Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Klöster, Klerus, Laienschaft. Besondere Nachfolge.

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Juergen
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Fragen zu Priesterbild/-seminar/-nachwuchs

Beitrag von Juergen » Sonnabend 18. Oktober 2003, 10:15

Gerne wird von "Priestermangel" geredet und vielfach wird versucht, diesen Mangel zu verwalten.
Dagegen erscheinen die Bemühungen um neue Berufungen oft in den Hintergrund zu treten.

Nun hat in Paderborn das neue Semester begonnen und es wurden neue Priesteramtskandidaten ins Collegium Leoninum aufgenommen.

In diesem Jahre waren es ganze acht ! Als ich ins Seminar ging (1994) waren es noch 23. Davon haben etwa zehn bis zur Weihe durchgehalten. Es bleibt zu hoffen, daß die Abfallquote derjenigen, die in diesem Jahr angefangen haben, nicht ebenso groß ist... aber das eher am Rande.

Andererseits liest man, daß im Seminar des Bischofs Krenn in St. Pölten dieses Jahr 17 Leute neu angefangen haben.

Da scheint mir doch etwas "faul" zu sein.

Der erste Blick mag auf die Ausbildungskonzepte fallen und man stellt schnell fest, daß es in St. Pölten eine "straffe" Ausbildung gibt, mit vielen, vor allem auch spirituellen "Verpflichtungen", während in Paderborn viel, sehr viel, zu viel (?) Wert auf die freie Gestaltung des Lebens gelegt wird. - Ja mehr noch, man will die Kandidaten nicht "einengen", sie sollen sich bloß nicht zu sehr auf den Priesterberuf festlegen, es wird immer wieder hinterfragt, warum jemand Priester werden will etc. Die Förderung der Berufung jener, die sich zum Eintritt entschlossen haben, und die Bestärkung in ihrem Wunsch, Priester zu werden, tritt sehr in den Hintergrund, immer mit der Begründung, daß man niemandem in der freien Entscheidung einengen will.

Kann es sein, daß gerade junge Menschen, die sich auf den Weg machen wollen, eine gewisse Sicherheit und Verbindlichkeit suchen?
Daß sie mehr Wert auf Förderung und Vertiefung der eigenen Berufung legen, als auf ein "Rumeiern" und Infragestellen?
Mag dies ein Grund sein, warum die "strengen" Seminare mehr Zulauf haben als die "liberalen"?

*Dumfug über die Bevölkerungsstärke Österreichs gelöscht*
Zuletzt geändert von Juergen am Sonnabend 18. Oktober 2003, 13:44, insgesamt 2-mal geändert.

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Sonnabend 18. Oktober 2003, 10:49

Ich würde einen gewissen "gravitativen" Effekt nicht ausschließen. Damit meine ich, dass die Diözese St. Pölten bzw. der ihr vorstehende Bischof weitum als besonders konservativ gilt und dadurch bedingt auch Kandidaten anzieht, die gar nicht aus der Diözese stammen. Ich glaube nicht, dass eine solche "Wanderbewegung" die Lösung des Problems bringt. Es kann nicht darum gehen die Priesteramtskandidaten anderer Diözesen ins eigene Seminar zu "locken", sondern dass jede Diözese entsprechend viele Berufungen hat.

Man müsste einmal schauen, wieviele der Seminaristen aus der Diözese St. Pölten sind, und wieviel von ihnen "Einwanderer". Anders gesagt: funktioniert das Konzept St. Pöltens auch für die eigene Diözese? Ich weiss es nicht, bin aber eher skeptisch.

Im übrigen gebe ich Dir aber in dem Punkt recht: eine einseitige Ausrichtung auf Wissensvermittlung wird eher zum Scheitern einer möglichen Berufung führen. Ohne persönlichen Bezug zu Christus ist der Beruf des Priesters wohl eben nur das: ein Beruf, kein Berufung. Und als Beruf zur Zeit nicht sonderlich attraktiv. In gewisser Weise gilt das auch für jeden Gläubigen. Ohne persönlichen Bezug zu Christus vertrocknet das Christentum.
Zuletzt geändert von Erich_D am Sonnabend 18. Oktober 2003, 11:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Juergen » Sonnabend 18. Oktober 2003, 11:00

HIER der entsprechende Artikel bei kath.net.
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Juergen » Sonnabend 18. Oktober 2003, 11:21

Erich Dumfarth hat geschrieben:...Im übrigen gebe ich Dir aber in dem Punkt recht: eine einseitige Ausrichtung auf Wissensvermittlung wird eher zum Scheitern einer möglichen Berufung führen. Ohne persönlichen Bezug zu Christus ist der Beruf des Priesters wohl eben nur das: ein Beruf, kein Berufung. ...
Besonders wichtig halte ich auch die Berücksichtigung der persönlichen Charismen der Kandidaten. - Leider habe ich den Eindruck, es geht der Trend zum "Einheitspriester".
Zu diesem Thema hatte ich mal ein Gespräch beim Nachmittagskaffe mit dem damaligen Präfekten des Collegium Leoninum:

...
Ich: Ich habe den Eindruck, Sie wollen hier Einheitspriester züchten.
Er: Wir brauchen Leute, die in jedem Bereich gleichermaßen eingesetzt werden können.
Ich: Damit verbiegen Sie aber die Seele der Leute, wenn Sie die spezifischen Fähigkeiten und Stärken nicht berücksichtigen. Das kann doch nicht gut gehen.
Er: Sie müssen prizipiell überall einsetzbar sein. Das ist kein verbiegen der Seele, das müssen Sie hier einfach lernen.
Ich: Kennen Sie die Brille Titan-Flex? Wenn man die noch so stark verbiegt, federt sie nach kurzer Zeit in ihre ursprüngliche Form zurück.
Er: Leute wie Titan-Flex können wir nicht gebrauchen!
...

(Auslöser des Gesprächs war eine Umfrage unter Priestern, Diakonen und Seminaristen zur Frage des "Priesterbildes" und möglichen Konsequenzen für die Ausbildung)
Gruß
Jürgen

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonnabend 18. Oktober 2003, 12:12

Ich habe den Threadtitel erweitert, da ich denke, daß auch das "Pristerbild" eine Rolle bei der Frage zur Entscheidung Priester zu werden eine Rolle spielt.

In Paderborn wurde eine Umfrage unter Geistlichen zum Thema "Priesterbild" etc. gemacht.
Die Auswertung liegt seit 1999 vor.
Hier einige ausgewählte Daten und Zahlen.

1400 Geistliche wurden angeschrieben, davon kamen etwa 1000-1100 "realistischerweise für eine Beantwortung in Frage". 316 Personen haben den Fragebogen beantwortet. 300 davon sind Priester; 16 Theologiestudenten, keiner hat angegeben Diakon zu sein.

Die Fragen und Antworten:
Wir brauchen heute Priester, die ...
Die Auswertung unterteilt in 3 Dimensionen
1. Dimension: existenzielles Zeugnis, personale Kompetenz als Grundlage; Lebenskonzept; Zielvorstellung der priesterl. Existenz
- Ausstrahlung der Person (20%)
- Fähigkeit zur Deutung der Zeichen der Zeit (16%)
- Einfühlungsvermögen (15%)
- Kommunikationsfähigkeit (12%)
- Autonomie und Durchsetzungsfähigkeit (11%)
- seelische Gesundheit (9%)
- Professionalität (9%)

2. Dimension: spirituelle Dimensionen
- Frömmigkeit, geistliches Leben (29%)
- Gottes- und Christusbeziehung (25%)
- Gebet (10%) u.a.

3. Dimension: pastorale Dimension
- Nähe zu den Menschen (19%)
- Verkündigung des Glaubens (15%)
- Liebe zu Kirche, Papst und Tradition (12%)
- Begleitung von Menschen (11%)
- Dienen (7%) u.a.

---------------------------------------
Bei meinem Entschluß, Priester zu werden, hat mich entscheidend bewegt...
- ein priesterliches Vorbild (44%)
- Erfahung in der Jugendarbeit (32%)
- Familie (18%)
- Freude am Dasein für Menschen (17%)
- Liturgie (14%)

---------------------------------------
Wenn mich jemand fragt, ob er Priester werden soll, würde ich ihm sagen...
Etwa mit gleicher Gewichtung kamen drei Punkte
- Gruppe 1: Sie äußern sich zu Wegen der Berufungsfindung
- Gruppe 2: Sie formulieren Kriterien der Eignung zum Priester
- Gruppe 3: Sie machen Aussagen über Chancen und Probleme priesterl. Lebens

---------------------------------------
Mich fasziniert / befriedigt am Priesterberuf am meisten...
1. Dimension: geistl. Aufgrag für die Menschen
- Liturgie und Sakramentenspendung (30%)
- Wegbegleitung einzelner Menschen im Leben und Glauben (17%)
- Sendung zu den Menschen / priesterl. Nähe zu ihnen (17%)
- Verkündigungauftrag (13%)

2. Dimension: weiteres
- Vielfalt der Seelsorge, Raum zu Gestaltung und Kreativität (24%)
- Ermöglichung der Begegnung von Mensch zu Mensch (15%)
- eigene Gottes- und Christusbeziehung (14%)

---------------------------------------
Mich belastet bei meinem preisterl. Dienst...
- Abhängigkeit und mangelnde Wertschätzung "von oben" (20%)
- Verwaltung als "seelsorgefremd" empfundene Tätigkeit (19%)
- problematisches Verhalten von Mitbrüdern (16%)
- Überforderung, hoher Erwartungsdruck (13%)
- Grenzen der eigenen Person, Leistungsfähigkeit (11%)
- strukturelle Perspektivlosigkeit (10%)
- Probleme mit der Glaubwürdigkeit des Priesteramtes i.d. Gesellschaft (9%)
- Einsamkeit (9%)

Auf einer Skala von 0 (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) bewerten die Priester ihre Zufriedenheit im Durchschnitt mit 7,8 Punkten.
Bei den älteren (Weihejahrgang bis 1969) mit 8,24
Bei den jüngeren (Weihejahrgang ab 1970) mit 7,46

(Quelle: Gott umarmt uns durch die Wirklichkeit. Bericht zur Priesterumfrage der Diözese Paderborn 1998. Erzbischöfliches Generalvikariat, Hauptabteilung Pastorale Dienste, Priesterfortbildung. Paderborn 1999)
Gruß
Jürgen

ivanhoe
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Re: Neue Priesteramtskandidaten / Priesterbilder

Beitrag von ivanhoe » Sonnabend 18. Oktober 2003, 13:29

Juergen hat geschrieben:- Dabei ist zu bedenken, daß die Diözese Paderborn annähend so viele Katholiken hat, wie ganz Österreich !
:shock: ???

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonnabend 18. Oktober 2003, 13:37

Na ja, sagen wir mal: Das Bistum Paderborn hat 1,8 Mio. Katholiken, Österreich in den heutigen Grenzen immer noch 6,5 Mio.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonnabend 18. Oktober 2003, 13:45

Ketelhohn hat geschrieben:Na ja, sagen wir mal: Das Bistum Paderborn hat 1,8 Mio. Katholiken, Österreich in den heutigen Grenzen immer noch 6,5 Mio.
Uiuiui,
richtig.
Gruß
Jürgen

ivanhoe
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Beitrag von ivanhoe » Sonnabend 18. Oktober 2003, 13:49

Juergen hat geschrieben:
Ketelhohn hat geschrieben:Na ja, sagen wir mal: Das Bistum Paderborn hat 1,8 Mio. Katholiken, Österreich in den heutigen Grenzen immer noch 6,5 Mio.
Uiuiui,
richtig.
die Zahlen schrumpfen eh:
http://religion.orf.at/projekt02/news/0 ... ehlung.htm

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Sonnabend 18. Oktober 2003, 14:27

Ketelhohn hat geschrieben:Na ja, sagen wir mal: Das Bistum Paderborn hat 1,8 Mio. Katholiken, Österreich in den heutigen Grenzen immer noch 6,5 Mio.
Kleine Korrektur: nach ÖSTAT hatte Österreich bei der letzten Volkszählung (2001) eine Wohnbevölkerung von 8.032.926 Personen. Davon waren 5.917.274 katholisch (5.915.421 römisch-katholisch, 1.089 griechisch-katholisch, 266 armenisch-katholisch, 283 syrisch-katholisch u. noch einige andere mehr).
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Sonnabend 18. Oktober 2003, 15:46

Na ja, kein Wunder: meine Zahl entstammt dem Annuarium statisticum Ecclesiae von 1984.
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josef
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Beitrag von josef » Montag 20. Oktober 2003, 10:05

Hallo Jürgen,

Juergen hat geschrieben: "Priestermangel"

Nun hat in Paderborn das neue Semester begonnen und es wurden neue Priesteramtskandidaten ins Collegium Leoninum aufgenommen...

In diesem Jahre waren es ganze acht ...

Andererseits liest man, daß im Seminar des Bischofs Krenn in St. Pölten dieses Jahr 17 Leute neu angefangen haben.

Da scheint mir doch etwas "faul" zu sein.
Genau beobachtet.

Betrachte Holland...die Schweiz.
In ganz Europa ist an den Seminaren was faul.

