Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

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Lacrimosa
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Lacrimosa » Montag 7. September 2015, 13:14

HeGe hat geschrieben:
Lacrimosa hat geschrieben:Ich will noch einmal auf den Kontext verweisen. Es ging um Pastoraltheologe Wollbold und einem Ideal, das von einem väterlichen Priesterbild ausgeht, dessen Autorität die Kinder Gottes demütig anerkennen sollen. Weder das Streben habe ich in Frage gestellt, noch die einhundertprozentige Erfüllung eines Ideals habe ich gefordert. Ich habe darüber nachgedacht, dass dies ein einseitiges Bild sein könnte, angesichts einer pluralistischen Gesellschaft von heute, die sich mit Hierarchien schwertut. Overkott hat das dann auch noch einmal anhand derer Personen verfeinert, die Jesus vorgefunden hatte.
Wollbold kritisiert doch gerade die Einseitigkeit, die heute vorherrscht, wo das früher primär väterliche Priesterbild völlig zugunsten der "Brüderlichkeit" und "Mütterlichkeit" aufgegeben wird. Insofern fordert er genau die Vielseitigkeit, die du auch gerne haben möchtest, wenn er dafür plädiert, hier nicht das sprichwörtliche Kind mit dem Bad auszuschütten und in andere Extreme umzuschlagen.

Die Ablehnung des "Väterlichen" im hergebrachten Sinn ist aber kein singulär kirchliches Problem, da ist dir recht zu geben und eine gewisse pastorale Klugheit und Reaktion in der Form der Verkündigung ist sicher notwendig. Aber man muss diese Konzepte auch immer auf ihre Wirksamkeit prüfen und bislang scheint mir der angepasst-einfühlsame Priester noch nicht so sehr der immense Erfolg zu sein.
Wie dem auch sei, von einer Vielseitigkeit lese ich in dem Artikel nichts. Und sooo wahninnig interessiert mich dieser Wollbold jetzt auch wieder nicht, aber hier noch einmal ein Zitat:

Das Plädoyer für das Vaterbild des Priesters endete mit der Feststellung, dass hier das Vorbild entscheidend sei, nämlich: „Priester, die mit allen Fasern ihrer Existenz geistliche Väter sind, und Gläubige, die die Demut aufbringen, als Kinder Gottes vertrauensvoll ihre Autorität im Namen des Herrn anzuerkennen, wertzuschätzen und sie so zu tragen und zu stützen.“
Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann. (Khalil Gibran)

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overkott
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von overkott » Montag 7. September 2015, 23:14

Lacrimosa hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
Lacrimosa hat geschrieben:Wichtig in diesem Zusammenhang ist wohl die Erkenntnis, dass sich die Formel „kraft seines Amtes“ qualitativ verändert hat. Es kommt heute sehr darauf an, wie das Amt mit jesuanischen Werten ausgefüllt wird. „Priester, die mit allen Fasern ihrer Existenz geistliche Väter“ sein sollen, wie es der Pastoraltheologe Wollbold in seinem Artikel fordert, ist ein Ideal, das weit über das hinaus geht, was „früher“ ausreichte, um „kraft seines Amtes“ als väterliche Respektsperson zu gelten.

Und wenn Gläubige als Kinder Gottes die Autorität der Priester anerkennen sollen, wie er weiter fordert, gilt erst recht, dass sich zukünftige Priestergenerationen an den eigenen Werten messen lassen müssen. Die Menschen sind anspruchsvoller oder verwöhnter oder gesättigter geworden, je nachdem. Erst dann wird der Begriff „Autorität“ im Sinne des Glaubens unmissverständlich und ist von der „bösen Hierarchie“ verschieden. Hierarchie ist ja per se nicht schlecht, wenn sie sinnvoll, menschenfreundlich und wohlwollend genutzt wird.
Dass Priester idealerweise das leben sollten, was sie im Auftrag der Kirche lehren, ist glaube ich unstreitig. Aber auch Priester sind Menschen, also wird dieses Ideal wohl nie erreicht werden können. Menschen, die das verlangen und Priester für ihre eventuellen Verfehlungen verantwortlich machen, schwingen sich zum Richter auf und unterscheiden nicht ausreichend die Botschaft vom Boten. Wenn die Gesellschaft sich Normen oder moralische Werte nur von Menschen übermitteln lässt, die diese Norm selber zu 100 % leben, sind wir im Nihilismus angekommen.
Jedoch kommt die Botschaft nicht an, wenn der Bote nicht überzeugt. Es ist Wollbold, der das Ideal vom väterlichen Priester überzeichnet, war mein Eindruck.
Das Priesterbild des Bruders in Christus entspricht jedenfalls den Selbstverständnis des Herrn.
Zuletzt geändert von HeGe am Dienstag 8. September 2015, 11:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Sinnlose Bemerkung entfernt.

