Lesungen aus dem alten Brevier

Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften.

Moderator: Hubertus

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 16. März 2017, 12:21

Freitag nach dem 2. Fastensonntag
Lesung 1-3
Matth. 21, 33-46
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Manche leiten aus der Bezeichnung Weinberg verschiedene Bedeutungen ab; aber Isaias sagt ausdrücklich, daß der Weinberg des Herrn der Heerscharen das Haus Israels ist. Wer anders hat diesen Weinberg anders gepflanzt als Gott? Er ist es also, der ihn an Winzer verpachtete und selbst außer Lande ging; nicht als ob der Herr von einem Ort zum anderen reiste; denn er bleibt überall ständig gegenwärtig; aber er ist denen, die ihn lieben, nahe; denen, die ihn nicht lieben, aber ferne. Lange Zeit blieb er aus, damit die Pachtforderung nicht verfrüht erscheine. Denn je nachsichtiger und großmütiger er ist, desto unentschuldbarer ist ihre Weigerung. Daher lesen wir auch treffend bei Matthäus, daß er den Weinberg mit einem Zaun umgab; d.h. er legte gleich einem Walle seinen göttlichen Schutz um ihn, damit er nicht so leicht dem Eindringen wilder Tiere im geistigen Sinne ausgesetzt sei. Er grub darin eine Kelter. Wie können wir uns die Bedeutung der Kelter erklären? Höchstens daraus, daß einige Psalmen die Überschrift tragen: Für die Kelter; darin treten nämlich die Geheimnisse des Leidens Christi gleich einem in der Kraft des Heiligen Geistes überströmenden Most deutlich hervor. So wurden auch jene, welche voll des Heiligen Geistes waren, für betrunkene gehalten. Er grub also eine Kelter, damit die innere Frucht der geistigen Trauben geistigerweise dahineingeleitet werde. Er baute einen Turm, indem er das Gesetz hoch aufrichtete. Diesen so geschützten, gut eingerichteten und wohl ausgestatteten Weinberg verpachtete er an die Juden. Zur Zeit der Früchte schickte er seine Knechte. Ganz richtig heißt es: Zur Zeit der Früchte, nicht der Ernte. Denn die Juden brachten keine Frucht, keinen Ertrag von diesem Weinberg. Darum sagt der Herr von ihm: Ich hoffte, er werde Trauben bringen, aber er brachte Dornen. Die Kelterräume strömten also nicht vom Weine der Freude über, nicht vom geistigen Moste, sondern vom Blute der Propheten.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 16. März 2017, 12:24

Hl. Bischof und Bekenner Patrizius 17. März

Patrizius, der Apostel Irlands, wurde in Britannien geboren; sein Vater hieß Kalfurnius, seine Mutter Konchessa; sie war, wie berichtet wird, eine Verwandte des heiligen Bischofs Martinus von Tours. Als Knabe geriet er mehrere Male in die Gefangenschaft der Barbaren. Hier mußte er das Vieh hüten, bewies aber schon damals seine spätere Heiligkeit. Denn erfüllt vom Geiste des Glaubens, der Gottesfurcht und der Liebe, stand er schon vor Tagesanbruch hurtig auf, um trotz Schnee, Kälte oder Regen Gott seine Gebete darzubringen; er pflegte hundertmal bei Tage und hundertmal in der Nacht zu beten. Nachdem er zum drittenmal aus der Gefangenschaft losgekauft worden war, trat er in den geistlichen Stand und oblag lange Zeit der Lesung der Heiligen Schrift. Unter vielen Mühen durchzog er dann Frankreich, Italien und die Inseln des Tyrrhenischen Meeres. Schließlich wurde er von Gott berufen, den Irländern das Heil zu bringen. Vom heiligen Papst Cölestin erhielt er die Vollmacht, das Evangelium zu verkünden, und wurde zum Bischof geweiht; dann zog er nach Irland. Es ist staunenswert, wie viele Leiden, Bedrängnisse, Mühen und Anfeindungen dieser apostolische Mann bei seiner Arbeit erduldet hat. Mit Gottes Gnade aber brachte dieses Land, das bisher noch dem Götzendienst ergeben war, nach der Predigt des Patrizius bald so reiche Frucht, daß es später die Insel der Heiligen genannt wurde. Zahlreiche Völker wurden von ihm durch die Taufe zum neuen Leben wiedergeboren; Bischöfe und viele Priester wurden geweiht, Jungfrauen und Witwen zur Enthaltsamkeit angeleitet. Den Bischofssitz von Armagh bestimmte er kraft päpstlicher Vollmacht zur Metrpole der ganzen Insel und stattete diese Kirche mit vielen Reliquien von Heiligen aus, die er von Rom mitbrachte. Er wurde von Gott mit himmlischen Erscheinungen, mit der Gabe der Weissagung und mit außerordentlichen Wunderzeichen begnadet und mit solchem Glanz umgeben, daß sich der Ruf des Patrizius überall verbreitete. Neben der täglichen Sorge für die ihm anvertrauten Gemeinden ließ er in seinem unermüdlichen Eifer niemals ab vom Gebete. Ja, man berichtet, daß er täglich das ganze Psalterium betete mit den Lobgesängen und Hymnen und mit 200 anderen Gebeten, daß er täglich dreihundertmal auf den Knien Gott seine Huldigung darbrachte und bei jeder kirchlichen Tagzeit hundertmal das Kreuzzeichen machte. Die Nacht teilte er in drei Abschnitte; während des ersten betete er 100 Psalmen und machte dabei 200 Kniebeugen; während des zweiten legte er sich in eiskaltes Wassser, erhob Herz, Augen und Hände zum Himmel und betete die übrigen 50 Psalmen; während des dritten gönnte er sich, auf einem bloßen Stein hingestreckt, eine kurze Ruhe. Ganz besonders übte er die Demut und scheute sich so wie die Apostel auch nicht vor der Handarbeit. Durch die rastlose Sorge für die Kirche wurden seine Kräfte aufgebraucht; durch Wort und Tat berühmt, gestärkt durch die heiligen Sakramente, entschlief er schließlich im hohen Greisenalter im Herrn und wurde bei Down in Ulster begraben im 5. Jahrhundert nach Christus
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 17. März 2017, 12:38