Jürgen hat geschrieben: Kann es sein, daß gerade junge Menschen, die sich auf den Weg machen wollen, eine gewisse Sicherheit und Verbindlichkeit suchen?
Daß sie mehr Wert auf Förderung und Vertiefung der eigenen Berufung legen, als auf ein "Rumeiern" und Infragestellen?
Mag dies ein Grund sein, warum die "strengen" Seminare mehr Zulauf haben als die "liberalen"?
Das ist zu kurz gedacht - vom menschlichen Standpunkt her betrachtet.

Du übersiehst,
daß der HEILIGE GEIST der Leiter und Lenker der Christenheit ist,
und daß ER es ist, DER jungen Menschen eingibt ein Seminar SEINER Wahl aufzusuchen.

In Seminare die der HEILIGE GEIST nicht für gut befindet, sendet ER auch keine Jünger JESU hin.
Seminare die der HEILIGE GEIST für gut befindet, läßt ER gedeihen.

Muß doch zu denken geben.

Und ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.



Gruß
josef

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Beitrag von josef » Montag 20. Oktober 2003, 10:19

Hallo Juergen,

Juergen hat geschrieben: In Paderborn wurde eine Umfrage unter Geistlichen zum Thema "Priesterbild" etc. gemacht.
...
316 Personen haben den Fragebogen beantwortet. 300 davon sind Priester; 16 Theologiestudenten, keiner hat angegeben Diakon zu sein.

Die Auswertung liegt seit 1999 vor...
Was mir an der zititerten Auswertung auffällt:

Dem Gehorsam zum HEILIGEN GEIST und zum Papst wird keine Bedeutung beigemessen.

Spielen die Eingebungen und Erleuchtungen die der HEILIGE GEIST eingibt, bei den hochwürdigen Herren keine Rolle?

Ist es ihnen nicht klar, daß nur und allein der HEILIGE GEIST weiß was der Jünger JESU sinnvollerweise zu tun und zu sagen hat.



Gruß
josef

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Montag 20. Oktober 2003, 10:51

josef hat geschrieben:...Du übersiehst,
daß der HEILIGE GEIST der Leiter und Lenker der Christenheit ist,
und daß ER es ist, DER jungen Menschen eingibt ein Seminar SEINER Wahl aufzusuchen. ...
Bist Du da sicher ? :roll:

Ich will mal erzählen, wie ich ins Paderborner Seminar gelangt bis:
Irgendwann wuchs der Wunsch, Priester zu werden. Nunja, dazu fehlte mir noch eins: das Abitur. Also habe ich dies erstmal "nebenbei" auf Abendschule nachgeholt.
Als das unter "Dach und Fach" war, wußte ich noch nicht wie es dann weiter geht. Ich wußte zwar, daß meine Gemeinde zu der Diözese Paderborn gehört, aber die Stadt hatte ich irgendwann einmal besucht, mehr wußte ich davon nicht, geschweige denn, daß es dort ein Seminar gibt etc.
Also bin ich erstmal zu meinem Heimatpfarrer hingegangen und habe mit ihm über meinen Wunsch gesprochen. Der hat dann das notwendige in die Wege geleitet: einen Termin beim Direktor gemacht, und ist schließlich mit mir nach Paderborn gefahren.
Ich wurde beim Direktor vorstellig, hatte ein längeres Gespräch mit ihm. Der hat mir die notwendigen Formalitäten erklärt. Dann habe ich meine "Papiere" eingereicht und bin zum sog. "Vorkurs" wieder angereist und dann ins Konvikt eingezogen.

Da war nichts mit "Auswahl eines Seminars" oder ähnliches. Es war einfach so, daß man als Paderborner natürlich in Paderborn studiert, natürlich ins Paderborner Seminar (Konvikt) geht, natürlich an der Paderborner Fakultät studiert etc.
Später erst habe ich erfahren, daß es auch andere Wege gegeben hätte geben können.

Ich muß dazu sagen, daß mein Heimatpfarrer auch noch aus einer "anderen Zeit" stammt. Er wurde 1957 geweiht, als es im Seminar/Konvikt noch ganz anders zuging. ....

*einiges gelöscht (Jürgen)*
Zuletzt geändert von Juergen am Montag 20. Oktober 2003, 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Juergen » Montag 20. Oktober 2003, 11:09

josef hat geschrieben:Was mir an der zititerten Auswertung auffällt:

Dem Gehorsam zum HEILIGEN GEIST und zum Papst wird keine Bedeutung beigemessen.

Spielen die Eingebungen und Erleuchtungen die der HEILIGE GEIST eingibt, bei den hochwürdigen Herren keine Rolle?

