Trappistenabtei Mariawald

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.

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Germanus
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Germanus » Sonnabend 17. Februar 2018, 17:36

Vor einer ausführlicheren Antwort sollte man sich bewußt sein, dass das Rituale cisterciense auch nur einen bestimmten Zustand wiedergibt, der sich zudem nicht mit den Rubriken z.B. des Missale cisterciense deckt. Dieser Umstand führte zu einem Unwohlsein, das zu einer Art "zisterziensischen liturgischen Bewegung" wurde, welche sich der Angleichung der Usus widmen sollte (schon ab dem unmittelbaren Ende des 19. Jahrhunderts). Ein Codex rubricarum, der den 1965-Usus zugrunde liegt, würde mich auch mal interessieren... Es handelt sich dabei vielleicht einfach um Entschlüsse der Generalkapitel. Nicht einfach dabei ist der Umstand, dass der Zisterzienserorden zwar liturgisch als Einheit betrachtet wurde, aber unterschiedliche Usus legitim waren. nIcht in allen Klöstern wurde daher z.B. die Antiphon Sub tuum als marianische Kommemoration behandelt.
Zur Kniebeugung: Da müßte man 1. das Jahr, 2. die Quellen (Usus Ausgabe xy, Rituale Ausgabe xy, Missale Ausgabe xy....), 3. sogar die "Kongregation" beachten. Eine Kniebeugung beim Vorübergehen am Altar (sc. Tabernakel) gibt es bis jetzt zisterziensischerseits nicht, mit Ausnahme der im Rit. cist. genannten Kniebeugung, wenn man sich im Presbyterium befindet, was aber eine Neuerung des 16. Jhd. (?) darstellt.
Die Anrede wird dann ein eigenes Thema sein.
Gruß G.
"Her, denke an mui, wenn diu met duinem Ruike kümmes." (Lk 23,42)

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ad-fontes
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von ad-fontes » Montag 19. Februar 2018, 12:12

Germanus hat geschrieben:
Sonnabend 17. Februar 2018, 17:36
Vor einer ausführlicheren Antwort sollte man sich bewußt sein, dass das Rituale cisterciense auch nur einen bestimmten Zustand wiedergibt, der sich zudem nicht mit den Rubriken z.B. des Missale cisterciense deckt. Dieser Umstand führte zu einem Unwohlsein, das zu einer Art "zisterziensischen liturgischen Bewegung" wurde, welche sich der Angleichung der Usus widmen sollte (schon ab dem unmittelbaren Ende des 19. Jahrhunderts). Ein Codex rubricarum, der den 1965-Usus zugrunde liegt, würde mich auch mal interessieren... Es handelt sich dabei vielleicht einfach um Entschlüsse der Generalkapitel. Nicht einfach dabei ist der Umstand, dass der Zisterzienserorden zwar liturgisch als Einheit betrachtet wurde, aber unterschiedliche Usus legitim waren. nIcht in allen Klöstern wurde daher z.B. die Antiphon Sub tuum als marianische Kommemoration behandelt.
Zur Kniebeugung: Da müßte man 1. das Jahr, 2. die Quellen (Usus Ausgabe xy, Rituale Ausgabe xy, Missale Ausgabe xy....), 3. sogar die "Kongregation" beachten. Eine Kniebeugung beim Vorübergehen am Altar (sc. Tabernakel) gibt es bis jetzt zisterziensischerseits nicht, mit Ausnahme der im Rit. cist. genannten Kniebeugung, wenn man sich im Presbyterium befindet, was aber eine Neuerung des 16. Jhd. (?) darstellt.
Die Anrede wird dann ein eigenes Thema sein.
Gruß G.
So wie ich das Rituale aus dem 17. Jh. verstanden habe, befolgen Celebrans und Ministri den Ritus servandus des Missale Romanum (mit der Ausnahme, daß ein Amt auch ohne Subdiakon, nur mit Diakon, gefeiert werden kann, und Confiteor der Ministri in der Missa lecta super articulos); daher wohl auch die Kniebeugung (auf einem Knie). Mit den Rubriken des Missale Cisterciense meinst du das Missale aus dem gleichen Zeitraum? Könntest du ein paar Widersprüche benennen?