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Maurus
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Maurus » Freitag 11. September 2015, 17:28

Für meine Begriffe ist für viele der Priester weder Vater, noch Mutter, noch Bruder. Er ist - zumindest, wenn er Pfarrer ist - halt der Chef der Kirche am Ort und damit verantwortlich dafür, dass der ganze Apparat funktioniert. Egal wie. Und klar, für jeden soll er ein gutes Wort im Gepäck haben, aber bitte mit der gebotenen Distanz. Er ist also - um in der Analogie zu bleiben - eher so eine Art Onkel.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Freitag 25. März 2016, 23:03

Kennt sich jemand mit Erfurt aus? Studium und Priesterseminar.
Wie sind die so drauf? Haben die eine bestimmte Strömung/Richtung? Wie sind die so theologisch?
Danke für Eure Antworten :)

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Juergen
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Juergen » Freitag 25. März 2016, 23:15

SIMONBLN hat geschrieben:Kennt sich jemand mit Erfurt aus? Studium und Priesterseminar.
Wie sind die so drauf? Haben die eine bestimmte Strömung/Richtung? Wie sind die so theologisch?
Danke für Eure Antworten :)
Einiges läuft dort in Kooperation mit anderen Bistümern (unter anderem auch PB).
Gruß
Jürgen

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offertorium
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von offertorium » Sonnabend 26. März 2016, 07:32

Ich befürchte, in der Realität unserer Kirche ist der Priester vor allem ein Pfarreiverwalter. Es gibt so viele Priester, die liebend gerne wieder ihren seelsorgerischen Tätigkeiten nachgehen würden, aber kaum Zeit haben, weil sich auf ihren Schreibtischen Berge von Akten und Verwaltungsarbeit stapelt.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Sonnabend 26. März 2016, 09:15

Aber ein Priester muss doch nicht auch zwingend alle Gaben besitzen die es gibt. *g*
Jeder Mensch hat doch andere Gaben vom heiligen Geist geschenkt bekommen, die für die Gemeinschaft sind.
Ehrlich gesagt finde ich das nicht grade förderlich, wenn man als Priester die Sakramente verwalten will und Seelsorger sein will, aber man eher die Verwaltung für Mammutpastoraleinheiten stemmen muss.
So verschwindet doch dann auch eine Vielfalt innerhalb der Priesterschaft...
Was ich wirklich als Augenwischerei empfinde ist, dass die Kirche nicht einfach ehrlich ist und sagt: Wir haben immer weniger Gläubige und erst Recht immer weniger Priester und deshalb legen wir Gemeinden zusammen.
Wie Banken, die kleinere Filialen zu machen und anstatt von Sparmaßnahmen reden, von Arbeitsplatzverdichtung. Und das dann noch als Vorteil für die Kunden verkaufen wollen :vogel:
Wenn es innerhalb der deutschen Katholiken keine große Vielfalt mehr gibt, kann man dann überhaupt noch von katholisch sprechen?
Naja das ist ein anderes Thema...

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Maternus87 » Sonnabend 26. März 2016, 10:45

Kaum zu glauben: Trotz Priestermangel sind im Aargau fünf Geistliche arbeitslos
http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/ba ... -130158650

:auweia:

Ich kenne den einen oder anderen Fall, "arbeitrloser" Priester. Normalerweise erklärt sich das, was aber wohl in der Häufung recht ungewöhnlich ist. Allerdings fragt sich, warum dann nicht anderen Diözesen diese Herren gerne bei sich beschäftigten - und sie zumindestens erst einmal anschauten!?