Samstag nach dem 2. Fastensonntag
Lesung 1-3
Luk. 15, 11-32
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Du siehst, daß denen, die darum bitten, das himmlische Erbteil gegeben wird. Du darfst es auch dem Vater nicht zur Schuld anrechnen, daß er es dem Jüngeren gab. Denn im Reiche Gottes gibt es kein schwaches Alter und der Glaube nimmt nicht zu mit den Jahren. Er hielt sich sicher für mündig, als er diese Forderung stellte. Wenn er nur seinen Vater nicht verlassen hätte, nie würde er sein Alter als Hindernis empfunden haben. Nachdem er aber das väterliche Haus verlassen hatte und in ein fremdes Land gezogen war, da fing er an Mangel zu leiden. Mit Recht ist der um sein Erbteil gekommen, der von der Kirche sich getrennt hat. Er zog fort in ein fremdes, weit entferntes Land. Wann gehen wir mehr in die Ferne, als wenn wir uns voneinander lossagen? Wenn wir nicht blos in räumlicher Beziehung, sondern in der Lebensauffassung auseinandergehen? Wenn persönliche Ansichten, nicht Länderstriche uns scheiden? Wenn wir in heißem Verlangen nach weltlichen Freuden uns von den Heiligen lossagen? Wer sich von Christus trennt verläßt sein Vaterland, wird ein Bürger dieser Welt. Aber wir sind doch keine Fremdlinge und Pilger, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Wir, die wir fernestanden, sind einander nahegekommen im Blute Christi. Drum wollen wir auch nicht mißgünstig sein gegen die, welche aus fernen Gegenden kommen; denn auch wir sind früher in der Ferne umhergeirrt, wie Isaias lehrt. Du liest ja bei ihm: Denen die im Schatten des Todes saßen, ist ein Licht aufgegangen. Die ferne Gegend ist also das Land der Todesschatten. Wir aber, denen Christus der Herr der Odem des Mundes ist, wir leben im Schatten Christi. Daher sagt auch die Kirche: In seinem Schatten finde ich meine Freude und Ruhe. Jener hat durch sein schwelgerisches Leben alles verprasst, was er von der Natur erhalten hatte. Hüte du dich, der du das Ebenbild Gottes empfangen hast, der du sein Bild an dir trägst, dieses Bild durch unvernünftige, schändliche Taten zu zerstören! Du bist ein Werk Gottes; sprich daher nicht zum Holze: Du bist mein Vater, damit du nicht etwa dem Holzblock ähnlich werdest; denn es steht geschrieben: Die solche Dinge anfertigen, die sollen ihnen gleich werden.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 17. März 2017, 12:48

Hl. Cyrill, Bischof von Jerusalem, Bekenner u. Kirchenlehrer 18. März
Lesung 4-6
Cyrill von Jerusalem widmete sich schon in jungen Jahren mit großem Eifer dem Studium der Heiligen Schriften und machte darin solche Fortschritte, daß er ein entschiedener Vorkämpfer für den wahren Glauben wurde. Auch das Leben der Mönche lernte er kennen und beschloß, in steter Enthaltsamkeit und in der größten Strenge zu leben.Vom heiligen Bischof Maximus von Jerusalem wurde er zum Priester geweiht; nun oblag er unter großem Beifall dem Predigtamt und dem Unterricht der Taufschüler. Er schrieb auch die bekannten, wirklich bewunderungswürdigen Katechesen, und legte darin die ganze kirchliche Lehre klar und ausdrücklich dar und verteidigte gründlich die einzelnen Glaubenssätze gegen die Feinde des Glaubens. Er behandelte darin die Lehren so klar und bündig, daß er nicht nur die damaligen, sondern auch alle späteren Irrlehren zurückwies, als ob er sie im voraus gekannt hätte, so z. B. bei der Lehre von der wirklichen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im wunderbaren Sakramente des Altars. Nach dem Tode des heiligen Maximus wurde er von den Bischöfen der Provinz zu dessen Nachfolger bestimmt. Als Bischof mußte er genauso wie der heilige Athanasius, dessen Zeitgenosse er war, von seiten der Arianer um des Glaubens willen viele Unbilden und Leiden erdulden. Diese waren nämlich wütend auf Cyrillus, weil er ihren Irrlehren heftigen Widerstand entgegensetzte; sie ergingen sich darum in Schmähungen gegen ihn; auf einer unrechtmäßigen Synode setzten sie ihn sogar ab und vertrieben ihn von seinem Sitze. Um ihrer Wut zu entgehen; floh er nach Tarsus in Cilicien; dort trug er, solange Konstantius lebte, das harte Los der Verbannung. Als nach seinem Tode Julian der Abtrünnige Kaiser wurde, konnte er nach Jerusalem zurückkehren. Mit brennendem Eifer bemühte er sich nun, seine Schäflein von den Irrlehren und Lastern abzubringen. Unter Kaiser Valens mußte er wiederum in die Verbannung gehen. Erst als Theodosius der Große der Kirche den Frieden wiederschenkte und die grausamen, verwegenen Arianer unterdrückte, wurde der mutige Streiter für Christus vom genannten Kaiser ehrenvoll aufgenommen und in sein Amt wieder eingesetzt. Mit welchem unergründlichen, heiligen Eifer er sein hohes Amt verwaltete, zeigt deutlich der damalige blühende Zustand der Kirche von Jerusalem, wie ihn der heilige Basilius, der zur Verehrung der heiligen Stätten einmal dort weilte, schildert. Dieser ehrwürdige, heilige Bischof wurde, wie berichtet wird, von Gott auch durch himmlische Wunder verherrlicht. So wird von der herrlichen Erscheinung eines an Glanz selbst die Sonne überragendes Kreuzes berichtet, durch die schon der Beginn seiner bischöflichen Tätigkeit ausgezeichnet wurde. Heiden und Christen waren wie Cyrill selbst Augenzeugen dieses Wunders; nachdem er dafür zunächst in der Kirche Gott gedankt hatte, teilte er es in einem Schreiben auch dem Kaiser Konstantin mit. Nicht weniger erstaunlich ist, was die Juden erlebten, als sie auf Befehl des gottlosen Kaisers Julian versuchten, den von Titus zerstörten Tempel wieder aufzubauen. Es entstand nämlich ein heftiges Erdbeben und aus der Erde brachen ganze Feuergarben hervor und verschlangen alles, was gebaut war. da erschraken die Juden und Julian und gaben den Plan wieder auf. Cyrill hatte ihnen schon im voraus gesagt, daß es zweifellos so kommen werde. Kurz vor seinem Tode nahm er noch am allgemeinen Konzil von Konstantinopel teil, auf dem die Irrlehre des Mazedonius und nochmals die des Arius verurteilt wurde. Von dort kehrte er nach Jerusalem zurück und starb, ungefähr 70 Jahre alt, im 35. Jahre seines Bischofsamtes eines heiligen Todes. Das Stundengebet und die Messe zu seiner Ehre schrieb Papst Leo XIII. für die ganze Kirche vor.

