Trappistenabtei Mariawald

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.

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CIC_Fan
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von CIC_Fan » Mittwoch 26. Oktober 2016, 13:18

was ich mit bekommen gehts um wirtschaftliche Probleme und die Versorgung der alten Mitbrüder das die Abtei bei der alten Liturgie und Ordnung bleibt steht nicht zur diskussion denke ich was der auslösene Faktor zur Visitation war ist die Betreuung der alten Mitbrüder

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Alte Messe im Norden
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Alte Messe im Norden » Mittwoch 26. Oktober 2016, 13:22

Genau -- ich wundere mich auch über den P. Immediat / Visitator aus Tilburg.

Während meiner Zeit in Mariawald 2009/2010 erlebte ich eine Visitation von Oelenberg.
Die Stimmung war merklich kühl. Oelenberg ist ein liberales Kloster (zumindest war es das 2010), das nicht viel übrig hat für den traditionellen Usus in Mariawald.
Das erklärt allerdings noch nicht die oben angeführte Zuständigkeit durch Tilburg.

Der Versuch einer Revitalisierung des Klosters durch die Tradition ist m. E. schon 2010 gescheitert.

Es werden sich keine weiteren Interessenten mehr nach Mariawald wenden.
Warum auch?
Der Abt der Reform ist zurückgetreten und wird, wenn er im Kloster bleiben sollte, eine klitzekleine Gruppe von traditionsfreudigen Mönchen anführen.
Warum ist er eigentlich zurückgetreten, wenn es doch irgendwie mit der Tradition weitergehen soll?

Im nächsten Jahr wird höchstwahrscheinlich Kloster Reichenstein "in Betrieb" genommen werden, das wird der neue Anlaufpunkt für traditionelles monastisches Leben in Deutschland werden.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 26. Oktober 2016, 13:57

CIC_Fan hat geschrieben:was ich mit bekommen gehts um wirtschaftliche Probleme und die Versorgung der alten Mitbrüder das die Abtei bei der alten Liturgie und Ordnung bleibt steht nicht zur diskussion denke ich was der auslösene Faktor zur Visitation war ist die Betreuung der alten Mitbrüder
Wirtschaftliche Probleme oder gar eine drohende Insolvenz mögen natürlich der Hintergrund der für das nächste Jahr befürchteten Schließung gewesen sein. Die geringe Anzahl an jüngeren Mönchen, nunmehr noch verstärkt durch die Abwesenheit eines jüngeren Mönches, wird wohl eine zunehmende Fremdvergabe von Pflegeleistungen notwendig gemacht haben, verbunden mit den entsprechenden Kosten. Wie der Rücktritt von Dom Josef dieses Problem lösen soll, verstehe ich aber noch nicht so ganz.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von CIC_Fan » Mittwoch 26. Oktober 2016, 14:04

seine Fähigkeiten was die Leitung betrifft?

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 26. Oktober 2016, 14:12

CIC_Fan hat geschrieben:seine Fähigkeiten was die Leitung betrifft?
Meinst du seine wirtschaftlichen Fähigkeiten? Aber erstens hatte die Abtei ja schon einen externen Geschäftsführer und zweitens wird auch ein neuer Abt kein Geld aus dem Hut zaubern können.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Raphael » Mittwoch 26. Oktober 2016, 14:35

HeGe hat geschrieben:
CIC_Fan hat geschrieben:seine Fähigkeiten was die Leitung betrifft?
Meinst du seine wirtschaftlichen Fähigkeiten? Aber erstens hatte die Abtei ja schon einen externen Geschäftsführer und zweitens wird auch ein neuer Abt kein Geld aus dem Hut zaubern können.
Willkommen zurück, HeGe! :huhu:
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 26. Oktober 2016, 15:08

Raphael hat geschrieben:Willkommen zurück, HeGe! :huhu:
Danke. Die Pause war notwendig, aber das Thema ist mir jetzt doch zu wichtig.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 26. Oktober 2016, 15:55

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Niels » Mittwoch 26. Oktober 2016, 16:41

Du kennst doch doch die Lage halbwegs. Was mag da los sein? (Ich kenne Dom Josef auch persönlich und enthalte mich daher einer Meinung.)
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Mittwoch 26. Oktober 2016, 17:16