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Vir Probatus » Sonnabend 26. März 2016, 17:27

offertorium hat geschrieben:Ich befürchte, in der Realität unserer Kirche ist der Priester vor allem ein Pfarreiverwalter. Es gibt so viele Priester, die liebend gerne wieder ihren seelsorgerischen Tätigkeiten nachgehen würden, aber kaum Zeit haben, weil sich auf ihren Schreibtischen Berge von Akten und Verwaltungsarbeit stapelt.
Um es konkret zu sagen: Er ist primär ein Immobilien- und Vermögensverwalter mit der Lizenz zur Sakramentenspendung.
Wir sind Gourmets des Geistes, wir Intellektuellen: Wir lieben es, zum Frühstück ein Kolumbus-Ei zu pellen!

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von umusungu » Sonnabend 26. März 2016, 17:44

Vir Probatus hat geschrieben:
offertorium hat geschrieben:Ich befürchte, in der Realität unserer Kirche ist der Priester vor allem ein Pfarreiverwalter. Es gibt so viele Priester, die liebend gerne wieder ihren seelsorgerischen Tätigkeiten nachgehen würden, aber kaum Zeit haben, weil sich auf ihren Schreibtischen Berge von Akten und Verwaltungsarbeit stapelt.
Um es konkret zu sagen: Er ist primär ein Immobilien- und Vermögensverwalter mit der Lizenz zur Sakramentenspendung.
dann hat er die Pfarrei schlecht organisiert und seinem Kirchenvorstand hat er de facto keine Kompetenzen eingeräumt.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Montag 28. März 2016, 22:31

Ganz ehrlich? Zölibat beispielsweise würde mich gar nicht mal abschrecken.
Mich schreckt eher die Vorstellung ab, einen riesen pastoralen Raum verwalten zu müssen und in dieser Gesellschaft immer gleich als Pedo da zustehen und sich rechtfertigen zu müssen...
Zumindest in Berlin kann man froh sein, dass es keine Steinigungen oder der gleichen gibt, die Menschen würden Christen gegenüber davon gerne Gebrauch machen...
Obwohl die Kirche gar keinen direkten Einfluss mehr auf die Menschen hat tun die immer so, als ob die Kirche deren größter Feind ist.
Schade, dass es in Berlin nicht möglich ist, Theologie zu studieren...

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Selina
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Selina » Montag 28. März 2016, 22:56

SIMONBLN hat geschrieben: Schade, dass es in Berlin nicht möglich ist, Theologie zu studieren...
Es gibt aber viele andere schöne Städte, in denen das möglich ist. ;) Warum muss es unbedingt Berlin sein?
"Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verzwängung ins Ich hinein." (Papst Benedikt XVI.)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Montag 28. März 2016, 23:15

Naja...Umzug und und und ist ja schon arg teuer wenn man ganz woanders hin geht.
Und für dieses Bistum um dann eingesetzt zu werden, wäre es Erfurt...Ob das so toll ist *g*.
Ich meine ja auch nur theoretisch...

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Selina
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Selina » Montag 28. März 2016, 23:40

Naja, die meisten Studenten, die ich kenne und kannte, sahen es als einen der Vorteile des Studiums, in eine andere Stadt zu kommen. ;)

Und wo man dann eingesetzt wird...
Ein Ex-Kommilitone von mir stammt ursprünglich aus Husum und sitzt heute in einer kleinen oberbayerischen Pfarrei.
Die Wege des Herrn und so. ;D
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Hubertus
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Hubertus » Dienstag 29. März 2016, 00:23