Lesung 7-9
Matth. 10, 23-28
Auslegung des hl. Bischofs Athanasius

Im Gesetze war vorgeschrieben, daß einige Stätte als Zufluchtsorte für die Flüchtlinge bezeichnet werden sollten; wer aus irgendeinem Grunde dem Tode verfallen war, sollte dort sich retten können. Als in der Fülle der Zeit das ewige Wort des Vaters selbst erschien, das vorher zu Moses geredet hatte, gab es wiederum das gleiche Gebot mit den Worten: Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere. Und etwas später sagte er: Wenn ihr den Greuel der Verwüstung seht am heiligen Orte, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat - wer es liest, der verstehe es wohl - dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge; und wer auf dem Dache weilt, steige nicht herab, um etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, kehre nicht zurück, seinen Rock zu holen. Die Heiligen kannten dieses Gebot und richteten ihr Verhalten darnach ein. Denn was der Herr hier befiehlt, das hat er auch schon vor seiner Ankunft im Fleisch durch den Mund seiner Heiligen gesagt; und dieses Gesetz führt die Menschen zur Vollkommenheit. Denn was Gott befohlen hat, muss man auf jeden Fall auch befolgen. Deshalb hielt es auch das ewige Wort selbst, das um unsretwillen Mensch wurde, nicht für unwürdig, sich zu verbergen, als man ihm, genau so wie uns, auflauerte, und als er verfolgt wurde, zu fliehen und den Nachstellungen sich zu entziehen. Als aber die von ihm selbst bestimmte Zeit kam, da er für alle den Tod erleiden wollte, übergab er sich freiwillig den Verfolgern. Die Heiligen hatten diese Art des Verhaltens vom Heiland gelernt; denn er hat alle früher schon und zu jeder Zeit belehrt. Darum flohen sie, um gegen die Verfolger in der rechten Weise zu kämpfen, und verbargen sich, als man nach ihnen suchte. Sie kannten ja nicht das ihnen von der göttlichen Vorsehung bestimmte Lebensende und wollten sich auch nicht leichtfertig den Verfolgern ausliefern; vielmehr wussten sie, daß geschrieben steht: In der Hand Gottes ruht das Los der Menschen; und weiter: Der Herr ist es, der das Leben nimmt und gibt; und so wollten sie lieber bis zum Ende durchhalten und gingen, wie der Apostel sagt, in Schafpelzen und Ziegenfellen umher, litten Mangel, Bedrängnis, irrten in den Einöden umher und verbargen sich in Höhlen und Klüften der Erde, bis entweder die für sie bestimmte Stunde des Todes kam oder bis Gott, der die Zeit bestimmt hatte, zu ihnen redete und ihre Verfolger demütigte, oder sie den Verfolgern überließ, ganz wie es ihm gutdünkte.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 18. März 2017, 11:25

3. Fastensonntag
Lesung 4-6
Aus dem Buch des hl. Bischofs Ambrosius über den hl. Joseph

Das Leben der Heiligen ist für die anderen ein Vorbild. Dazu haben wir ja eine Reihe von Schriften bekommen, von denen wir auch schon ausführlicher gehandelt haben, daß wir sie lesen und dabei Abraham, Isaak, Jakob und die anderen Gerechten dabei kennenlernen und sie nachahmen und so selbst den Pfad der Heiligkeit wandeln, der in ihren Tugenden sich uns erschließt. Da ich die genannten schon öfters behandelt habe, so wollen wir heute die Lebensgeschichte des heiligen Josephs vornehmen. Dieser Mann besaß zwar viele Tugenden, doch ganz besonders leuchtete in ihm die Zierde der Keuschheit. Nachdem ihr also bei Abraham eine rückhaltlose, vertrauensvolle hingabe, bei Isaak eine lautere, aufrichtige Gesinnung, bei Jakob eine einzigartige Geduld im Leiden gesehen habt, ist es gut, wenn ihr jetzt euer Augenmerk von diesen mehr allgemeinen Tugenden auf die einzelnen Tugenden im besonderen hinwendet. So soll uns denn der hl. Joseph als Spiegel der Keuschheit vor Augen stehen. Aus seinem Verhalten, aus seinem Handeln leuchtet Schamhaftigkeit, und als Begleiterin der Keuschheit glänzt eine reizende Liebenswürdigkeit. Deshalb wurde er von seinen Eltern auch mehr als seine Brüder geliebt. Doch das gab Veranlassung zum Neid. Das dürfen wir hier nicht unerwähnt lassen; denn daraus erklärt sich seine ganze spätere Geschichte. Zugleich können wir daraus ersehen, daß ein vollkommener Mann sich nicht leiten läßt von der Begierde, den zugefügten Schmerz zu rächen und Böses mit Bösem zu vergelten. Darum sagt auch David: Ich habe meinen Feinden ihr Böses nicht vergolten. Wie hätte Joseph verdient, den übrigen vorgezogen zu werden, wenn er die, die ihm wehgetan auch wieder schlecht behandelt oder nur die geliebt hätte, die ihn liebten? So handeln ja die meisten Menschen. Aber das verdient Bewunderung, wenn du deinen Feind liebst, so wie es der Heiland lehrt. Mit Recht müssen wir also den bewundern, der das schon vor der Verkündung des Evangeliums tat, der Nachsicht übte, wenn er gekränkt wurde, der verzieh, als er beleidigt wurde, der das angetane Unrecht nicht vergalt, da er verkauft wurde, sondern Mißhandlungen mit Gnaden heimzahlte. Im Evangelium haben wir das alles auch gelernt, aber halten können wir es nicht. Lernen wir also den Neid der Heiligen und ahmen wir ihre Versöhnlichkeit nach! Bedenken wir, daß sie von Natur aus nicht besser, sondern nur pflichtbewusster waren; daß sie die Laster auch gekannt, aber an ihrer Heilung gearbeitet haben. Und wenn der Neid selbst heilige Seelen antreiben konnte, wieviel mehr müssen wir da auf der Hut sein, daß er nicht uns Sünder befalle!

