gegen die wahre, wirkliche Auferstehung der Leiber geschrieben hatte, so gründlich, daß der Kaiser dessen Buch ins Feuer warf. Kurz darauf viel Eutychius in eine Krankheit; angesichts des Todes faßte er die Haut seiner Hand und erklärte vor vielen Zeugen: Ich bekenne, daß wir alle in diesem Leibe auferstehen werden. Nach Rom zurückgekehrt, wurde Gregor, da Pelagius an der Pest gestorben war, einstimmig zum Papste gewählt. Er weigerte sich, solange er konnte, diese Würde anzunehmen. Verkleidet hielt er sich in einer Höhle verborgen, wurde aber durch die Erscheinung einer Feuersäule entdeckt; in St. Peter erhielt er dann feierlich die Weihe. Als Papst hinterließ er seinen Nachfolgern viele Beispiele von Gelehrsamkeit und Heiligkeit. Täglich lud er Pilger zu Tische; auch einen Engel und selbst den Herrn der Engel durfte er einmal in Gestalt eines Pilgers aufnehmen. Der Armen innerhalb und außerhalb der Stadt, von denen er sich ein Verzeichnis angelegt hatte, nahm er sich in Liebe an. Den katholischen Glauben, der vielerorts zurückgegangen war, brachte er wieder zur Blüte. Er drängte die Donatisten in Afrika und die Arianer in Spanien zurück und vertrieb die Agnoiten aus Alexandrien. Dem Bischof Syagrius von Autun verweigerte er das Pallium, bis er die neuentstandene Ketzerei in Frankreich unterdrücken würde. Die Goten brachte er dazu, die Irrlehre des Arius aufzugeben. Nach England sandte er den gelehrten heiligen Augustinus und andere Mönche und führte so die ganze Insel zum christlichen Glauben; vom Priester Beda wird er darum mit Recht der Apostel Englands genannt. Den ehrgeizigen Patriarchen Johannes von Konstantinopel, der sich den Namen eines Bischofs der ganzen Kirche anmaßte, demütigte er. Auch brachte er den Kaiser Mauritius dazu, daß er sein Verbot, daß ehemalige Soldaten keine Mönche werden dürfen, wieder zurücknahm. Der Kirche schenkte er gar manche heilige Verordnungen und Gesetze. Bei einer Synode in St. Peter bestimmte er unter anderen, daß in der Messe Kyrie eleison neunmal wiederholt, daß außer der Zeit von Septuagesima bis Ostern Alleluja gesungen, und daß im Kanon die Worte eingefügt werden: Leite unsere Tage in Deinem Frieden. Er förderte die Bittgesänge, die Stationsgottesdienste und das kirchliche Stundengebet. Er bestimmte, die Konzilien von Nizäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalzedon sollten genauso wie die vier Evangelien in Ehren gehalten werden. Den Bischöfen von Sizilien, die nach alter Sitte alle drei Jahre nach Rom kamen, gestattete er, nur alle fünf Jahre sich dort einzufinden. Er verfaßte viele Schriften; wenn er diese diktierte, sah der Diakon Petrus, wie er selbst bezeugt, öfter den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube über seinem Haupte schweben. Was er gesagt, getan, geschrieben und verordnet hat, verdient Bewunderung, besonders in anbetracht seines stets schwachen und kranken Körperzustandes. Nachdem er viele Wunder gewirkt, wurde er schließlich in die Seligkeit des Himmels gerufen, nachdem er 13 Jahre, 6 Monate und 10 Tage Papst gewesen. Es war am 12. März; dieser Tag wird auch von den Griechen wegen der hervorragenden Weisheit und Heiligkeit dieses Papstes als Festtag mit besonderer Feierlichkeit begangen. Sein Leib ruht in der Basilika des heiligen Petrus, nahe bei der Sakristei.

