Lesungen aus dem alten Brevier

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.

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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 5. Juni 2017, 13:31

Hl. Bischof und Bekenner Norbert 6. Juni
Lesung 4-6

Norbert war der Sohn sehr vornehmer Eltern. In seiner Jugend studierte er die schönen Wissenschaften; später kam er an den kaiserlichen Hof, lernte hier aber die Freuden der Welt verachten und beschloß, in den geistlichen Stand zu treten. Sobald er die heiligen Weihen empfangen, legte er alle weichlichen, kostbaren Kleider ab, trug ein härenes Gewand und widmete sich ganz der Verkündigung des Wortes Gottes. Er verzichtete auf seine reichen Pfründe, verteilte sein väterliches Erbe unter die Armen, aß nur einmal am Tage, am Abend, und zwar nur Fastenspeisen, ging barfuß und mit einem zerrissenen Gewande, auch bei der strengsten Winterkälte, und führte also ein Leben voll staunenswerter Strenge. Mächtig in Wort und Tat, brachte er zahllose Irrgläubige zum wahren Glauben, Sünder zur Buße und Entzweite zu Frieden und Eintracht. Als er in Laon weilte, bat ihn der Bischof, seine Diözese nicht zu verlassen; und so wählte er sich dort eine einsame Gegend, die Prémontré genannt. Hier gründete er mit dreizehn Gefährten den Orden der Prämonstratenser nach der Regel des heilgen Augustin, die er in einer Erscheinung von Gott empfangen hatte. Der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich von Tag zu Tag immer mehr, und so kamen jeden Tag zahlreiche Schüler zu ihm. Darum wurde sein Orden von Honorius II. und anderen Päpsten bestätigt. Er konnte mehrere Klöster errichten und ihn so in wunderbarer Weise ausbreiten. Norbert wurde später nach Antwerpen berufen und rottete dort die gottlose Irrlehre Tanchelins aus. Er war auch mit der Gabe der Weissagung und Wunder ausgestattet. Schließlich wurde er trotz seines Sträubens zum Erzbischof von Magdeburg ernannt. Energisch setzte er sich für kirchliche Zucht, besonders für die Ehelosigkeit der Geistlichen ein. Auf der Kirchenversammlung von Rheims trat er entschieden für Innozenz II. ein. Mit anderen Bischöfen ging er auch nach Rom und unterdrückte dort das Schisma Pierleonis. Schließlich entschlief der Mann Gottes, reich an Verdiensten und voll des Heiligen Geistes, zu Magdeburg im Herrn, am 6. Juni im Jahre des Heils 1034.
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Marion
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 6. Juni 2017, 12:29

Mittwoch in der Oktav von Pfingsten
Lesung 1-3
Joh. 6, 44-52
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Glaube ja nicht, daß du gegen deinen Willen gezogen wirst! Auch durch Liebe kann das Herz gezogen werden. Wir brauchen auch nicht zu fürchten, daß wir von Menschen, welche die Worte kritisch abwägen, aber vom Verständnis göttlicher Dinge weit entfernt sind, wegen dieses Wortes der Heiligen Schrift vielleicht getadelt werden und daß sie uns sagen: Wie ist mein Glaube eine freie Willenstat, wenn ich gezogen werde? Ich sage: Vom freien Willen ist noch zu wenig, zu wirst auch von der Lust gezogen werden. Habe deine Lust an dem Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt. Es gibt eine Lust des Herzens, der das Himmelsbrot süß ist. Wenn ferner der Dichter sagen durfte: Jeden zieht seine eigene Lust, also nicht die Notwendigkeit, nicht die Pflicht, sondern die eigene Lust; mit welch größerem Rechte dürfen wir dann sagen, daß der Mensch zu Christus hingezogen wird, wenn er seine Lust hat an Wahrheit, Seligkeit, Gerechtigkeit, am ewigen Leben; denn das alles ist Christus. Oder haben nur die Sinne des Leibes ihre Freude, muss die Seele die Freude ganz entbehren? Wie könnte es dann aber heißen: Die Menschenkinder suchen Schutz im Schatten deiner Flügel; sie werden satt von deines Hauses Fülle und mit dem Strome deiner Wonne tränkst du sie. In dir ist ja der Born des Lebens, und in deinem Lichte schauen wir das Licht. Bring mir einen der Liebe hat: der versteht was ich sage. Bring mir einen der Sehnsucht hat, der hungert, einen, der in dieser Wüste pilgert, der dürstet nach dem Quell des ewigen Vaterlandes; einen solchen bring mir; der weiß was ich sagen will. Wenn ich es einem kühlen Menschen sage, der versteht freilich nicht, was ich sage. So waren die, die untereinander murrten. Wen der Vater zieht, heißt es, der kommt zu mir. Was soll das aber heißen: Wen der Vater zieht, da doch Christus selbst zieht? Warum wollte er sagen: Wen der Vater zieht? Wenn wir gezogen werden müssen, dann sollen wir doch von dem gezogen werden müssen, zu dem eine liebende Seele gesprochen hat: Wir eilen dem Wohlgeruch deiner Salben nach. Was er damit sagen wollte, das wollen wir überlegen, meine Brüder, und soweit als möglich erfassen. Der Vater zieht zum Sohne alle, die deshalb an den Sohn glauben, weil sie wissen, daß er Gott zum Vater hat. Denn Gott der Vater zeugte aus sich den wesensgleichen Sohn. Wer weiß, und im Glauben festhält und zu erfassen sucht, daß der Sohn, an den er glaubt, dem Vater wesensgleich ist, den zieht der Vater zum Sohne. Arius hielt ihn für ein Geschöpf; ihn zog der Vater nicht; denn der kennt den Vater nicht, der den Sohn nicht für wesensgleich mit dem Vater hält. Was sagst du Arius? Was sagst du, Häretiker? Was behauptest du? Wer ist Christus? Er ist nicht wahrer Gott, sagst du, sondern nur ein Geschöpf des wahren Gottes. Dich hat der Vater nicht gezogen; denn du kennst den Vater nicht, da du seinen Sohn leugnest. Du behauptest etwas anderes: Er sei gar nicht der Sohn. du wirst also weder vom Vater gezogen, noch zum Sohne hingezogen. Denn etwas anderes ist der Sohn und etwas anderes, was du sagst. Photinus behauptete: Christus ist ein bloßer Mensch, er ist nicht Gott. Wer so glaubt, auch den hat der Vater nicht gezogen. Wen zieht nun der Vater? Den, der spricht: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wenn du dem Schafe einen grünen Zweig hinhälst, ziehst du es zu dir; wenn man einem Knaben Nüsse zeigt, lockt man ihn damit an. Wem er nachläuft, von dem wird er angezogen, durch Liebe, ohne körperlichen Zwang, durch Zuneigung des Herzens. Wenn also das, was an irdischen Gelüsten und Freuden den Liebhabern vorgehalten wird, sie lockt und anzieht, weil das Wort eben wahr ist: Jeden zieht seine eigene Lust - wie sollte da der vom Vater geoffenbarte Christus nicht anziehen? Denn was verlangt die Seele heißer als die Wahrheit?
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 6. Juni 2017, 12:33