Lesung 7-9
Luk. 11, 14-28
Auslegung des heiligen Priesters Beda Venerabilis

Nach dem Berichte nach Matthäus war dieser Besessene nicht blos stumm, sondern auch blind; er wurde vom Herrn geheilt und konnte dann wieder reden und sehen. Drei Wunder sind also gleichzeitig an einem Menschen geschehen: Der Blinde wurde sehend, der Stumme redete, der Besessene wurde vom Teufel befreit. Das geschah damals körperlicherweise; täglich aber erfüllt es sich noch bei der Bekehrung der Gläubigen. Da wird zuerst der Teufel ausgetrieben, dann können sie das Licht des Glaubens schauen, und dann öffnet sich der bislang stumme Mund zum Lobe Gottes. einige aber von ihnen sagten: Durch Belzebub, den obersten der Teufel, treibt er die Teufel aus. Diese Verleumdung sprachen aber nicht Leute aus dem Volke aus, sondern die Pharisäer und Schriftgelehrten, wie die anderen Evangelisten bezeugen. Die Volksmenge, die anscheinend weniger gebildet war, staunte immer über die Taten des Herrn; die Pharisäer und Schriftgelehrten hingegen suchten sie entweder zu leugnen, oder, wenn sie das nicht konnten, verkehrt zu deuten und so hinzustellen, als ob sie nicht von Gott, sondern vom unreinen Geist gewirkt wären. Andere versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Sie wünschten, daß entweder, wie bei Elias, Feuer von oben herabkomme oder daß, wie zur Zeit Samuels, im Sommer der Donner rolle, Blitze leuchten und Regen in Strömen falle; als ob sie nicht auch dies verdrehen und sagen können, es sei aus verschiedenen verborgenen Verhältnissen in der Luft geschehen. Du, der du selbst das verdrehst, was du mit deinen Augen siehst, mit der Hand greifst und zu deinem Nutzen bewahrst, was würdest du erst mit dem tun, was vom Himmel kommt? Sicherlich würdest du erwidern, daß auch die Zauberer in Ägypten viele Wunderzeichen am Himmel wirkten. Als er aber ihre Gedanken sah, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, wird verwüstet werden; ein Haus wird über das andere fallen. Nicht auf ihre Worte, sondern auf ihre Gedanken antwortete er ihnen, damit sie wenigsten dadurch sich bewegen ließen, an seine Macht zu glauben, da er sogar die Gedanken ihres Herzens kannte. Wenn jedes Reich, das wider sich selbst uneins ist, verwüstet wird, dann ist das Reich des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes nicht uneins; es kann daher durch keine Art von Widerspruch, durch keinen Ansturm verstört werden, sondern es wird in steter Festigkeit ewig bestehen. Wenn aber der Satan wider sich selbst uneins ist, wie wird dann sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich triebe durch Belzebub die Teufel aus. Indem er dies sagte, wollte er ihnen zu verstehen geben, daß sie durch die Verweigerung des Glaubens an ihn das Reich des Teufels erwählt hätten, das allerdings sich nicht teilen und sich selbst befehden könnte.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonnabend 18. März 2017, 11:29

Hl. Joseph, Bräutigam der hl. Jungfrau Maria 19. März
Predigt des hl. Abtes Bernard

Wer und was für ein Mann der heilige Joseph gewesen ist, kannst du aus seinem Beinamen schließen, denn er wurde, wenn auch nur in stellvertretender Weise, so geehrt, daß er Gottes Vater genannt und dafür gehalten wurde. Du kannst es auch aus seinem eigenen Namen schließen, der zweifellos mit Zuwachs übersetzt wird. Denk dabei auch an den großen Patriarchen, der einst nach Ägypten verkauft wurde, und wisse, daß er von ihm nicht bloß den Namen erhalten hat, sondern auch seine Sittenreinheit geerbt hat und ihm an Unschuld und Gnade gleichgekommen ist. Wie jener Joseph von seinen Brüdern aus Neid verkauft und nach Ägypten gebracht wurde und so ein Vorbild für den Verkauf Christi wurde, so ist dieser Joseph dem Neid des Herodes ausgewichen und hat Christus nach Ägypten gebracht. Jener wollte seinem Herrn die Treue halten und weigerte sich, mit seiner Herrin sich einzulassen; dieser erkannte, daß seine Herrin, die Mutter seines Herrn, reine Jungfrau war, und er blieb enthaltsam und behütete sie treu. Jenem wurde das Verständnis der geheimnisvollen Träume gegeben; dieser durfte Mitwisser und Mithelfer bei himmlischen Geheimnissen werden. Jener hat das Getreide aufbewahrt, nicht für sich, sondern für das ganze Volk; diesem wurde das lebendige Himmelsbrot anvertraut, zu seinem Heile und zum Heile der ganzen Welt. Zweifellos war er ein guter und treuer Mann, dieser Joseph, dem die Mutter des Erlösers angetraut wurde. Ein treuer und kluger Diener sage ich, den der Herr zum Tröster seiner Mutter bestellt hat, zum Ernährer seiner Menschheit und schließlich zum alleinigen treuen Mitarbeiter bei der Durchführung seines großen Ratschlusses auf Erden.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Sonntag 19. März 2017, 11:51

Montag nach dem 3. Fastensonntag

Lesung 1-3
Luk. 4, 23-30
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius:

Ein erhebliches Maß von Neid tritt uns hier entgegen, der die Liebe zu den eigenen Mitbürgern vergaß und das, was Liebe begründen sollte, in bitteren Hass verkehrte. Zugleich wird uns an einem Beispiele und durch einen Ausspruch des Herrn klargemacht, daß man vergebens auf den Beistand der göttlichen Barmherzigkeit rechnet, wenn man andere um die Früchte ihrer Tugend beneidet. Denn der Herr verabscheut die Neidischen und wendet seine wunderwirkende Allmacht von denen ab, die seine Wohltaten anderer mißgönnen. Die Handlungsweise des fleischgewordenen Gottessohn ist ein Beispiel für das Walten Gottes; das Unsichtbare wird uns durch das Sichtbare deutlich gemacht. Nicht ohne Grund rechtfertigt sich unser Heiland, daß er in seiner Vaterstadt keine Wunder wirkte, damit nicht jemand meine, wir schulden unserem Vaterlande nur eine ganz geringe Liebe. Denn er, der alle liebte, konnte doch seine Mitbürger nicht von seiner Liebe ausschließen; sie selbst aber haben aus Neid auf seine Liebe zur Vaterstadt verzichtet. In Wahrheit sage ich euch: Viele Witwen gab es in den Tagen des Elias; nicht als ob es Tage des Elias gewesen wären, sondern in den Tagen in denen Elias wirkte, oder in den Tagen, die Elias denen brachte, die in seinen Werken das Licht der göttlichen Gnade erkannten und sich zum Herrn bekehrten. Deshalb wurde auch der Himmel denen geöffnet, welche ihren Blick auf die ewigen und göttlichen Geheimnisse richteten; er blieb verschlossen und Hungersnot kam, wo keine Sehnsucht nach der Erkenntnis des göttlichen war. Doch darüber habe ich in meinem Buche über die Witwen ausführlich geschrieben. So waren auch zur Zeit des Propheten Eliseus viele Aussätzige in Israel; aber keiner von ihnen wurde gereinigt, außer dem Syrer Naaman. Dieser Ausspruch des Herrn gibt uns offenbar eine heilsame Lehre und mahnt uns zur eifrigen Verehrung Gottes; denn es wird uns hier gezeigt, daß keiner geheilt, keiner von der Krankheit und den Flecken seines Leibes gereinigt wird, wenn er sich nicht mit heiligem Eifer um die Genesung bemüht. Denn die Wohltaten Gottes werden nicht den Schlafenden, sondern den Eifrigen zuteil. Ich habe in einem anderen Buche schon gesagt, daß jene Witwe, zu der Elias gesandt ward, ein Vorbild der Kirche war. Aus dem Volke erstand die Kirche. Auch jenes Volk schloß sich ihr an, das aus fremden Völkern sich zusammensetzte. Jenes Volk das vorher aussätzig und voller Flecken gewesen, bis es in der geheimnisvollen Flut getauft wurde. Nach dem Empfang des Taufsakramentes war es von allen Makeln an Leib und Seele rein; nun war es ohne Aussatz und begann eine unbefleckte runzellose Jungfrau zu werden.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 20. März 2017, 12:02