Die spanische (galizische?) Provinz hatte ja den alten Zisterzeinserritus bis is 19. Jh. bewahrt. Es gibt darüber auch Studien (2 Aufsätze und eine Monographie, vor der Wiederaufnahme des Ritus in Hauterive um 1950), aber leider nirgendwo einen veröffentlichten Meßordo.

Kannst du etwas über das Verhältnis von Anrede und Selbstbezeichnung schreiben? Die Regel sieht ja eine - ich nenn es mal 'dynamische' Anrede vor - also, je nach hierarchischem Verhältnis (die jüngeren Mönche nennen die älteren Nonnus, die älteren Brüder die jüngeren Frater), andererseits hat sich das in der Praxis doch so verändert, daß sich eine Anrede mit dem Namen zu einer festen Einheit verbunden hat. Anscheinend nicht durchgängig - so mein Eindruck - bei den Zisterzienseräbten, wenn sie mit Nos Frater N. sich selbst bezeichnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du hier etwas Licht ins Dunkel bringen könntest.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 21. Februar 2018, 11:06

Interview mit Dom Josef zum Thema Schweigen: "Schweigen schafft beides – Distanz und Nähe"
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Petrus » Mittwoch 21. Februar 2018, 11:40

ja.

als ich vor ca. vierzig Jahren das erste mal in Scheyern war, war da auch ein Trappist da. Den fand ich sehr ok, bloß, der hat mich immer voll total zugetextet.

Dann fragte ich nach dem Abendessen den P. Ambrosius: "Ich finde den ja ok - aber warum redet der immer so viel?"

"Das ist ganz einfach, Herr X. Der ist ein Trappist. Die müssen im Kloster immer schweigen. Aber wenn die "auf Reisen" sind, dann dürfen sie reden."

:)
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von ad-fontes » Mittwoch 21. Februar 2018, 12:02

Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 21. Februar 2018, 11:40
ja.

als ich vor ca. vierzig Jahren das erste mal in Scheyern war, war da auch ein Trappist da. Den fand ich sehr ok, bloß, der hat mich immer voll total zugetextet.

Dann fragte ich nach dem Abendessen den P. Ambrosius: "Ich finde den ja ok - aber warum redet der immer so viel?"

"Das ist ganz einfach, Herr X. Der ist ein Trappist. Die müssen im Kloster immer schweigen. Aber wenn die "auf Reisen" sind, dann dürfen sie reden."

:)
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Petrus » Mittwoch 21. Februar 2018, 12:11

ich weiß zwar nicht, worauf Du hinauswillst - aber das läßt sich sicher klären.

jedenfalls - es handelte sich um eine Geschichte aus meinem Leben. Der Trappist, den ich erwähnte, war der damalige Prior der Abtei Mariawald.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Senensis » Mittwoch 21. Februar 2018, 18:20

Mei, das wird halt öfter passiert sein, nicht nur dem Petrus:)
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Montag 26. Februar 2018, 13:09

Am Samstag, 24.03.2018, findet der traditionelle Kreuzweg in der Fastenzeit statt. Treffpunkt etwa um 14.20 Uhr, also nach der Non, vor der Abteikirche oder gegen 15 Uhr in Heimbach beim Gnadenbild in der Pfarrkirche:

http://www.kloster-mariawald.de/view.php?nid=179
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Dienstag 6. März 2018, 22:33

Aufruf zum Gebet (auf der Homepage von Mariawald)

Liebe Freunde der Abtei Mariawald,

die Nachricht von der Schließung der Trappisten-Abtei Mariawald ging wie ein Lauffeuer um die halbe Welt. Briefe nicht nur aus der Umgebung, aus Deutschland, aus den Nachbarländern, sogar aus Nord- und Südamerika haben uns erreicht. Alle berichten von Bestürzung und Trauer, die diese Meldung hervorgerufen hat. Viele haben sich daraufhin der Gebetsgemeinschaft für Mariawald angeschlossen, die mittlerweile über 120 treue Mitglieder zählt. (Näheres dazu hier auf der Website von Mariawald unter dem Stichwort „Gebetsgemeinschaft“.)

