Bruder auf Zeit

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.

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Maja
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Bruder auf Zeit

Beitrag von Maja » Mittwoch 12. August 2015, 13:40

Für Männer, die sich für Jahre, nicht jedoch lebenslang an einen Orden binden wollen bieten die Barmherzigen Brüder von Maria Hilf "Bruder auf Zeit" an:

http://www.brueder.info/de/wir-begleite ... /index.php

[Und ich überlege mir ob das für Orden zukünftig ein Konzept sein könnte. Also eine Mitgliedschaft auf Jahre anzubieten.]
"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." 1 Kor 12

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Protasius
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Protasius » Mittwoch 12. August 2015, 13:46

Maja hat geschrieben:Für Männer, die sich für Jahre, nicht jedoch lebenslang an einen Orden binden wollen bieten die Barmherzigen Brüder von Maria Hilf "Bruder auf Zeit" an:

http://www.brueder.info/de/wir-begleite ... /index.php

[Und ich überlege mir ob das für Orden zukünftig ein Konzept sein könnte. Also eine Mitgliedschaft auf Jahre anzubieten.]
In einem Roman wurde mal (nebenbei) über einen Orden geschrieben, bei dem alle Mitglieder nur zeitliche Professen auf ein Jahr ablegen und dieselbe jedes Jahr wiederholen. Hieß glaub' ich Signum.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Niels
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Niels » Mittwoch 12. August 2015, 14:17

Drum prüfe, wer sich ewig bindet.
Wer immer sucht, der niemals findet.
:nuckel:

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von HeGe » Mittwoch 12. August 2015, 15:44

Regel des Hl. Benedikt, Kapitel 1 hat geschrieben:[...] 10.Die vierte Art der Mönche sind die sogenannten Gyrovagen. Ihr Leben lang ziehen sie landauf landab und lassen sich für drei oder vier Tage in verschiedenen Klöstern beherbergen.
11.Immer unterwegs, nie beständig, sind sie Sklaven der Launen ihres Eigenwillens und der Gelüste ihres Gaumens. In allem sind sie noch schlimmer als die Sarabaiten. [...]
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Reinhard
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Reinhard » Donnerstag 13. August 2015, 20:40

Nun ja, wer sich unter die Regula Benedicti berufen weiß, der sollte ganz sicher nicht im Jahrestakt herumvagabundieren.
Zumal die RB ungeheuer großen Wert auf die Stabilitas Loci legt. Das ist dort ja geradezu der vierte Evangelische Rat.

Aber es gibt durchaus auch andere Berufungen.

Vor 2 Jahren hatte ich die Community of Craig Lodge im schottischen Bistum Argyll and the Isles besucht.
Das ist ein Retraiten- und Evangelisationszentrum, dort in den Highlands, wo sie am schottischsten und katholischsten sind, mit einer großen Reichweite unter jungen Leuten. (bis in die Niederlande !) - die machen eine segensreiche Arbeit, sie blühen und wachsen.

Und die haben den Grundsatz, dass sich jedes Mitglied der Gemeinschaft immer auf ein Jahr "Commitment" feierlich verpflichtet, in einer Weihemesse. Und ggf. dieses Commitment jedes Jahr erneuert, auch über ein halbes Leben.
Das ist ihre Berufung und ihr Stil, und ich habe den Eindruck, das passt bei ihnen, das ist dort gut.

Von daher weigere ich mich, solche verschiedenen Berufungen gegeneinander auszuspielen. Und ich glaube auch nicht, dass man in der einen oder anderen Berufung einen "Trend" sehen sollte. Auch nicht für eine "erfolgreiche" Zukunft.
Sondern jeder einzelne Weg der Nachfolge hat seine eigene Handschrift, und der gilt es treu zu bleiben, im Gebet und Hören auf Gott.

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offertorium
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Donnerstag 13. August 2015, 21:23

Das ganze stelle ich mir schwierig vor. Wie sichert sich die Gemeinschaft für die Zukunft ab, wenn hier keine lebenslange Bindung angestrebt wird? Wie sind die einzelnen Brüder für die Zukunft abgesichert, wenn keine Versorgung durch die Gemeinschaft gedacht wird und sie auf staatliche Leistungen angewiesen sein werden?... Für mich ist die Vorstellung schwierig, sich einer Gemeinschaft mit dem festen Gedanken anzuschließen, dort wieder auszutreten. Das erinnert mich an Ehe auf Zeit.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 21:28

Protasius hat geschrieben:In einem Roman wurde mal (nebenbei) über einen Orden geschrieben, bei dem alle Mitglieder nur zeitliche Professen auf ein Jahr ablegen und dieselbe jedes Jahr wiederholen. Hieß glaub' ich Signum.
wenn ich richtig informiert bin, haben die Vinzentiner und Vinzentinerinnen keine ewigen Gelübde.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 21:38

Das ist ein sehr interessanter Gedanke!
Fast alle unsere Ordensgemeinschaften haben das Prinzip der Lebensdauer - im Grundsatz und im Ziel.

Schaue ich in die Welt, so sehe ich auch andere Konzepte. Im Buddhismus gibt es viele Beispiele der religiösen Bildung und Formung durch ein "Klosterleben auf Zeit". Ich glaube, in Thailand haben viele junge Leute ein Jahr in einem Kloster verbracht.

Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben (Noviziat).
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen (1. Profeß) - und danach wenn es Dir gefallen hat noch ein Jahr (2. Profeß).

Wenn Du entdeckt haben solltest, dass dieses Leben für Dich das richtige ist, darfst Du Dich für immer an unsere Gemeinschaft binden - wenn wir dem zustimmen.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Donnerstag 13. August 2015, 21:48

umusungu hat geschrieben:Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben (Noviziat).
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen (1. Profeß) - und danach wenn es Dir gefallen hat noch ein Jahr (2. Profeß).


Es würde mich wundern, wenn ein Benediktiner-Kloster den Interessenten nicht über die Stufen der Zugehörigkeit informieren würde (Postulat, Noviziat, (mehrfache) zeitliche Gelübde, ewige Gelübde). Niemand geht in ein Kloster und bindet sich sofort ewig.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 22:00

Hast mich also nicht verstanden.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Donnerstag 13. August 2015, 22:11

Sollte ein Mensch so seine Ehe eingehen? (Mal schauen, wenn's Spaß macht, noch ein Jahr, wenn nicht, sucht man sich eine andere...)

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 22:41

Mit der Ehe hat das überhaupt nichts zu tun.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 22:47

es geht überhaupt nicht um die Ehe!

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Donnerstag 13. August 2015, 22:53

Die Ernsthaftigkeit sollte die gleiche sein.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Donnerstag 13. August 2015, 22:59

offertorium hat geschrieben:Die Ernsthaftigkeit sollte die gleiche sein.
nein.. ich habe es anders beschrieben.

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Reinhard
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Reinhard » Donnerstag 13. August 2015, 23:05

In dieser Form eine Parallele zur Ehe zu ziehen, scheint mir ohnehin vor allem die romantische Idee von Leuten zu sein, die selber weder die Ehe noch den Geweihten- oder Ordensstand leben.

Klar spielen solche Parallelen in der persönlichen Gottesbeziehung eine Rolle, insbesondere bei geweihten Jungfrauen. (die übrigens in der "Welt" leben ! :blinker: )

Aber mit dem Ordensstand an sich hat es nichts zu tun.
(Mir gegenüber haben Ordensangehörige vor allem immer wieder auf die Parallele zwischen Ehe und Kloster hingwiesen in dem Sinne, dass man aus beiden nicht nicht wieder raus kommt und deshalb lernt, sich zu arrangieren. Ganz praktisch also.)

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Fragesteller » Freitag 14. August 2015, 01:10

umusungu hat geschrieben:Hast mich also nicht verstanden.
Ich leider auch nicht. Denn wenn ich recht sehe, ist das, was Du vorschlägst - erst Noviziat, dann zeitliche Profess, evtl. mit Verlängerung, dann ewige Profess - doch genau das, was z. B. Benediktiner heute ohnehin praktizieren?

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offertorium
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Freitag 14. August 2015, 06:27

Reinhard hat geschrieben:In dieser Form eine Parallele zur Ehe zu ziehen, scheint mir ohnehin vor allem die romantische Idee von Leuten zu sein, die selber weder die Ehe noch den Geweihten- oder Ordensstand leben.
Dir darf ich Gespräche mit Menschen empfehlen, die ihre Ehe als Berufung verstehen.

Siard
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Siard » Freitag 14. August 2015, 07:28

umusungu hat geschrieben:Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben (Noviziat).
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen (1. Profeß) - und danach wenn es Dir gefallen hat noch ein Jahr (2. Profeß).

Das ist auch jetzt möglich – unter Beachtung der sonstigen Rechtsvorschriften. Ich bezweifle allerdings aus mehreren Gründen, daß dies sinnvoll ist.

Raphaela
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Raphaela » Freitag 14. August 2015, 07:30

Reinhard hat geschrieben:In dieser Form eine Parallele zur Ehe zu ziehen, scheint mir ohnehin vor allem die romantische Idee von Leuten zu sein, die selber weder die Ehe noch den Geweihten- oder Ordensstand leben.
Romantische Idee? - Schau dir doch mal die heutige Zeit an, besonders diejenigen, die kirchenfern sind. Da gibt es doch fast nur eine Ehe auf Zeit, Lebensabschnittsgefährten....
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Reinhard » Freitag 14. August 2015, 13:08

offertorium hat geschrieben:Dir darf ich Gespräche mit Menschen empfehlen, die ihre Ehe als Berufung verstehen.
Selbstgespräche ...?? . :breitgrins: .