Dienstag nach dem 3. Fastensonntag
Lesung 1-3
Matth. 18, 15-22

Auslegung des hl. Bischofs Augustinus
Warum gibst du deinem Bruder einen Verweis? Weil es dich schmerzt, daß er gegen dich gesündigt hat? Das sei fern von dir. Wenn du es nur aus Liebe zu dir tust, ist es nichts wert; tust du es aber aus Liebe zu ihm, dann handelst du sehr gut. Übrigens kannst du aus den Worten selbst heraushören, aus Liebe zu wem du es tun sollst, ob aus Liebe zu dir oder zu ihm. Wenn er auf dich hört, heißt es, hast du deinen Bruder gewonnen. Du sollst es also seinetwegen tun, um ihn zu gewinnen. Wenn du so handelst gewinnst du ihn; hättest du es nicht getan, so wäre er zugrunde gegangen. Woher kommt es nun, daß die meisen Menschen diese Sünde gering achten und sagen: Was hab ich denn schweres begangen? Ich habe nur gegen einen Mitmenschen gefehlt. Halte es ja nicht für eine Kleinigkeit, wenn du gegen einen Menschen gefehlt hast! Willst du verstehen, daß du dir den Tod verdient hast dadurch, daß du gegen einen Menschen gefehlt hast? Wenn dich jener, gegen den du gesündigt hast, unter vier Augen zurechtweist, und du gibst ihm Gehör, dann hat er dich gewonnen. Was heißt das: Er hat dich gewonnen? Doch nur: Du wärest zugrunde gegangen, wenn er dich nicht gewonnen hätte. Denn wenn du nicht verloren gewesen wärest, wie hätte er dich dann gewinnen können? Keiner achte es also gering, wenn er wider seinen Bruder gesündigt hat. Denn der Apostel schreibt einmal: Wenn ihr so gegen eure Brüder sündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, sündigt ihr auch gegen Christus; denn wir alle sind Glieder Christi geworden. Wenn du dich also an den Gliedern Christi versündigst, versündigst du dich auch an Christus selbst. Niemand soll also sagen: Ich habe mich nicht wider Gott versündigt, sondern nur wider meinen Bruder; wider einen Menschen habe ich gesündigt; das ist ein leichtes Vergehen oder überhaupt keines. Du sagst deshalb vielleicht: Es ist etwas leichtes, weil es rasch wieder gutgemacht ist. Du hast dich wider deinen Bruder versündigt; leiste ihm Genugtuung und du bist geheilt. Schnell hast du eine totbringende Tat begangen, aber du hast auch schnell das Heilmittel gefunden. Wer von uns, meine Brüder, kann auf das Himmelreich hoffen, wenn es im Evangelium heißt: Wer zu seinem Bruder sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig? Ein schreckliches Wort! Aber sieh dort auch das Heilmittel: Wenn du deine Gabe zum Altae bringst und dich erinnerst daß dein Bruder etwas wider dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altare. Gott wird nicht zornig weil du ein Opfer aufschiebst; Gott verlangt mehr nach dir, als nach deiner Gabe.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Montag 20. März 2017, 12:05

Hl. Abt Benedikt 21. März

Benedikt wurde in Norcia von vornehmen Eltern geboren; zu Rom studierte er die weltlichen Wissenschaften. Um sich ganz Jesus Christus zu weihen, zog er sich bei Subiaco in eine ganz tiefe Höhle zurück. Hier lebte er drei Jahre lang ganz verborgen; nur der Mönch Romanus wußte davon und brachte ihm das Lebensnotwendige. Als ihn einst der Teufel durch das Feuer der Begierlichkeit heftig reizte, wälzte er sich so lange im Dornengestrüpp, bis sein Leib voller Wunden war und das Lustgefühl durch den Schmerz unterdrückt wurde. Der Ruf seiner Heiligkeit drang jedoch auch von diesem Schlupfwinkel an die Öffentlichkeit, und so wählten einige Mönche ihn zum Leiter ihres Klosters. Sie waren jedoch ein freies Leben gewöhnt und wollten seine ständigen Mahnungen nicht hören und beschossen darum, ihm in seinen Trank Gift zu mischen. Als sie ihm aber den Becher hinreichten, machte er das Kreuzzeichen darüber und der Becher sprang in Stücke. Daraufhin verließ er wieder das Kloster und zog sich in die Einsamkeit zurück. Von Tag zu Tag aber kamen immer mehr Schüler zu ihm und so baute er zwölf Klöster und verfaßte für sie eine heilige Regel. Dann begab er sich nach Cassino; dort zertrümmerte er die Bildsäule des Apollo, der dort noch verehrt wurde, zerstörte den Altar und zündete den heiligen Hain an. Er errichtete daselbst eine Kapelle zu Ehren des heiligen Martin und eine kleine Kirche zu Ehren des heiligen Johannes. Die Bewohner des Ortes und der ganzen Gegend unterrichtete er im christlichen Glauben. So nahm Benedikt von Tag zu Tag immer mehr zu an Gnade bei Gott. Er erhielt auch die Gabe der Weissagung und sagte die Zukunft voraus. Als dies der Gotenkönig Tortila erfuhr, wollte er einmal ausprobieren, ob das wahr sei, und er schickte seinen Kriegsobersten in königlicher Gewandung und mit großer Begleitung voraus, der sich als König ausgeben sollte. Als Benedikt ihn sah, sprach er: Lege ab, mein Sohn, lege ab, was du trägst; denn es ist nicht dein. Dem Tortila aber sagte er voraus, daß er Rom erobern, über das Meer ziehen und nach neun Jahren sterben werde. Einige Monate vor seinem Tode sagte Benedikt seinen Jüngern den Tag seines Hinscheidens voraus. Sechs Tage vor seiner Bestattung ließ er das Grab öffnen, in dem er beigesetzt werden wollte; am sechsten Tage ließ er sich in die Kirche bringen und empfing hier die heilige Komunnion; dann erhob er seine Augen zum Himmel, betete und hauchte in den Armen seiner Jünger seine Seele aus. Zwei Mönche sahen, wie sie, angetan mit einem kostbaren Gewande, umgeben von hellen Lichtern, in den Himmel einging; oben stand ein Mann mit glänzendem, würdevollen Äußeren; der sagte: Das ist der Weg, auf dem Benedikt, der Geliebte des Herrn, in den Himmel eingegangen ist.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Dienstag 21. März 2017, 11:37