Niels hat geschrieben:Du kennst doch doch die Lage halbwegs. Was mag da los sein?
Ich bin weit davon entfernt, die Lage auch nur halbwegs zu kennen, insbesondere was die Internas des Konvents angeht. Möchte ich auch gar nicht, anderenfalls wäre es ja kein klausurierter Orden. Ich nehme nur von Außen wahr, dass leider weiterhin der Nachwuchs ausbleibt, lese die Erklärung, die Fr. Johannes im September auf Facebook eingestellt hat und kann mir durchaus vorstellen, dass auch die finanzielle Lage des Klosters nicht rosig ist. Alle darüber hinausgehende Überlegungen zu den Gründen und zu Schlussfolgerungen wären aber unredliche Spekulationen, die eigentlich ich nicht anstellen möchte.

Ich hatte mir 2008 schon mehr Hoffnung gemacht, was Nachwuchs angeht, auch wenn CIC_Fan schon zurecht darauf hingewiesen hat, dass Liebe zur alten Messe noch lange nicht Berufung zum trappistischen Leben bedeutet. In anderen Ländern und anderen kontemplativen Klöstern klappt es aber ja auch irgendwie in einem kleinen Rahmen und da mir als einzig vergleichbar "strenges" Kloster in Deutschland nur noch die Kartause Marienau einfallen würde, hatte ich schon gehofft, dass ein gewisses Potential an Kandidaten da ist. Vielleicht spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass das nach Summorum Pontificum zart aufkeimende Pflänzchen einer gewissen Aufbruchstimmung in den letzten drei Jahren ziemlich mit dem Überleben kämpfen muss. Aber wie immer gilt: Berufungen macht nicht der Mensch, wir können nur hoffen und beten.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Mittwoch 26. Oktober 2016, 18:20

Dom Josef schreibt, dass Mariawald als Abtei erhalten bleibt, trotz aller personellen und wirtschaftlichen Engpässe. Das Kloster wird also nicht in den Rang eines Priorats zurückgestuft. Mittelfristig müsste demnach jedoch wieder ein neuer Abt gewählt werden. Wer aber sollte das anders sein als Dom Josef Vollberg, zumal der Nachwuchs leider ausgeblieben ist?
HeGe hat geschrieben:Die geringe Anzahl an jüngeren Mönchen, nunmehr noch verstärkt durch die Abwesenheit eines jüngeren Mönches ...
Warum ist der denn abwesend? Und wie lange noch? :hmm:
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Donnerstag 27. Oktober 2016, 11:45

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:Dom Josef schreibt, dass Mariawald als Abtei erhalten bleibt, trotz aller personellen und wirtschaftlichen Engpässe. Das Kloster wird also nicht in den Rang eines Priorats zurückgestuft. Mittelfristig müsste demnach jedoch wieder ein neuer Abt gewählt werden. Wer aber sollte das anders sein als Dom Josef Vollberg, zumal der Nachwuchs leider ausgeblieben ist?
Da der Abt Priester sein muss, ist die Auswahl zumindest abteiintern sehr eingeschränkt. Aber Mariawald hat schon in der Vergangenheit Äbte von außerhalb gewählt, die beiden Äbte vor Dom Josef kamen auch nicht aus dem Konvent selber.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 27. Oktober 2016, 13:31

In der Information von Dom Josef steht:
Den Rücktritt habe ich vor allem deswegen angeboten, weil in Kooperation mit Dom Bernardus wir gegenwärtig noch selbst über das Wohl und die Zukunft von Mariawald entscheiden konnten. Ohne diese Kooperation hätte die Gefahr bestanden, dass durch eine absehbare Änderung der Statuten im nächsten Jahr eine Schließung der Abtei selbst gegen den Willen des Konvents hätte erfolgen können.
Wie muß man sich das vorstellen? Von wem können bzw. werden die Statuten geändert? Geht das auch gegen den Willen des Konvents? Wie sind da die Voraussetzungen?

Zur wirtschaftlichen Lage:
Die Abtei hat früher Landwirtschaft betrieben. Ich habe einmal gelesen, daß die Flächen jetzt verpachtet sind. Wahrscheinlich werden die Einnahmen daraus für den Unterhalt nicht ausreichen.
Meine Frage mag vielen hier als naiv erscheinen, aber ich stelle sie trotzdem: Gibt es hier denn keine Unterstützung durch das örtliche Bistum/Erzbistum oder durch den Orden? Ist jedes Kloster für seinen wirtschaftlichen Erfolg bzw. sein wirtschaftliches "Standbein" selbst verantwortlich?