Donnerstag in der Oktav von Pfingsten
Lesung 1-3
Luk. 9, 1-6
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Welche Eigenschaften ein Apostel des Reiches Gottes haben muss, das zeigt uns das Evangelium: er solle ohne Stab, ohne Reisetasche, ohne Schuhe, ohne Brot, ohne Geld, d.h. unbekümmert um zeitliche Bedürfnisse sein; dagegen muss er fest im Glauben und überzeugt sein, daß, je weniger er sich um diese Dinge kümmert, desto mehr ihm davon zur Verfügung stehen wird. Wenn wir wollen, können wir das so auslegen, daß diese ganze Stelle nur die innere Gesinnung angeben will; daß wir nämlich gleichsam das Gewand des Körpers ablegen sollen, indem wir auf Macht verzichten, die Reichtümer dieser Welt verschmähen, allen Lüsten des Fleisches entsagen. Vor allem gibt der Herr seinen Aposteln allgemein das Gebot des Friedens und der Beharrlichkeit; sie sollen den Frieden bringen, beharrlich sein, das Gastrecht in ehren halten; denn für einen Prediger des himmlischen Reiches passe es nicht, meint er, von Haus zu Haus laufen und so die Gesetze der unumstößlichen Gastfreundschaft umzustoßen. Einerseits soll man ihnen also eine gütige Aufnahme schenken, andererseits wird ihnen aber auch geboten, da, wo sie nicht aufgenommen werden, den Staub von ihren Füßen zu schütteln und die Stadt zu verlassen. Der Lohn für die Gastfreundschaft ist also nicht gering. Wir sollen dem freundlichen Gastgeber nicht nur den Frieden bringen, sondern es sollen auch die Fehler, die in folge menschlicher Schwäche vielleicht seine Seele verdunkeln, durch die Aufnahme der Prediger getilgt werden. Nicht ohne Grund sollen nach Matthäus die Apostel des Haus, in das sie eintreten wollen, sorgsam auswählen, damit sie später keine Veranlassung haben, das Haus zu wechseln und so das Gastrecht zu verletzen. Dem Gastgeber jedoch wird diese Vorsicht nicht geboten, damit nicht dadurch, daß er sich seinen Gast selbst auswählt, seine Gastfreundlichkeit eine Minderung erleide. Im wörtlichen Sinne ist dies also eine Anleitung zur Übung des ehrwürdigen Gastrechtes, aber das Wort des Herrn legt auch eine mystische Bedeutung nahe. Wenn man ein entsprechendes Haus sucht, dann wählt man sich damit einen würdigen Gastgeber. Wir wollen darum sehen, ob nicht etwa die Kirche und Christus gemeint sind, die wir uns wählen sollen. Denn welches Haus wäre würdiger, daß die Apostel dorthin ihre Schritte lenken als die heilige Kirche? Und wen sollten wir uns lieber uns zum Gastgeber wählen als Christus, der seinen Gästen sogar die Füsse wäscht? Er läßt keinen, den er in sein Haus aufnimmt, mit schmutzigen Füssen darin wohnen, sondern er tilgt huldvoll alle Makel seines früheren Lebens und bewahrt für die Zukunft alle seine Schritte rein. Er allein ist es also, den niemand verlassen, von dem niemand wegehen darf; ihm wurde mit Recht zugerufen: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 29. Juni 2017, 22:46

Wo bleibt eigentlich das alte Brevier?
Die Pfingstoktav ist hier ja noch nicht abgeschlossen.

Ich lese das zwar in Latein, wenn ich Zeit finde, leider nicht alle Tage, aber es gibt hier bestimmt Freunde des Vernakels.
Also: macte animo!

Man sollte sich vom Kleingeist nicht verscheuchen lassen.
:huhu:
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Raphael
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Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Raphael » Freitag 30. Juni 2017, 07:08

Lycobates hat geschrieben:
Donnerstag 29. Juni 2017, 22:46
Man sollte sich vom Kleingeist nicht verscheuchen lassen.
:huhu:
Eher friert die Hölle zu! ;D
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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