Mittwoch nach dem 3. Fastensonntag
Lesung 1-3

Matth. 15, 1-20
Auslegung des hl. Priesters Hieronymus
Erstaunlich ist die Torheit der Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie tadeln den Sohn Gottes, daß er die Satzungen und Vorschriften der Menschen nicht beobachte: Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie ihr Brot essen. Die Hände, d.h. die Werke, nicht so sehr des Körpers, als vielmehr der Seele müssen gereinigt werden, auf daß durch sie das Wort Gottes geschehe. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? Ihre falsche Anschuldigung widerlegt er durch eine wahre Erwiderung. Er will sagen: Wenn ihr um der Überlieferung der Menschen willen die Gebote Gottes übertretet, warum haltet ihr meine Jünger für tadelnswert, daß sie die Überlieferung der Väter geringachten, um die Anordnungen Gottes zu erfüllen? Denn Gott hat gesagt: Du sollst Vater und Mutter ehren, und: Wer seinen Vater oder seine Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Ihr aber sagt: Wenn einer zu seinem Vater oder zu seiner Mutter spricht: Opfergabe soll sein, was ich dir zu leisten hätte, so braucht er seinen Vater oder Mutter nicht zu ehren. Unter Ehre werden in der Heiligen Schrift nicht so sehr Begrüßungen und gegenseitige Gefälligkeiten, als vielmehr Almosen und Gaben verstanden. Ehre die Witwen, sagt der Apostel, die wahrhaft Witwen sind! Hier wird unter Ehre die Unterstützung verstanden. Und an einer anderen Stelle heißt es: Die Priester verdienen doppelte Ehre, besonders jene, welche die Lehre und das Wort Gottes treu verkünden. Hier wird uns auch befohlen, dem dreschenden Ochsen das Maul nicht zu verbinden, und es wird gesagt, daß der Arbeiter seines Lohnes wert ist. Der Herr hatte geboten, im Hinblick auf die Schwäche, das vorgerückte Alter und die Bedürftigkeit der Eltern, daß die Kinder ihre Eltern ehren und ihnen namentlich auch das zum Leben Notwendige geben sollen. Dieses weise Gesetz Gottes wollten die Schriftgelehrten und Pharisäer in folgender Weise untergraben. Unter der Maske der Liebe suchten sie eine große Lieblosigkeit einzuführen und lehrten darum die ausgearteten Kinder, wenn jemand das, was er seinen Eltern schuldig sei, Gott, dem wahren Vater, weihen wollte, dann müsste dieses Opfer für den Herrn der Gabe an die Eltern vorgezogen werden. Die Eltern selbst durften dann, wenn sie sahen, daß es Gott geweiht sei, um nicht den Frevel eines Gottesraubes zu begehen, es nicht mehr annehmen und mussten Not leiden. So geschah es denn, daß die Gabe der Kinder, die sie dem Tempel und Gott gelobten, den habsüchtigen Priestern zustatten kam.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 22. März 2017, 12:07

Donnerstag nach dem 3. Fastensonntag
1.-3. Lesung
Luk. 4, 38-44
Auslegung des hl. Bischofs Ambrosius

Siehe die Güte unseres Herrn und Heilandes! Nicht von Unmut ergriffen, nicht aufgebracht über ihre Bosheit, nicht beleidigt wegen ihrer Ungerechtigkeit, verläßt er Judäa; im Gegenteil, ohne an das Unrecht weiter zu denken, nur an seine Güte sich erinnernd, sucht er sogar bald durch Lehren, bald durch Austreiben von bösen Geistern, bald durch Wunderheilungen, das ungläubige Volk zu gewinnen. Ganz treffend hat der hl. Lukas die Befreiung eines Mannes vom bösen Geiste vorausgeschickt und fügt dann erst die Heilung einer Frau an. Denn der Herr war zwar gekommen, beide Geschlechter zu erlösen; aber das zuerst Geschaffene mußte auch zuerst erlöst werden, ohne das andere zu übergehen, das mehr aus Unbeständigkeit als aus Bosheit gesündigt hatte. Daß der Herr am Sabatte seine Heilung begann, deutet darauf hin, daß die neue Schöpfung da beginnen sollte, wo die alte aufgehört hatte; auch sollte von vornherein klar sein, daß der Sohn Gottes nicht unter dem Gesetze, sondern über dem Gesetze steht und daß das Gesetze nicht aufgehoben, sondern vollkommen erfüllt werde. Denn nicht durch das Gesetz, sondern durch das Wort ist die Welt erschaffen worden. Wir lesen ja auch: Durch das Wort des Herrn sind die Himmel gefestigt. Das Gesetz wird also nicht aufgehoben, sondern vollkommen erfüllt, auf daß die Erneuerung der schon wankenden Menschen erfolgen könne. Daher sagt auch der Apostel: Zieht aus den alten Menschen und zieht den neuen an, der nach Gott geschaffen ist. Und ganz richtig, begann er an einem Sabbat, um sich als den Schöpfer zu zeigen, der seinen Werken noch weitere hinzufügte und das fortsetzte, was er begonnen hatte. Genauso wie ein Werkmeister; wenn der sich ein neues Haus bauen will, dann fängt er auch nicht beim Fundamente, sondern beim Giebel an, das alte einzureißen. So legte der Heiland auch da zuerst die Hand wieder an, wo er früher aufgehört hatte; alsdann begann er mit kleineren Werken, um allmählich zu den größeren überzugehen. Vom Teufel befreien, das können auch die Menschen, wenn auch nur im Auftrag Gottes; Toten zu gebieten, wieder aufzustehen, das steht nur in Gottes Macht. Vielleicht ist uns auch diese Frau, die Schwiegermutter des Simon und Andreas, ein Hinweis, wie unser Fleisch an verschiedenen Arten sündhaften Fiebers krankt und von übermäßigen Begierden böser Lust erhitzt wird. Und ich möchte dieses Fieber der Leidenschaften nicht geringer achten als das wirkliche Fieber; denn jenes brennt in der Seele, dieses im Leib. Ein solches Fieber in uns ist der Geiz, ein solches Fieber ist die böse Lust, ein solches Fieber ist die Ausschweifung, ein solches Fieber ist der Ehrgeiz, ein solches Fieber ist die Rachsucht.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Mittwoch 22. März 2017, 12:14