SIMONBLN hat geschrieben:Ganz ehrlich? Zölibat beispielsweise würde mich gar nicht mal abschrecken.
Das reicht nicht. Das hält oft nicht.
Wenn Du nicht den Zölibat als die Dir eigene Lebensform ansiehst, nach der es drängt, zu der Du Dich berufen fühlst, dann kann man da leider erst mal nur eine negative Prognose stellen.
Glaub mir, ich weiß worüber ich schreibe. Ich kenne bzw. kannte auch einige Priester, deren Scheitern ich mitbekommen habe. Aus unterschiedlichen Gründen, fast immer jedoch am Zölibat.
Nimm die Frage nicht auf die leichte Schulter.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 03:02

Es sind ja nur hypothetische Fragen :-)
Naja...
Das "Problematischere" daran, wäre wirklich komplett auf sexuelle Bedürfnisse zu verzichten. Aber ich denke, dass man das üben kann. Und ich denke, mit dem Alter lässt das ja auch nochmal nach*g*.
Ich liebe Gesellschaft um mich rum und Gemeinschaft.
Ich liebe es aber auch alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein ohne andere Menschen. Ich finde diese Art von allein sein sehr gut. In keiner Liebesbeziehung mit einen Menschen zu stehen stört mich jedenfalls nicht im geringsten;).
Dadurch hat man eine große Freiheit.
Wie gesagt, da finde ich die anderen aufgezählten Dinge viel gravierender...

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von taddeo » Dienstag 29. März 2016, 09:13

SIMONBLN hat geschrieben:Das "Problematischere" daran, wäre wirklich komplett auf sexuelle Bedürfnisse zu verzichten. Aber ich denke, dass man das üben kann. Und ich denke, mit dem Alter lässt das ja auch nochmal nach*g*.
Wenn Du Dich da mal nicht gewaltig täuschst. Was hilft es Dir, daß "das ja auch nochmal nachläßt", wenn Du das erst im Rentenalter erlebst? Es muß schon zum Zeitpunkt der Weihe ein "Habitus" sein, sonst funktioniert es garantiert nicht.
SIMONBLN hat geschrieben:Ich liebe Gesellschaft um mich rum und Gemeinschaft.
Ich liebe es aber auch alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein ohne andere Menschen. Ich finde diese Art von allein sein sehr gut. In keiner Liebesbeziehung mit einen Menschen zu stehen stört mich jedenfalls nicht im geringsten;).
Dadurch hat man eine große Freiheit.
Gerade die menschliche Vereinsamung ist aber bei den Priestern heute das allergrößte Problem, und deswegen (nicht so sehr wegen sexueller Bedürfnisse) flüchten viele über kurz oder lang in die Arme einer Frau (oder auch eines Mannes). Früher, als noch praktisch jeder Priester in einem Haushalt mit einer Pfarrhaushälterin (und oft weiteren Priestern) lebte, war das nicht so ausgeprägt wie heute.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Pirmin » Dienstag 29. März 2016, 09:40

taddeo hat geschrieben:
SIMONBLN hat geschrieben:Das "Problematischere" daran, wäre wirklich komplett auf sexuelle Bedürfnisse zu verzichten. Aber ich denke, dass man das üben kann. Und ich denke, mit dem Alter lässt das ja auch nochmal nach*g*.
Wenn Du Dich da mal nicht gewaltig täuschst. Was hilft es Dir, daß "das ja auch nochmal nachläßt", wenn Du das erst im Rentenalter erlebst? Es muß schon zum Zeitpunkt der Weihe ein "Habitus" sein, sonst funktioniert es garantiert nicht.
SIMONBLN hat geschrieben:Ich liebe Gesellschaft um mich rum und Gemeinschaft.
Ich liebe es aber auch alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein ohne andere Menschen. Ich finde diese Art von allein sein sehr gut. In keiner Liebesbeziehung mit einen Menschen zu stehen stört mich jedenfalls nicht im geringsten;).
Dadurch hat man eine große Freiheit.
Gerade die menschliche Vereinsamung ist aber bei den Priestern heute das allergrößte Problem, und deswegen (nicht so sehr wegen sexueller Bedürfnisse) flüchten viele über kurz oder lang in die Arme einer Frau (oder auch eines Mannes). Früher, als noch praktisch jeder Priester in einem Haushalt mit einer Pfarrhaushälterin (und oft weiteren Priestern) lebte, war das nicht so ausgeprägt wie heute.
Dass da die (sexuell motivierte) Flucht in die Arme einer Frau oder eines Mannes gegen Einsamkeit helfen, ist ein Trugschluss, hilft nur kurzfristig, hat aber langfristige Nachwirkungen. Vermutlich sind sogenannte platonische Beziehungen das, was am ehesten befeuert oder inspiriert. Da denke ich beispielsweise an Teresa von Àvila und Johannes vom Kreuz oder Johannes Paul II. mit der polnisch-amerikanischen Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Pirmin » Dienstag 29. März 2016, 10:27

SIMONBLN hat geschrieben:In keiner Liebesbeziehung mit einen Menschen zu stehen stört mich jedenfalls nicht im geringsten;).
Dadurch hat man eine große Freiheit.
Wenn dich Liebe einschränkt, ist es keine Liebe. Aus der wahren Liebe geht die tiefe Einsicht hervor, dass man Liebesbeziehungen mit anderen Menschen geradezu eingehen muss. Denn in der Liebe sind alle Menschen verbunden. Das setzt ein tiefes Interesse an anderen Menschen voraus und bedeutet gerade nicht den Verlust der Freiheit. Verliebt in Jesus oder Gott zu sein, reicht nicht aus. Man wird abhängig von einem unbeständigen Gefühl. Durststrecken und Glaubenskrisen sind programmiert.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 10:50

Ja aber ein Habitus ist nicht genetisch vorgegeben, sondern ein Habitus wird erworben.
Insofern denke ich, dass man das lernen kann.
So wie ihr redet ist es ja grade zu unabdingbar, den Zölibat endlich aufzugeben ;).
Ich hätte auch nichts gegen.
Ich habe viele gute Freunde und zwei/drei sehr wichtige, sehr gute Freunde.
Und auch wenn ich alleine lebe, zumindest telefonieren ist jeden Tag drin :-).
Insofern stehe ich mit einigen Menschen in intensiver Beziehung zueinander.
Ich meinte mit Liebesbeziehung ein Zusammensein, eine Partnerschaft, wozu auch Sex gehört.
Das ich mich mit vielen Menschen in Liebe verbunden fühle ist was anderes.
Also wenn ich in meinem Bistum bleiben sollte kann das mit dem Einsam-sein gar nicht passieren.
Und auch woanders denke ich nicht, da ich viel zu extrovertiert bin.
Ich habe ja jetzt schon kaum Zeit allen gerecht zu werden und zu wenig Zeit mich mit denen zu treffen.
Klar, wenn man in einer WG leben könnte, dann wäre das auch gar nicht schlecht.

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von taddeo » Dienstag 29. März 2016, 10:56

SIMONBLN hat geschrieben:Ja aber ein Habitus ist nicht genetisch vorgegeben, sondern ein Habitus wird erworben.
Insofern denke ich, dass man das lernen kann.
So wie ihr redet ist es ja grade zu unabdingbar, den Zölibat endlich aufzugeben ;).
Nein, das wollte ich damit keinesfalls sagen.
Aber die Lebenshaltung des Zölibats muß einem im gewissen Sinne schon auch "liegen", man kann sie nicht "nur" lernen. Wer weiß, daß er ein gewisses Maß an sexuellen Bedürfnissen nicht hinter sich lassen kann, der wird ein Leben lang unglücklich werden mit dem Zölibat. Das kann einem aber in der Ehe genauso passieren.
Was man lernen kann und muß, ist, nach der Entscheidung für den Zölibat den Umgang damit permanent zu schulen und zB zu meiden, was einem die Einhaltung erschwert. Das ist alles andere als ein Pappenstiel.
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Pirmin » Dienstag 29. März 2016, 11:08

SIMONBLN hat geschrieben:So wie ihr redet ist es ja grade zu unabdingbar, den Zölibat endlich aufzugeben .
Ich hätte auch nichts gegen.
Nein, der Punkt ist, dass der vom Zölibat überzeugte Priester tatsächlich einen tieferen Sinn darin sieht bzw. erkennen sollte. Es ist schwierig ihn abzuschaffen, weil es damit das römisch-katholische Priestertum abschafft. Eine Ehe mit einer Frau ist jedenfalls nicht möglich. Wer so denkt, muss die Konfession wechseln. ;)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Juergen » Dienstag 29. März 2016, 13:10

SIMONBLN hat geschrieben:Naja...Umzug und und und ist ja schon arg teuer wenn man ganz woanders hin geht.
Und für dieses Bistum um dann eingesetzt zu werden, wäre es Erfurt...Ob das so toll ist *g*.
Ich meine ja auch nur theoretisch...
Früher konnten die Berliner auch in Paderborn studieren. Aber nach dem Mauerfall studieren sie m.W. in Erfurt. Es war eben nicht alles schlecht als die Mauer noch stand. :auweia: :tuete:
Gruß
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 20:17

Wie ist das Priesterseminar und das Studium in Münster so?
Kann jemand zu Münster etwas sagen?

Ja grade in der heutigen Zeit ist es mit Sicherheit schwierig...
Man wird ja schon für bekloppt gehalten, alleine wenn man katholisch ist... :breitgrins:

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Juergen » Dienstag 29. März 2016, 20:45

SIMONBLN hat geschrieben:Wie ist das Priesterseminar und das Studium in Münster so?
Kann jemand zu Münster etwas sagen?
Münster ist modern. :|
Gruß
Jürgen

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 20:58

okay.
Und wie ist das genau mit dem neokatechumenalen Weg?
Machen die dort komplett auch das Studium oder erst an ner Uni studieren und dann in ein eigenes Seminar gehen?
Irgendwie weiß ich über die fast nichts bis jetzt :)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von offertorium » Dienstag 29. März 2016, 21:16

Die haben alles in ihrem eigenen Priesterseminar. Dauert 1 Jahre die Ausbildung und ist an die jesuitische Gregoriana in Rom angebunden. Sie wollten quasi vermeiden, dass die Menschen sich während des Studiums von der Gemeinschaft entfernen, deshalb haben sie ihr eigenes Seminar installiert.

https://erzbistum-koeln.de/institutione ... usbildung/

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 22:03

Die Meinungen zu denen gehen auseinander, korrekt?

Naja danke für Eure Infos :)

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von SIMONBLN » Dienstag 29. März 2016, 22:24

Entschuldigt, wenn ich so viele Fragen stelle...
Wie ist das eigentlich mit einem Studium beispielsweise für "Ältere".
Können die das normale Studium gut schaffen oder ist es sinnvoller, dass die dann eher nach Lantershofen und co. gehen, weil dort auch die Erwachsenenbildung wahrscheinlich für "Ältere" angepasst ist?

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 29. März 2016, 22:28

SIMONBLN hat geschrieben:Wie ist das Priesterseminar und das Studium in Münster so?
Kann jemand zu Münster etwas sagen?

Ja grade in der heutigen Zeit ist es mit Sicherheit schwierig...
Man wird ja schon für bekloppt gehalten, alleine wenn man katholisch ist... :breitgrins:
Man muss nicht blöd sein, aber es erleichtert die Sache.
Wir sind Gourmets des Geistes, wir Intellektuellen: Wir lieben es, zum Frühstück ein Kolumbus-Ei zu pellen!

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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Juergen » Sonntag 17. April 2016, 17:39

Zwei Weihekandidaten stellen sich vor und zeigen, was sie schon geübt haben…

Gruß
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Re: Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Gallus » Sonntag 17. April 2016, 17:59

Juergen hat geschrieben:Zwei Weihekandidaten stellen sich vor und zeigen, was sie schon geübt haben…
Kein Grund zur Häme, es ist doch gut, dass es noch Weihekandidaten gibt.

Ich fänd's nur schön, wenn Priester in Zukunft etwas weniger vom "Suchen" und "Begleiten" ins Ungefähre und etwas mehr vom "Finden" des konkreten katholischen Glaubens und "Anleiten" zur entsprechenden Praxis sprechen würden.

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