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von HeGe » Donnerstag 27. Oktober 2016, 13:40

Caviteño hat geschrieben:Zur wirtschaftlichen Lage:
Die Abtei hat früher Landwirtschaft betrieben. Ich habe einmal gelesen, daß die Flächen jetzt verpachtet sind. Wahrscheinlich werden die Einnahmen daraus für den Unterhalt nicht ausreichen.
Große Teile der ehemaligen Landwirtschaftsfläche sind heute Nationalpark. Ich glaube aber nicht, dass mit der Landwirtschaft heute noch Gewinne zu erzielen wären, ganz zu schweigen vom fehlenden "Personal" für die Bewirtschaftung.
Caviteño hat geschrieben:Meine Frage mag vielen hier als naiv erscheinen, aber ich stelle sie trotzdem: Gibt es hier denn keine Unterstützung durch das örtliche Bistum/Erzbistum oder durch den Orden? Ist jedes Kloster für seinen wirtschaftlichen Erfolg bzw. sein wirtschaftliches "Standbein" selbst verantwortlich?
Das Bistum Aachen würde wohl eher den örtlichen Satanistenverband unterstützen, als der Abtei Geld zu geben. ;) Klöster und Abteien bekommen aber grundsätzlich kein Geld von den Diözesen oder Orden, außer für konkrete Dienste, wie bspw. für die Übernahme von Pfarrstellen, o.ä.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Marcus, der mit dem C » Donnerstag 27. Oktober 2016, 13:48

Caviteño hat geschrieben:(...)
Meine Frage mag vielen hier als naiv erscheinen, aber ich stelle sie trotzdem: Gibt es hier denn keine Unterstützung durch das örtliche Bistum/Erzbistum oder durch den Orden? Ist jedes Kloster für seinen wirtschaftlichen Erfolg bzw. sein wirtschaftliches "Standbein" selbst verantwortlich?
Zuerst ist jedes Kloster für seine Finanzen selbst verantwortlich. Mittel aus dem Kirchensteuertopf kann es nicht direkt erwarten, außer über Gestellungsverträge. Dies mag komisch anmuten, vor allem wenn Kirchen und Grundstücke, die den Klöstern im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses enteignet wurden, sich nun teilweise im Besitz der Diözesen befinden.

Ob andere Klöster finanziell aushelfen, hängt von der Art der Organisation der Klöster ab. Ich kenne es aus der Bayerischen Benediktinerkongregation, in der die Mitgliedsklöster im Notfall sich gegenseitig unterstützen. Der Preis dafür ist eine regelmäßige gegenseitige Visitation auf Cellerarsebene, um frühzeitig zu erkennen, ob sich finazielle Schwierigkeiten anbahnen.

Die Diözesen an sich, sind meines Wissens nicht gewillt, regelmäßige Zuschüsse an Klöster zu gewähren, auch wenn sie die Nutznießer der Rückgaben und der Entschädigungen für die Enteignung sind (Kirchensteuer).
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Freitag 28. Oktober 2016, 22:51

Dass der Trappistenorden insgesamt nicht glücklich war über den "Alleingang" in Mariawald, zumal das wohl auch etwas "handstreichartig" erfolgte, wird ja allgemein angenommen. Neugierig hat mich gemacht, warum Oelenberg nun eine "liberale" Abtei sein soll, währen andere Abteien "konservativer" wären? Woran macht man eigentlich fest? Oder hing das an den damaligen Visitatoren als Personen? Kann natürlich sein, dass man 2010 den handelnden Personen auch etwas auf den Zahn fühlen wollten, wie viel "Substanz" das Vorhaben hatte.
Vielleicht hat es ja auch eine Verschiebung gegeben, wenn Abt Bernhardus von Koningshoven nun als Pater Immediat bezeichnet wird. Ich weiß nicht, ob das im Trappistenorden möglich ist? Soweit ich weiß, haben ja manche der älteren Trappisten in Mariawald die "Reform" nicht mitgetragen.
Wirtschaftlich ist es sicher schwierig, es gibt den kleinen Buchladen, Klosterladen, Klostergaststätte. Aber an und für sich scheint das ganz gut zu laufen. Ob es für ein derartiges Kloster ausreicht? Es wird nicht einfach sein für einen so kleinen Konvent. Die Wirtschaftsgebäude werden wohl von der Nationalparkverwaltung genutzt.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Petrus » Sonnabend 29. Oktober 2016, 13:35

nun,

Mariawald kenne ich noch nicht persönlich.

aber fr. Bernardin habe ich kennengelernt - ein fröhliches Mönchlein, in grauer Kutte. damals.

den mag ich.

ich habe ihn kennengelernt in Scheyern. damals.

dann fragte ich mal den P. Ambrosius, und sagte ihm, dass das schon ein netter Mensch sei. Aber, warum redet der so viel?
"Ja, Herr X. Das ist ein Trappist. Aber immer dann, wenn er aus dem Kloster raus ist, darf er reden"

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Montag 31. Oktober 2016, 08:26

Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 29.10.2016

Daraus:
„Das [der Rücktritt vo Abt Josef Vollberg] ist keine Degradierung“, betonte Dom Bernardus im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ist Abt des Mutterklosters „Unsere liebe Frau von Koeningshoven“ in Tilburg und damit als Immediat, als Vater-Abt, für Mariawald zuständig. [...] „Einen Abt abzusetzen, ist in unserem Orden nicht selten, das ist der normale Gang der Dinge“, sagte er. Die Äbte seien nicht auf immer gewählt, der Orden könne sie abberufen.
Abgesetzt? „Der normale Gang der Dinge“??? Ich dachte, Dom Josef sei aus freien Stücken zurückgetreten ... :hae?:
Kern des Problems ist der mangelnde Nachwuchs an Ordensleuten. Nur noch neun Mönche seien in Mariawald, so Dom Bernardus. Um den zurückgehenden Zahlen gerecht zu werden, sei in der Planung, dass das Generalkapitel des Ordens im nächsten Jahr neue Statuten verabschiede, verriet er. Dann könnte die Mindestanzahl von Mönchen für ein Kloster auf zwölf festgelegt werden. „Die Klöster, die weniger haben, müssten dann geschlossen werden“, so Dom Bernardus weiter. Für Mariawald sei das eine Bedrohung. Er habe der Unruhe zuvorkommen wollen, erklärte Dom Bernardus weiter.
:(
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Montag 31. Oktober 2016, 09:33

"Halb zog ich ihn, halb sank er hin...". Ich vermute mal, dass die Antwort auf die Frage ob "zurückgetreten" oder "abberufen", die sich in dem Artikel stellt irgendwo "lost in translation" ist. Ich weiß nicht, wie das in der niederländischen Sprache formuliert wird. Ich spreche viel mit Niederländern, man muss schon oft von niederländischen her mitdenken, um wirklich zu verstehen. Davon ab gehe ich mal davon aus, dass es schon einen gewissen Druck durch die Umstände gab. Es kann doch in Mariawald nicht bleiben wie es ist. Welchen Sinn macht ein "Abt" als Vorsteher einer Gemeinschaft von drei oder vier Mönchen... Mit Stab und Mitra? Als Vaterabt eines solchen Klosters würde ich mir schon Sorgen machen und wenn langfristig keine Besserung in Sicht ist...
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Montag 31. Oktober 2016, 10:08

kreuzzeichen hat geschrieben:Welchen Sinn macht ein "Abt" als Vorsteher einer Gemeinschaft von drei oder vier Mönchen... Mit Stab und Mitra? Als Vaterabt eines solchen Klosters würde ich mir schon Sorgen machen und wenn langfristig keine Besserung in Sicht ist...
Das ist schon klar, aber die Umstände, die zum Rücktritt von Dom Josef geführt haben, erscheinen für einen Außenstehenden doch etwas ungewöhnlich und durchaus überraschend.

Um einen Vergleich zu wagen: Wie verhält es sich mit dem oberösterreichischen Stift Engelszell? Abt Marianus hätte aufgrund seines hohen Alters schon längst zurücktreten und das Kloster wegen der geringen Zahl der verbliebenen Mönche (aktuell nur noch vier!) aufgelöst werden müssen. Hier ist aber von einer Visitation, der Einsetzung eines Paters Immediat bzw. von einer möglichen „Änderung der Statuten“ nicht die Rede. Gelten in Österreich andere kanonische Regelungen? Hier scheint man die Dinge zumindest etwas „pragmatischer“ zu sehen.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Montag 31. Oktober 2016, 15:50

Vielleicht kennen Sie die Situation in und um Engelszell persönlich? Dort habe ich keine Informationen. Mir erscheint das durchaus logisch und folgerichtig. Auffällig ist ja, dass statt Oelenberg als Mutterabtei hier jetzt von Koningsoord die Rede ist. Und es ist nicht ungewöhnlich, dass es im Rahmen von Visitationen auch zu gravierenden Veränderungen kommt. Wenn die wirtschaftliche Basis einer Abtei nicht gesichert ist. Und die ist in Mariawald unsicher, was nicht nur der Verweis auf finanzielle Transfers aus Koniingsoord deutlich aufzeigt. Die Probleme, die geschildert werden (jenseits des liturgischen und das Ordensleben betreffenden Sonderwegs der Abtei) stellen sich für jedes Kloster. Wenn die Trappisten insgesamt neue Statuten erarbeiten und dort wieder auf eine Mindestgröße eines Klosters Wert legen, dann ist die Situation für Mariawald als altrituelle Abtei noch mal etwas Besonderes, weil auf diese Weise keine Trappisten anderer Ausrichtung z.B. nach Mariawald wechseln können (auch wenn das ja wegen der "Stabilitas" eher schwierig, aber in besonderen Situationen vielleicht doch möglich ist. Ausgerechnet die Klöster, die ausreichend Nachwuchs haben, haben für sich zu einer Strenge und Klarheit gefunden, ohne dabei auf alte Ordnungen zurückgreifen zu müssen. Das zieht Nachwuchs an... Aber es ist ein vom Weg Mariawalds deutlich unterschiedener Weg.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Siard » Dienstag 1. November 2016, 16:30

kreuzzeichen hat geschrieben:[…], weil auf diese Weise keine Trappisten anderer Ausrichtung z.B. nach Mariawald wechseln können […]
Warum sollte das nicht möglich sein? Es scheitert höchstens am Willen dies zu tun.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Siard » Dienstag 1. November 2016, 16:36

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:Abgesetzt? „Der normale Gang der Dinge“??? Ich dachte, Dom Josef sei aus freien Stücken zurückgetreten ... :hae?:
Hinter manch ›freier‹ Resignation steckt de facto eine Absetzung. Es zeugt aber nicht von gutem Stil, wenn solche Dinge dann auf diese Art ausgeplaudert werden.
Und eine Absetzung ist sicher nicht der ›normale Gang der Dinge‹, greift er doch in die legitimen Rechte einer Abtei ein.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Siard » Dienstag 1. November 2016, 16:39

Die Zahl der Mönche in einer Abtei spielt erstmal keine Rolle, was den Rang einer Abtei angeht. Ist ein Haus zur Abtei erhoben, so bleibt der Status bis 100 Jahre nach dem Tod des letzten Konventualen erhalten und kann jederzeit reaktiviert werden. Dies heißt allerdings nicht, daß sogleich ein neuer Abt gewählt werden kann.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Mittwoch 2. November 2016, 15:44

Siard, es kommt mir etwas spitzfindig vor, was Sie da sagen. Natürlich wäre das möglich, aber es ist doch schwieriger in ein Kloster zu wechseln, das liturgisch und von den Lebensgewohnheiten völlig anders ausgerichtet ist.
"Für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung – klar, einleuchtend und falsch." (Henry Louis Mencken)

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Siard » Donnerstag 3. November 2016, 06:11

kreuzzeichen hat geschrieben:Siard, es kommt mir etwas spitzfindig vor, was Sie da sagen. Natürlich wäre das möglich, aber es ist doch schwieriger in ein Kloster zu wechseln, das liturgisch und von den Lebensgewohnheiten völlig anders ausgerichtet ist.
Was ist daran spitzfindig? Es passiert nicht gerade selten. Allein ein Blick auf die zu Heiligenkreuz gehörenden Häuser zeigt, daß der Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Gemeinschaften möglich ist.
Es ist ja auch nicht ungewöhnlich, daß Ordensleute zwischen Klöstern in Deutschland und Österreich wechseln – und das ist auch ein sehr großer Unterschied.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von kreuzzeichen » Donnerstag 3. November 2016, 08:12

Ich will mit ihnen nicht über solche Details streiten. Ich halte diesen speziellen Wechsel für schwierig. Ich weiß nicht, wie gut Sie die einzelnen Klöster und Verhältnisse im Zisterzienser- bzw. im Trappistenorden kennen. Wenn es so einfach wäre... würde es häufiger geschehen. Stiepel (evtl. demnächst Neuzelle) und Heiligenkreuz sind sicher Ausnahmeerscheinungen. Stiepel als Priorat von Heiligenkreuz wird ja im Grunde als Dependance des Mutterklosters geführt und macht - wie mir scheint - nach und nach Schritte zur eigenen Abtei hin. Das wird aber noch einige Jahre dauern. ich bin durchaus der Meinung, dass ein Wechsel von Mitbrüdern z.b. aus Sept Fons nach Mariawald deutlich schwieriger wäre, als beispielsweise ein Wechsel von Mönchen aus Marienstatt nach Himmerod. Aber vielleicht kennen Sie die Verhältnisse ja besser. Dass z.B. Br. J. aus Mariawald nicht in einem anderen Trappistenkloster zur Abklärung seines weiteren Berufungsweges weilt nehme ich als Hinweis für die von mir beschriebenen Schwierigkeiten. Aber für Mariawald würde ich mich gern auch von den Geschehnissen eines Besseren belehren lassen.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Dieter » Donnerstag 3. November 2016, 08:47

Siard hat geschrieben:
kreuzzeichen hat geschrieben:Siard, es kommt mir etwas spitzfindig vor, was Sie da sagen. Natürlich wäre das möglich, aber es ist doch schwieriger in ein Kloster zu wechseln, das liturgisch und von den Lebensgewohnheiten völlig anders ausgerichtet ist.
Was ist daran spitzfindig? Es passiert nicht gerade selten. Allein ein Blick auf die zu Heiligenkreuz gehörenden Häuser zeigt, daß der Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Gemeinschaften möglich ist.
Es ist ja auch nicht ungewöhnlich, daß Ordensleute zwischen Klöstern in Deutschland und Österreich wechseln – und das ist auch ein sehr großer Unterschied.

50 % der Mönche im österreichischen Heiligenkreuz sind Deutsche.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 3. November 2016, 10:52

Dieter hat geschrieben: 50 % der Mönche im österreichischen Heiligenkreuz sind Deutsche.
Müßig die Frage.
Wenn man Donnersmarck oder Thun heißt, was ist man dann?
Ganz abgesehen davon, was auf dem Paß steht. Einige haben ja mehrere Pässe.

"Ich bin ein deutscher Fürst" sagte Franz Josef 1859.
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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Petrus » Donnerstag 3. November 2016, 14:42

Dieter hat geschrieben:

50 % der Mönche im österreichischen Heiligenkreuz sind Deutsche.
auch das noch.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Sascha B. » Donnerstag 3. November 2016, 15:44

Dieter hat geschrieben: 50 % der Mönche im österreichischen Heiligenkreuz sind Deutsche.
Nur? Ich ging davon aus dass in einem deutschen Staat wie Österreich der Anteil Deutscher im Kloster bei mindestens 80% liegen würde. ;D
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Re: Trappistenabtei Mariawald

Beitrag von Lycobates » Donnerstag 3. November 2016, 16:44

Sascha B. hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben: 50 % der Mönche im österreichischen Heiligenkreuz sind Deutsche.
Nur? Ich ging davon aus dass in einem deutschen Staat wie Österreich der Anteil Deutscher im Kloster bei mindestens 80% liegen würde. ;D
Jawohl! Bravo!
So deutlich wollte ich nicht werden!
Obzwar die perspicuitas eine Tugend ist des römischen Redners. ;D

Beispielsweise: In unserer Familie laufen 4 Pässe um, drei europäische und einer gar von Übersee.
Wir sind aber doch alle Deutsche, wenn auch nicht (mehr) alle Deutsch reden (wobei sich die drei europäischen Pässe tatsächlich innerhalb der Reichsgrenzen von 1793/1806 situieren; dann kam die Mediatisierung).

Man sollte nicht so kleindeutsch borniert sein.
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