Hl. Erzengel Gabriel 24. März
Lesung 4-6
Predigt des Priesters Beda Venerabilis

Ein Engel erschien dem Zacharias zur Rechten des Brandopferaltares. Ganz richtig erscheint der Engel im Tempel neben dem Altar, und zwar zu seiner Rechten. Er verkündete ja die Ankunft des wahren Priesters, das geheimnisvolle allgemeine Opfer, das Freudengeschenk des Himmels. Denn wie durch die Linke die Gegenwärtigen Güter, so werden durch die Rechte häufig die ewigen angedeutet. Dementsprechend heißt es auch im Buche der Weisheit: In seiner Rechten hielt er die Länge der Tage, in seiner Linken Reichtum und Ehre. Als Zacharias erschrak, ermunterte ihn der Engel. Schwache Menschen müssen eben beim Anblick eines geistigen Wesens erzittern, die Engel aber trösten und beruhigen gerne die Sterblichen, die bei ihrem Anblick erschrecken. Der Teufel dagegen jagt in seiner Bosheit denen, die er bei seinem Erscheinen erschrecken sieht, nur immer größeres Entsetzen ein. Das wird am besten durch einen unerschütterlichen Glauben überwunden. Der Engel sagte, sein Gebet sei erhört, und verhieß ihm sogleich, daß seine Gattin Mutter werde. Nicht als ob Zacharias, der doch hingegangen war, um für das Volk das Opfer darzubringen, auf die Anliegen des Volkes vergessen und nur für sich um Kinder gebeten hätte. Es bittet doch niemand, auf das er die Hoffnung schon längst aufgegeben hat. Im Hinblick auf sein Alter und die Unfruchtbarkeit seiner Gattin hatte er sich schon so vollkommen damit abgefunden, daß er keine Kinder bekomme, daß er nicht einmal dem Engel, als er es ihm verhieß, Glauben schenken wollte. Der Ausdruck: Dein Gebet ist erhört, bezieht sich vielmehr auf das Gebet für die Erlösung des Volkes, und mit dem Wort: Deine Gattin wird dir einen Sohn schenken, deutet er den Gang der Erlösung an; weil ja der Sohn des Zacharias dem Erlöser jenen Volkes als Herold den Weg bereiten sollte. Da er sagte, Zacharias´ Gebet für das Volk sei erhört worden, gab er an, wie das Volk erlöst und geheiligt werden könne, nämlich durch Buße bei der Predigt des Johannes und durch den Glauben an Christus. Zacharias zögerte wegen der Größe der Verheißung und verlangte ein Zeichen, daß er glauben könne. Eigentlich hätte ihm doch die Erscheinung des Engels oder seine Botschaft als Zeichen genügen müssen. Darum wurde er mit Recht für sein Mißtrauen mit der Stummheit bestraft; sie war für ihn also ein Zeichen, um zu glauben, wie er es gewollt hatte, und gleichzeitig eine gerechte Strafe für seinen Unglauben. Es ist dies so zu verstehen. Wenn ein Mensch so etwas versprechen würde, dürfte man ungestraft ein Zeichen verlangen, wenn aber ein Engel das sagt, dann darf man nicht mehr zweifeln. Er gab ihm also das Zeichen, das er verlangt hatte; er, der so ungläubig geredet hatte, sollte nun während der Zeit, da er nicht reden konnte, glauben lernen. Hier ist auch zu beachten, daß der Engel sagt, er stehe vor Gott und sei gesandt, Zacharias die frohe Kunde zu überbringen. Wenn die Engel zu uns kommen, führen sie nach außen den erhaltenen Auftrag aus, eigentlich aber brauchen sie nie auf die Anschauung Gottes zu verzichten. Sie werden also gesandt und bleiben doch bei Gott; denn wenn auch der Geist des Engels begrenzt ist, so ist doch der höchste Geist, Gott selbst, nicht begrenzt. Deshalb sind die Engel, auch wenn sie ausgesandt werden, stets bei ihm; denn wohin sie auch in seinem Auftrag gehen, sie bewegen sich doch stets in ihm. - Das Fest des heiligen Erzengels Gabriel hat Papst Benedikt XV. auf die ganze Kirche ausgedehnt.

Lesung 7 -8
Luk. 1, 26-28
Auslegung des hl. Abtes Bernard

Ich glaube nicht, daß dieser Engel einer von den unteren war, die bei jeder Gelegenheit aus dem nächsten besten Anlaß auf die Erde geschickt werden. Das geht auch deutlich aus seinem Namen hervor, der so viel wie Stärke Gottes bedeutet, sowie auch daraus, daß er nicht von einem anderen höheren Geiste, wie es gewöhnlich geschieht, sondern von Gott selbst gesandt wurde. Deswegen heißt es auch: Von Gott. Oder vielleicht heißt es auch deswegen von Gott, damit man nicht glaubt, Gott habe seinen Entschluß, bevor ihn die Jungfrau erfuhr, sonst jemand, wenn auch nur einem der seligen Geister, mitgeteilt; nur der Erzeengel Gabriel war ausgenommen. Dieser muss also unter seinen Engeln sehr hervorgeragt haben, daß er eines solchen Namens und eines solchen Auftrags für würdig befunden wurde. Der Namen des Engels stimmt auch mit seiner Botschaft überein. Wer hätte auch besser die Kraft Gottes angekündigt, als der, der den gleichen Namen trägt? Besteht denn ein Unterschied zwischen Stärke und Kraft? Aber man darf es auch kaum für ungeziemend oder unpassend halten, daß der Herr und sein Bote mit dem gleichen Worte benannt werden; wenn auch die Bezeichnung bei beiden gleich ist, der Grund dafür ist bei beiden doch nicht gleich. Der Engel wird nicht in dem gleichen Sinne wie Christus die Stärke oder Kraft Gottes genannt. Denn beim Engel ist es nur eine äußere Bezeichnung, bei Christus aber drückt es das Wesen aus.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 23. März 2017, 12:23