Dafür, dass Du mich nicht kennst, traust Du Dir doch erstaunlich schnelle Ratschläge zu. :)

Tatsächlich ist diese Berufungsfrage, einschließlich meiner Ehe, jetzt die letzten 3 Jahren mein Thema in den ignatianischen Exerzitien.
Abgesehen davon, dass ich bereits ± 1985-1990 die Frage der Berufung und Ehe sehr gründlich für mich geklärt hatte ...

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Reinhard
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Reinhard » Freitag 14. August 2015, 13:15

Raphaela hat geschrieben:Romantische Idee? - Schau dir doch mal die heutige Zeit an, besonders diejenigen, die kirchenfern sind. Da gibt es doch fast nur eine Ehe auf Zeit, Lebensabschnittsgefährten....
Ich weiß es ... :traurigtaps: - und ich hoffe sehr auf entscheidende Anstöße aus der Synode im Herbst.

Aber hier war die Idee der "ehelichen" Treue von Berufungen nicht von Kirchenfernen aufgebracht worden, sondern von Frommen.
Und auf dem Hintergrund roch mir das dann doch allzusehr nach jener Romantik, die nicht aus dem echten Leben erwachsen ist.

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Juergen
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Juergen » Freitag 14. August 2015, 13:24

Es gibt Berufungen zum Ordensstand;
es gibt Berufungen zum Eremitentum;
es gibt Berufungen zum Priester;
es gibt Berufungen zum Eheleben;
es gibt Berufungen zum …


All diese Berufungen, und viele weitere, sind eigenständig. Sie sind nicht vergleichbar, selbst dann nicht, wenn es in der konkreten Ausgestaltung Ähnlichkeiten gibt.
Gruß
Jürgen

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Siard » Freitag 14. August 2015, 16:16

Reinhard hat geschrieben:In dieser Form eine Parallele zur Ehe zu ziehen, scheint mir ohnehin vor allem die romantische Idee von Leuten zu sein, die selber weder die Ehe noch den Geweihten- oder Ordensstand leben.

Klar spielen solche Parallelen in der persönlichen Gottesbeziehung eine Rolle, insbesondere bei geweihten Jungfrauen. (die übrigens in der "Welt" leben ! :blinker: )

Aber mit dem Ordensstand an sich hat es nichts zu tun.
(Mir gegenüber haben Ordensangehörige vor allem immer wieder auf die Parallele zwischen Ehe und Kloster hingwiesen in dem Sinne, dass man aus beiden nicht nicht wieder raus kommt und deshalb lernt, sich zu arrangieren. Ganz praktisch also.)
Eine Parallele zwischen Ordensleben und Ehe (Beziehung) zu ziehen halte ich für sehr wohl berechtigt – aber ganz sicher nicht in dem Sinne des klein gesetzten Textes. Schon deshalb, weil es ganz und gar nicht stimmt, daß man aus dem Ordensleben nicht hinauskommt (jedenfalls nicht, solange man kein Priester ist).

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umusungu
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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Freitag 14. August 2015, 21:06

umusungu hat geschrieben:Das ist ein sehr interessanter Gedanke!
Fast alle unsere Ordensgemeinschaften haben das Prinzip der Lebensdauer - im Grundsatz und im Ziel.

Schaue ich in die Welt, so sehe ich auch andere Konzepte. Im Buddhismus gibt es viele Beispiele der religiösen Bildung und Formung durch ein "Klosterleben auf Zeit". Ich glaube, in Thailand haben viele junge Leute ein Jahr in einem Kloster verbracht.

Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben (Noviziat).
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen (1. Profeß) - und danach wenn es Dir gefallen hat noch ein Jahr (2. Profeß).

Wenn Du entdeckt haben solltest, dass dieses Leben für Dich das richtige ist, darfst Du Dich für immer an unsere Gemeinschaft binden - wenn wir dem zustimmen.
Ich lade noch einmal ein, über einen neuen Gedanken nachzudenken - und dann zu diskutieren.

Vielleicht erleichtert diese Schreibweise das Nachdenken:
Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben.
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen - und danach, wenn es Dir gefallen hat, noch ein Jahr.

Ziel wäre also nicht eine lebenslange Bindung - sondern eine religiöse Formung und ein gebundenes religiöses Leben auf Zeit.
Daraus könnten sich bestimmt zahlreiche Bindungen auf Lebenszeit entwickeln.
"Ein freiwilliges religiöses Jahr" - in Anlehnung an das FSJ.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Siard » Freitag 14. August 2015, 21:08

umusungu hat geschrieben:Ich lade noch einmal ein, über einen neuen Gedanken nachzudenken - und dann zu diskutieren.

Vielleicht erleichtert diese Schreibweise das Nachdenken:
Warum könnte ein Benediktiner-Kloster nicht sagen:
ich lade Dich ein, ein Jahr mit uns zu leben.
Danach kannst du deinen Weg gehen - oder auch noch ein Jahr anhängen - und danach, wenn es Dir gefallen hat, noch ein Jahr.

Ziel wäre also nicht eine lebenslange Bindung - sondern eine religiöse Formung und ein gebundenes religiöses Leben auf Zeit.
Daraus könnten sich bestimmt zahlreiche Bindungen auf Lebenszeit entwickeln.
"Ein freiwilliges religiöses Jahr" - in Anlehnung an das FSJ.
Auch ich lade noch einmal ein, über meine Aussage nachzudenken:
Das geht schon jetzt.
Allerdings stellt sich die nicht unwichtige Frage, wer das bezahlt.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Freitag 14. August 2015, 21:14

umusungu hat geschrieben: Daraus könnten sich bestimmt zahlreiche Bindungen auf Lebenszeit entwickeln.
Welche tatsächlichen Hinweise gibt es darauf, dass die unverbindlichen Formen gute Chancen liefern, lebenslange Verbindlichkeiten zu erzeugen? Siard hat zurecht darauf hingewiesen, dass die Verbindlichkeit in einem Kloster mit den Jahren steigt. Du möchtest bewusst mit Formulierungen arbeiten, die Menschen anziehen, die keinerlei Verbindlichkeit wollen. Da sehe ich keine Chancen.
Zuletzt geändert von offertorium am Freitag 14. August 2015, 21:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Siard » Freitag 14. August 2015, 21:18

Es geht m. E. Umu nicht um lebenslängliche Verbindlichkeit sondern um Bindungen. Die Idee ist nicht so schlecht, aber birgt auch diverse Probleme.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von Reinhard » Freitag 14. August 2015, 21:38

offertorium hat geschrieben:Welche tatsächlichen Hinweise gibt es darauf, dass die unverbindlichen Formen gute Chancen liefern, lebenslange Verbindlichkeiten zu erzeugen?
Eine Bindung für ein Jahr ist ja nun nicht unverbindlich !

Auch bei dem Beispiel, das ich vorgestellt habe, ist das "Commitment" alles andere als unverbindlich. Es beinhaltet die Ev. Räte, und noch ein bisschen mehr. Und das bei mehrheitlich jungen Leuten um die 20 !

Was in unbedingt Anspruch auf lebenslange Bindung hat, ist die Nachfolge Christi, wo und wie immer ER den Einzelnen auch führt.
Ich kann Dir nur sagen: bei den Gemeinschaften, die ich im Blick habe, wächst diese Lebensbindung durchweg bei allen. Ganz egal, in welcher Form die Profess nun gehandhabt wird.

Wie Jürgen es oben auch noch einmal betont hat: die einzelnen Berufungen sind durchaus unterschiedlich und vielfältig.
Das Gemeinsame (und Entscheidende !) ist die Treue der Christusnachfolge.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Freitag 14. August 2015, 21:41

Siard hat geschrieben:Auch ich lade noch einmal ein, über meine Aussage nachzudenken:
Das geht schon jetzt.
Allerdings stellt sich die nicht unwichtige Frage, wer das bezahlt.
Diese Frage stellt sich jetzt und hier überhaupt nicht.

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von umusungu » Freitag 14. August 2015, 21:44

offertorium hat geschrieben:Welche tatsächlichen Hinweise gibt es darauf, dass die unverbindlichen Formen gute Chancen liefern, lebenslange Verbindlichkeiten zu erzeugen?
drücke ich mich sooo ungenau aus, oder wollt ihr nicht verstehen?
Ein Jahr in Verbindlichkeit leben!

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Re: Bruder auf Zeit

Beitrag von offertorium » Freitag 14. August 2015, 21:56

umusungu hat geschrieben: drücke ich mich sooo ungenau aus, oder wollt ihr nicht verstehen?
Ein Jahr in Verbindlichkeit leben!
Wo siehst Du den genauen Unterschied zur jetzigen Situation? Ein Noviziat bietet die Möglichkeit, ein Jahr lang zu prüfen, ob die Lebensform passt. Die zeitlichen Gelübde eine weitere Möglichkeit, sich zu prüfen. Viele Gemeinschaften verlängern auch das Noviziat, wenn es dem Einzelfall angemessen ist. Für mich bieten die klassischen Gemeinschaften einen Weg, die Verbindlichkeit zu konkretisieren und wachsen zu lassen. Bei Deinem Modell wirkt es so, als sollten beliebige Jahre auf der gleichen Stufe der Verbindlichkeit verbleiben. Darin sehe ich keinen wirklichen Mehrwert.

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