Als die Gebetsgemeinschaft gegründet würde, gab es noch die Hoffnung auf den Fortbestand der Abtei. Jetzt aber, da die zuständige Kurie in Rom die Schließung verfügt hat, ist das Gebet nicht weniger notwendig.

Um zwei Dinge bitten wir Sie, die Hilfe Gottes zu erflehen.
Erstens dass Mariawald nicht Opfer einer zweiten Säkularisierung werde, sondern als Ort klösterlich-monastischer Tradition erhalten bleibe, indem ein anderer Orden das Kloster übernehmen könnte. - Dies wäre auch ein wunderbares Geschenk für alle, denen Mariawald eine liturgische und geistliche Heimat geworden ist.
Zweitens, dass für alle Mönche, die in Mariawald verwurzelt sind, eine gottgefällige Zukunft gefunden werde. Für die Alten und Kranken ein Ort, wo sie sich wohlfühlen können und wo für sie gesorgt wird. Und für die anderen eine Stätte, in der sie ein mönchisches Leben gemäß der Tradition fortsetzen können.

So bitten wir Mönche um Ihr Gebet, sei es in der Gebetsgemeinschaft, der Sie sich jederzeit anschließen können, sei es in eigener Initiative.

Ich möchte einen Satz des hl. Ambrosius wiederholen, der in schwerer Zeit geschrieben hat:
„Mögen immerhin die einzelnen unvermögend und schwach sein, so macht doch die Vereinigung sie stark, und das Gebet dieser kann unmöglich unerhört bleiben.“

Indem ich Sie alle und uns Mönche der Fürbitte der Schmerzhaften Mutter, der Patronin von Mariawald, empfehle, spende ich Ihnen meinem priesterlichen Segen.

Ihr

fr. M. Josef Vollberg, Prior claustralis
"Für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung – klar, einleuchtend und falsch." (Henry Louis Mencken)

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonntag 18. März 2018, 21:35

Der „Verlag der Ideen“ bewirbt angesichts der bevorstehenden Schließung der Abtei Mariawald noch einmal das Buch „Gott suchen – sich selbst finden“ von Bernardin Schellenberger, der Zeugnis ablegt „über eine über Jahrhunderte nahezu unveränderte Lebensweise […], die nun zumindest in Deutschland ausstirbt.“ In der unteren Hälfte dieser Seite finden sich einige eindrucksvolle Bilder aus diesem Buch, die den Alltag der Trappistenmönche zeigen.

„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Mittwoch 4. April 2018, 13:39

Nachlese zum „Kreuzweg in der Fastenzeit“ am 24. März 2018:

Der letzte Kreuzweg in der Trappistenabtei Mariawald?





„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Niels » Freitag 6. April 2018, 14:59

"Bruder Jordan verstorben": http://www.abtei-mariawald.de/
Das Requiem für Bruder Jordan wird am Samstag, dem 7. April, um 10 Uhr gefeiert. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof des Klosters.
Vivat in Deo!
Resurrexit, sicut dixit, alleluia

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Freitag 6. April 2018, 15:43

Niels hat geschrieben:
Freitag 6. April 2018, 14:59
"Bruder Jordan verstorben": http://www.abtei-mariawald.de/
Das Requiem für Bruder Jordan wird am Samstag, dem 7. April, um 10 Uhr gefeiert. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof des Klosters.
Vivat in Deo!
Ein vorbildlicher Mensch. Möge der Herr ihm einen Platz an seiner Seite schenken. :( Es freut mich für ihn, dass er noch auf dem Friedhof der Abtei beerdigt werden kann, in der er fast sein gesamtes Leben verbracht hat.

Die Abtei war abseits der Erbsensuppe früher auch für ihre Pferdezucht sehr bekannt, wofür vor allem Bruder Jordan verantwortlich war. In der Chronik der Abtei gibt es einen kurzen Eintrag hierzu: http://www.kloster-mariawald.de/view.php?nid=345
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