Freitag nach dem 3. Fastensonntag
Lesung 1-3
Joh. 4, 5-42
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Schon beginnen die geheimnisvollen Dinge; denn nicht ohne Bedeutung wird Jesus müde; nicht ohne Bedeutung wird die Kraft Gottes müde; nicht ohne Bedeutung ist der ermüdet, durch den alle Mühseligen erquickt werden; nicht ohne Bedeutung ist der ermüdet, bei dessen Abwesenheit wir kraftlos, bei dessen Gegenwart wir stark werden. Jesus ist müde, und zwar von der Reise, und er setzt sich nieder, und zwar neben einen Brunnen; müde setzt er sich nieder um die sechste Stunde. Alles dieses deutet auf etwas hin, will etwas anzeigen, macht uns gespannt und mahnt uns anzuklopfen. Möge er also uns und euch öffnen, er, der so huldvoll uns mahnt mit den Worten: Klopfet an, und es wird euch aufgetan. Deinetwegen ist Jesus von der Reise müde geworden. Wir sehen Jesus in seiner Macht und sehen ihn in seiner Schwachheit, den kraftvollen und den schwachen Jesus. Den kraftvollen, denn es heißt: Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; dasselbe war im Anfange bei Gott. Willst du sehen wie stark dieser Gottessohn war? Alles ist durch ihn gemacht worden, und ohne ihn ist nichts gemacht worden, und alles hat er ohne Mühe erschaffen. Was ist mächtiger als der, durch den alles ohne Mühe erschaffen wurde? Willst du ihn nun auch in ferner Schwachheit sehen? Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Die Kraft Christi hat dich erschaffen, die Schwachheit Christi hat dich neugeschaffen. Die Allmacht Christi bewirkte, daß das was nicht war, wurde; die Schwachheit Christi bewirkte, daß das was war, nicht zugrunde ging. Er hat uns in seiner Allmacht erschaffen, in seiner Schwachheit aber gesucht. Er, der Schwache nährt also die Schwachen wie eine Henne ihre Küchlein; denn mit dieser hat er sich selbst verglichen. Wie oft wollte ich, sagte er zu Jerusalem, deine Kinder sammeln wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel; du aber hast nicht gewollt. Ihr seht, Brüder, wie die Henne schwach wird mit ihren Küchlein. Keinem anderen Vogel können wir es anmerken, daß er Junge hat. Wir sehen wie die Spatzen vor unseren Augen ihre Nester bauen; die Schwalben, die Störche, die Tauben sehen wir alle Tage, wie sie ihre Nester herrichten. Doch wir sehen es ihnen nicht an, daß sie Junge haben, wenn wir sie nicht in den Nestern erblicken. Die Henne aber wird derart schwach mit ihren Küchlein, daß du, selbst wenn diese nicht bei ihr sind, wenn du die Küchlein nicht siehst, dennoch merkst, daß sie Junge hat.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Donnerstag 23. März 2017, 12:28

Mariä Verkündigung 25. März
Lesung 4-6

Predigt des hl. Papst Leo
Der allmächtige, gütige Gott, dessen Wesen Güte, dessen Wille Allmacht, dessen Wirken Barmherzigkeit ist, hat gleich bei Beginn der Welt, als die Bosheit des Teufels uns mit dem Gift des Neides zu Tode verwundet hatte, die Heilmittel angezeigt, durch die er in seiner Erbarmung die sterblichen Menschen wieder retten wollte. Und so verkündigte er der Schlange, daß der Same des Weibes dereinst durch seine Kraft den verderblichen Hochmut ihres Hauptes demütigen werde. Damit wies er hin auf Christus, der im Fleische kommen, der Gott und Mensch zugleich sein sollte, der von einer Jungfrau geboren werden und den Schädling des menschlichen Geschlechtes durch seine makellose Geburt vernichten sollte. Denn der Teufel rühmte sich, daß er durch seine List den Menschen betrogen und um die ihm von Gott verliehenen Gnaden gebracht hatte, daß der Mensch das Geschenk der Unsterblichkeit verloren hatte und das harte Todeslos auf sich nehmen mußte; er rühmte sich, daß er einen Genossen der Sünde und so in seinem Unglück einen gewissen Trost gefunden hatte, daß selbst Gott wegen seiner strengen Gerechtigkeit dem Menschen gegenüber, den er so ehrenvoll ausgestattet hatte, seine ursprüngliche Absicht geändert hatte. Geliebteste! Darum war es zur Durchführung des geheimnisvollen Planes notwendig, daß der unabänderliche Gott, der seine Güte nie aufgeben kann, seine erste liebevolle Tat durch einen noch geheimnisvolleren Akt der Gnade krönte. Der Mensch, der durch die Bosheit und die List des Teufels in Schuld geraten war, konnte doch nicht gegen die Absicht Gottes zugrunde gehen. Als darum die Zeit kam, Geliebteste, die für die Erlösung der Menschen bestimmt war, kam unser Herr Jesus Christus in dieses Erdental; er stieg vom Himmelsthron herab, ohne seine Herrlichkeit beim Vater zu verlassen; auf eine ganz neue Art, durch eine ganz eigenartige Geburt erhielt er das menschliche Leben. Auf eine ganz neue Art: Denn, unsichtbar seinem Wesen nach ward er sichtbar in unserer Natur; er, der Unfaßbare, wollte erfaßt werden; er, der schon vor aller Zeit war, begann in der Zeit zu leben. Der Herr des Weltalls verhüllte seinen Glanz und seine Majestät und nahm Knechtsgestalt an; der leidensunfähige Gott verschmähte es nicht, ein leidensfähiger Mensch zu werden; der Unsterbliche wollte sich den Gesetzen des Todes unterwerfen.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7001
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Lesungen aus dem alten Brevier

Beitrag von Marion » Freitag 24. März 2017, 11:29

Samstag nach dem 3. Fastensonntag

Lesung 1-3
Joh. 8, 1-11
Auslegung des hl. Bischofs Augustinus

Jesus ging auf den Ölberg, auf den fruchtbaren Berg, den Berg der Salbe, den Berg des Chrisams. Wo anders sollte auch Christus als Lehrer auftreten als auf dem Ölberge? Der Name Christus stammt ja von Chrisam; dies ist griechischen Ursprungs und bedeutet soviel wie Salbung. Er hat uns deshalb gesalbt, weil er uns zu Kämpfern gegen den Teufel gemacht hat. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Er ward nicht festgenommen, weil er sein Leiden noch nicht beginnen wollte. Nun gebt acht, wie die Güte des Herrn von seinen Feinden auf die Probe gestellt wurde. Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber brachten ein Weib, welches im Ehebruch ertappt worden war, stellten es in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, dieses Weib ist im Ehebruch auf frischer Tat ertappt worden; nun hat uns Moses im Gesetz befohlen, solche zu steinigen; was sagst du denn? Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie ihn anklagen könnten. Weshalb anklagen? Hatten sie ihn denn bei einer bösen Tat ertappt, oder solle jenes Weib mit ihm irgendwie in Verbindung gestanden haben? Bedenken wir, Brüder, welch staunenswerte Sanftmut der Herr besaß, Sie merkten, daß er ungemein gütig, ungemein milde war. Von ihm war ja weißgesagt: Gürte dein Schwert um deine Lenden, starker Held! In deiner Herrlichkeit und Schönheit ziehe hin, schreite glücklich voran und herrsche, um deiner Wahrheit, Sanftmut und Gerechtigkeit willen. Als Lehrer hat er die Wahrheit gebracht, als Heilland die Sanftmut, als Richter die Gerechtigkeit. Um dieser Eigenschaften willen, hatte ihn der Prophet, vom Heiligen Geiste erleuchtet, als den Herrscher vorhergekündet. Als er redete wurde die Wahrheit erkannt, als er gegen seine Feinde nicht unwillig wurde, lobte man seine Sanftmut. Da nun seine Feinde wegen dieser beiden Eigenschaften, Wahrheit und Sanftmut, von Neid und Mißgunst geplagt wurden, legten sie der dritten Eigenschaft, der Gerechtigkeit die Falle.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste