Reinhold Schneider

Gespräche über ausgewählte litterarische Texte.

Moderator: Ecce Homo

Stephen Dedalus
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Reinhold Schneider

Beitrag von Stephen Dedalus » Donnerstag 14. April 2005, 10:41

Hallo zusammen,

während der letzten Wochen nach dem Tod SH Papst Johannes Pauls II. ging mir immer wieder der Titel einer Erzählung von Reinhold Schneider durch den Kopf: "Der Tod des Heiligen". Darin geht es freilich nicht um JP II, sondern um Thomas Morus, aber der Titel schien mir zu passen.

Gibt es hier außer mir noch Schneider-Leser? Leider ist der Autor mittlerweile ja nicht mehr wirklich bekannt, auch sein 100. Geburtstag im vorletzten Jahr hat daran wenig geändert. :cry:

Bei mir liegt derzeit "Winter in Wien" auf dem SUB (Stapel ungelesener Bücher). Kennt das jemand?

Take care
Steve

wolfgang E.
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Beitrag von wolfgang E. » Sonnabend 16. April 2005, 19:08


Ich habe in Deutsch über Reinhold Schneider maturiert. Wie Du aus meinen Daten entnehmen kannst "vor 1000 Jahren".

Mich hat von seinen Werken "Las Casas vor Karl V" mit am meisten beeindruckt.
Ein Zufall hat es dann gewollt, dass mein jüngster Sohn in San Cristobal de las Casas in Chiappas als Austauschschüler war, also in der Stadt in der Bartholome de las Casas Bischof wurde.

Hans Urs von Balthasar hat übrigens ein sehr profundes, aber nicht gerade leicht lesbares Werk über RS geschrieben.

Winter in Wien ist ebenfalls ein sehr berührendes Werk.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus » Sonntag 17. April 2005, 19:06

Hallo Wolfgang,

schön, daß sich hier doch noch jemand zu Wort meldet :)

Ich bin ja beeindruckt, daß RS in Österreich mal auf dem Gymnasiallehrplan stand ...

Las Casas ist glaube ich auch ein Hauptwerk Scheiders - jedenfalls aufgrund der historischen Bezüge sehr verbreitet. Ich kenne Schneider vor allem über seine Gedichte, die Erzählungen und sein Buch über England "Das Inselreich". Von den autobiographischen Schriften kenne ich bisher nur den "Verhüllten Tag".

Das Buch von Hans Urs von Balthasar interessiert mich. Gibt es das noch - oder nur antiquarisch?

Gruß
Steve

wolfgang E.
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Beitrag von wolfgang E. » Sonntag 17. April 2005, 19:21

Hallo Steven,

das mit dem Lehrplan ist ja auch schon lange her.
Wegen Urs von Balthasar schau einmal hier:http://www.johannes-verlag.de/2964.htm.

LiGrü

Wolfgang E.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc » Sonntag 17. April 2005, 23:54

Ist es möglich, daß Reinhold Schneider zu wenig bekannt ist? Anders kann ich mir die Zurückhaltung in diesem Thread nicht erklären. Und dabei gibt es doch eine Reinhold-Schneider-Gesellschaft!

Zuzüglich zu den bereits genannten Büchern sind besonders erwähnenswert folgende Bücher:

"Portugal", ein Reisebuch der besonderen Art,
"Der Priester im Kirchenjahr der Zeit".

Es ist einfach nicht möglich, Reinhold Schneider mit irgendeinem der üblichen Schriftsteller, auch der mehr ernstzunehmenden, zu vergleichen.

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus » Montag 18. April 2005, 10:04

wolfgang E. hat geschrieben:Hallo Steven,

das mit dem Lehrplan ist ja auch schon lange her.
Wegen Urs von Balthasar schau einmal hier:http://www.johannes-verlag.de/2964.htm.

LiGrü

Wolfgang E.
Hallo Wolfgang,

ah ja, im Johannes Verlag. Das ist sowieso eine großartige Fundgrube!

Danke für den Link!

Steve

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus » Montag 18. April 2005, 10:14

ad_hoc hat geschrieben:Ist es möglich, daß Reinhold Schneider zu wenig bekannt ist? Anders kann ich mir die Zurückhaltung in diesem Thread nicht erklären. Und dabei gibt es doch eine Reinhold-Schneider-Gesellschaft!
Gruß, ad_hoc
Hallo ad_hoc,

das ist gewiß richtig. Vorsitzender der Reinhold-Schneider-Gesellscahft war übrigens der bekannte Theologe und anglikanische Priester Carsten Peter Thiede, der vor kurzem so überraschend verstorben ist.

Gruß
Steve

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Raphael
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Beitrag von Raphael » Mittwoch 18. Mai 2005, 14:25

Das wohl bekannteste Gedicht von Reinhold Schneider:

Allein den Betern ...

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen,
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen.
Bis Gott aus unseren Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert,
Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Raphael
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Beitrag von Raphael » Mittwoch 18. Mai 2005, 14:35

Noch ein gutes: :)

Der Antichrist

Er wird sich kleiden in des Herrn Gestalt,
Und Seine heilige Sprache wird er sprechen
Und Seines Richteramtes sich erfrechen
Und übers Volk erlangen die Gewalt.

Und Priester werden, wenn sein Ruf erschallt,
Zu seinen Füßen ihr Gerät zerbrechen,
Die Künstler und die Weisen mit ihm zechen,
Um den sein Lob aus Künstlermunde hallt.

Und niemand ahnt, daß Satan aus ihm spricht
Und seines Tempels Wunderbau zum Preis
Die Seelen fordert, die er eingefangen;

Erst wenn er aufwärts fahren will ins Licht,
Wird ihn der Blitzstrahl aus dem höchsten Kreis
Ins Dunkel schleudern, wo er ausgegangen.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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