7.- 8. Lesung
Matth. 5, 13 -19
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Wir müssen bedenken, daß, wer mit einem Mahnworte nicht alle zugleich aufmuntern kann, sich bemühen soll, soweit es möglich ist, jeden einzelnen zu belehren und in vertrauter Unterredung zu erbauen. Denn wir müssen stets bedenken, daß den heiligen Aposteln und durch sie auch uns gesagt wurde: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn wir also das Salz sind, müssen wir auch die Seelen der Gläubigen würzen. Ihr alle, die ihr Seelsorgen seid, beachtet es also wohl, daß ihr Gottes Schäflein weidet. Von diesen Schäflein sagt der Psalmist: Ein Heim im Lande fanden deine Schäflein. Oft sehen wir, wie ein Stück Salz den Tieren hingelegt wird, damit sie daran lecken und so sich besser entwickeln. Was das Salz für die Tiere ist, das soll der Priester für das Volk sein. Der Priester muss also reiflich überlegen, was er jedem einzelnen sagen, wie er ihn mahnen will, auf daß jeder, der mit dem Priester in Berührung kommt, genauso wie bei der Berührung mit Salz den Wohlgeschmack des ewigen Lebens kostet. Wir sind kein Salz der Erde, wenn wir die Herzen unserer Zuhörer nicht gehörig würzen. Diese Würze gibt sicherlich der seinem Mitmenschen, der ihm das Wort der Predigt nicht vorenthält. Aber erst dann predigen wir anderen das Rechte, wenn wir das, was wir sagen, auch in unserem Tun und Beispiel zeigen.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 12. März 2017, 11:59

Montag nach dem 2. Fastensonntag

1.-3. Lesung
Joh. 8, 21-29
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus


Der Herr sprach zu den Juden: Ich gehe hin. Der Tod war ja für Christus eine Gang dorthin, von wo er gekommen, von wo er aber nicht weggegangen war. Ich gehe hin, sprach er, und ihr werdet mich suchen, nicht aus Sehnsucht, sondern aus Hass. Denn als er den Augen der Menschen entschwunden war, da suchten ihn die, die ihn hassten, und ebenso die, die ihn liebten; die ersten, indem sie ihn verfolgten, die anderen, weil sie ihn besitzen wollten. In den Psalmen spricht der Herr selbst durch den Mund der Propheten: Verwehrt ist mir die Flucht und niemand ist, der mich sucht. Und in einem anderen Psalme: Zu Schimpf und Schande sollen werden, die meine Seele suchen. Er tadelte die, die ihn nicht suchten, er verurteilt aber auch die, die ihn suchten. Wohl ist es etwas Gutes, Christus zu suchen, aber nur in der Weise, wie ihn seine Jünger suchten; denn jene suchten ihn, um ihn zu besitzen: diese, um ihn zu töten. Weil diese ihn aber so suchten, aus böser Absicht, mit verkehrtem Herzen, was hat er für sie noch beigefügt? Ihr werdet mich suchen, (doch damit ihr nicht meint, daß ihr mich in guter Absicht sucht,) ihr werdet in eurer Sünde sterben. Das also heißt Christus in böser Absicht suchen, sterben in der Sünde; das heißt ihn hassen, ihn, durch den man allein selig werden könnte. Obwohl die Menschen, deren Hoffnung in Gott ruht, nicht einmal Böses mit Bösem vergelten dürfen, vergalten sie sogar Gutes mit Bösem. Der Herr kündigte es ihnen also an und fällte über sie im voraus dieses Urteil, weil er wusste, daß sie in ihrer Sünde sterben würden. Dann fügte er hinzu: Wo ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Dasselbe hat er einmal an einer anderen Stelle auch seinen Jüngern gesagt: Ihr werdet in eurer Sünde sterben. Was hat er also gesagt? Dasselbe was er auch diesen gesagt hat: Wo ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Er wollte ihnen damit aber nicht die Hoffnung überhaupt nehmen, sondern ihnen nur voraussagen, daß er noch länger dauern werde. Denn als der Herr dies den Jüngern sagte, damals konnten sie noch nicht dahinkomme, wohin er ging; doch später sollten sie dorthin kommen, die Juden aber nie; diesen sagte er darum: Ihr werdet in eurer Sünde sterben.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 13. März 2017, 11:39

Dienstag nach dem 2. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Matth. 23, 1-12
Auslegung des hl. Priesters Hieronymus

Wer ist sanftmütiger, wer gütiger als unser Herr? Er wird von den Pharisäern belästigt; ihre hinterlistigen Pläne werden zuschanden gemacht, gemäß dem Psalmisten: Ihre Pfeile sind wie Pfeile von Kindern. Und dennoch ermahnt er wegen der Würde der Priester und ihres Amtes das Volk, sich ihnen zu unterwerfen und nicht auf ihre Werke, sondern auf ihre Lehre zu achten. Wenn er aber sagt: Auf dem Lehrstuhle des Moses sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer, da meint er mit dem Ausdruck Lehrstuhl die Lehre des Gesetzes. Daher müssen wir auch das Psalmwort: Er sitzt nicht auf dem Stuhle des Verderbens, und die Stelle im Evangelium: Er warf die Stühle der Taubenhändler um, von der Lehrtätigkeit selbst verstehen. Sie bürden nämlich schwere und unerträgliche Lasten auf und legen sie auf die Schultern der Menschen; sie selbst aber wollen dieselben mit ihrem Finger nicht bewegen. Das sagt er allgemein gegen alle Lehrer, die Schweres verlangen, aber selbst nicht einmal das Geringere tun. Zu beachten ist jedoch, das die Ausdrücke; Schulter, Finger, Lasten, Bänder, mit welchen diese Lasten angebunden werden, geistig zu verstehen sind. Alle ihre Werke tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden. Wer also alles nur in der Absicht tut, um von den Menschen gesehen zu werden, der ist ein Schriftgelehrter und Pharisäer. Sie machen sich breite Gebetsriemen und lange Quasten; sie haben gern die ersten Plätze bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen; sie lassen sich gern auf dem Markte grüßen und von den Menschen Meister nennen. Wehe uns Elenden, wenn die Laster der Pharisäer auf uns übergegangen sind! Als der Herr die Vorschrift des Gesetzes durch Moses gab, da fügte er zuletzt noch hinzu: Binde dir das Gesetz an die Hand und halte es unverrückt vor Augen. Der Sinn ist: Meine Gesetze sollst du stets bei der Hand haben, um sie im Werke zu erfüllen; sie sollen dir stets vor Augen sein, auf daß du Tag und Nacht sie betrachtest. Dies legten nun die Pharisäer falsch aus und schrieben auf Denkzettel die zehn Gebote des Moses, d.h. die zehn Sätze des Gesetzes, falteten sie zusammen und hefteten sie an die Stirne und machten sich so eine Art Kranz um ihr Haupt, sodaß sie stets vor ihren Augen schwebten.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 14. März 2017, 11:33

Mittwoch nach dem 2. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Matth. 20,17-28
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius


Schaut was die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen und für ihre Söhne erbittet! Sie ist Mutter und daher auf die Ehre ihrer Söhne bedacht. In ihren Wünschen ist sie etwas unbescheiden, doch ist diese Unbescheidenheit verzeihlich. Sie ist ja eine Mutter schon vorgerückten Alters, frommen Sinnes, die sich ihres Trostes beraubt sieht. In ihrem Alter, da sie die Hilfe und Unterstützung ihrer erwachsenen Söhne so nötig hätte, ließ sie diese fortziehen und achtete die Auszeichnung ihrer Söhne, wenn sie Christus folgten, höher als ihr eigenes Wohl. Wir lesen ja, wie sie auf den ersten Ruf des Herrn hin ihre Netze und ihren Vater verlassen hatten und ihm gefolgt waren. In ihrem Übereifer und ihrer allzu großen Muttersorge flehte sie also den Heiland an: Laß diese, meine zwei Söhne in deinem Reiche, einen zu deiner Rechten und den anderen zu deiner Linken den Platz einnehmen. Diese Bitte war wohl verfehlt, doch geschah der Fehler aus Liebe. Denn ein Mutterherz kennt keine Schranken; und wenn sie auch allzuviel begehrte, so war ihr Begehren doch leicht verzeihlich; denn sie wollte nicht Geld, sondern Gnade. Auch ist ihre Bitte nicht unverschämt; denn sie wollte nicht für sich, sondern nur für ihre Söhne sorgen. Ihr müsst euch die Mutter vorstellen, immer an die Mutter denken! Christus nahm Rücksicht auf die Liebe der Mutter, die in der Auszeichnung ihrer Söhne der Trost für ihr vorgerücktes Alter suchte. Wohl verschmachtete sie fast vor mütterlicher Sehnsucht, und dennoch ließ sie ihre geliebten Söhne ziehen. Bedenkt ferner, daß es eine Frau ist, d.h. das schwache Geschlecht, das der Herr durch sein Leiden noch nicht gestärkt hatte. Bedenket, sage ich, daß diese Frau eine Tochter Evas, des ersten Weibes ist, daß sie fehlte in Folge der ersten ungezügelten Begierlichkeit, die auf alle übergegangen war; der Herr hatte sie noch nicht mit seinem Blute erlöst; Christus hatte noch nicht das den Herzen aller eingewurzelte übermäßige, unberechtigte Verlangen nach Ehre durch sein Blut erstickt. Die Frau fiel also in einen ererbten Fehler.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 15. März 2017, 11:39

Donnerstag nach dem 2. Fastensonntag
Lesung 1-3
Luk. 16, 19-31
Auslegung des hl. Papstes Gregor

Geliebteste Brüder! Wen bezechnet dieser Reiche, der sich in Purpur und seine Leinwand kleidete und täghlich herrliche Mahlzeiten hielt, anders als das Volk der Juden? Sie führten ja auch äußerlich ein wohlgepflegtes Leben und benutzten die Vorschriften des Gesetzes, die ihnen gefielen, nur zu äußerem Glanze, nicht zu ihrem wahren Nutzen. Auf wen anders, als auf das Volk der Heiden deutet dagegen der mit Geschwüren bedeckte Lazarus? Als er bei seiner Bekehrung zu Gott ohne Scheu seine Sünden bekannte, da brach auch an seinem Leib eine Wunde auf. Durch die Wunden der Haut wird ja auch das Gift aus dem inneren herausgezogen und aus dem Körper ausgeschieden. Was ist also das Bekenntnis der Sünden anderes als ein Aufbrechen von Wunden? Das Gift der Sünde, das pestartig im Inneren verborgen saß, wird so zu unserem Heile in der Beichte geoffenbart. Die Wunden der Haut ziehen den Eiter heraus; wenn wir unsere Sünden bekennen, was tun wir dann anderes, als daß wir das vergorgene Böse aufdecken? Doch der mit Geschwüren bedeckte Lazarus hätte sich gern mit den Brosamen gesättigt, die von des Reichen Tische fielen, aber niemand gab sie ihm. Dieses stolze Volk wollte eben keinen Heiden zur Kenntnis des Gesetzes zulassen. Es verwandte die Lehre des Gesetzes nicht dazu, um Liebe zu üben, sondern um sich zu überheben, und war so gleichsam der erhaltenen Schätze angeschwollen. Die gelehrten Reden, die ihrem Munde entströmten, fielen wie die Brosame vom Tische. Die Hunde leckten aber die Geschwüre der Armen. In der heiligen Schrift werden die Prediger manchma mit Hunden verglichen. Die Zunge der Hunde heilt nämlich durch das Lecken die Wunden. Ebenso berühren auch die Lehrer der Heiligkeit, wenn sie uns beim Bekenntnis der Sünden unterweisen, gleichsam die Wunden unserer Seele mit ihrer Zunge.
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