Ist es ihnen nicht klar, daß nur und allein der HEILIGE GEIST weiß was der Jünger JESU sinnvollerweise zu tun und zu sagen hat.
Noch ein paar weitere Daten/Zahlen aus der Studie

In schwierigen Zeit hat mir geholfen...
- Gebet (42%)
- Freunde, Freundinnen, Bekannte (38%)
- Mitbrüder (32%)
- Gottvertrauen, Glaube (14%)
- Eucharistie (15%)
- Exerzitien, Meditation, geistl. Übungen (11%)
- Gemeinde (10%)
- Priestergemeinschaften, geistl. Gemeinschaften (10%)


Es wäre für die Lebensform des heutigen Priesters hilfreich, wenn...
Folgende Wünsche wurden geäußert:
der Wunsch...
- nach der Vita Communis als Lebensform (25%)
- an die Mitbrüder nach einem mitbrüderlichen, menschl. Umgang (17%)
- nach praxisnaher past. Kompetenz durch Aus- und Fortbildung (12%)
- die Zulassungsbedingungen zum priesterl. Amt zu überdenken (12%)
- nach geistl. Austausch mit Mitbrüdern (10%)
- einer qualitativ hochstehenden priesterl. Lebenskultur mit den entspr. Kompetenzen z. Lebensbewältigung (10%)
- ferner: zahlreiche Wünsche an das Bistum bzgl. Verbesserungen(Ruhestandsregelungen, Haushälterinnen (10%); strukt. Überforderung (8%); fachl. Unterstützung (7%); Verbesserung von Personaleinsatz u. -führung (5%); Verbesserung des Kommunikationsstils (5%))


Angenommen, die Gestalt des Priesterberufs stünde gänzlich zur Disposition: Was müßte sich unbedingt ändern?
Zu dieser Frage haben 12% gar nichts geschrieben, weitere 6% haben "weiss nicht" geschrieben; 5% antworteten mit "nichts".
Inhaltlich gab es bei den übrigen eine Reihe von Ansätzen
- zur Diskussion des Plichtzölibats (28%) -- die Palette der Antworten reichte von: "Muß auf jeden Fall aufgehoben werden" bis zur "Darf auf keinen Fall aufgehoben werden, selbst wenn sich alles andere ändert")
- Forderung nach Entlastung von Verwaltungsaufgaben um "mehr Seelsorger sin zu können" (19%)
- Forderung nach latenteilendem, synodalem, mitbrüderlichen Umgang unter Berücksichtigung der Verantwortung der Laien (13%)
- Forderung nach stärkerer geistl. Prägung (10%)
- zu Diskussison des Priestertums der Frau: ja - nein (10%)
- zur Forderung naach Abbau priesterl. Selbstbezugs (8%)
- zur Diskussion um die Viri Probati (8%)


Angenommen, die Gestalt des Priesterberufs stünde gänzlich zur Disposition: Was dürfte sich auf keinen Fall ändern?
Hier haben knapp 25% gar nicht geantwortet.
Sonst:
- geistliche Profil priesterl. Lebens (19%)
- Zölibat (17%)
- verschiedene Akzente i.d. Grundstuktur des Priesteramtes (14% -- Weihepriestertum, Sukzession, Priesterweihe nur für Männer etc.)
- priesterliche Handlungen u. Ausdrucksformen wie Brevier, Beichte, tägl. Eucharistie (ohne Prozentangabe)
- das Dasein für Menschen (8%)
- gute und umfassende Ausbildung (6%)
Gruß
Jürgen

ivanhoe
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Beitrag von ivanhoe » Montag 20. Oktober 2003, 12:21

josef hat geschrieben:Betrachte Holland...die Schweiz.
In ganz Europa ist an den Seminaren was faul.
nö. so viel ich weiß, hat Europa mehr als nur die 2 Länder, oder? :wink:
josef hat geschrieben:In Seminare die der HEILIGE GEIST nicht für gut befindet, sendet ER auch keine Jünger JESU hin.
Seminare die der HEILIGE GEIST für gut befindet, läßt ER gedeihen.
diese Logik ist einfach und nüchtern.
josef hat geschrieben:Muß doch zu denken geben.
stimmt, aber nicht dort, wo sich der Heiliger Geist verabschiedet hat. Dort ist man nicht fähig zu denken.
josef hat geschrieben:Und ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.
Gruß
josef
genau. :mrgreen:

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Montag 20. Oktober 2003, 12:25

Noch etwas zur Ausbildung, Seminarleben etc.

Hier noch ein paar persönliche Eindrücke, die man sicher nicht verallgemeinern kann und sicher die nicht auf andere Seminare übertragbar sind.
Sie sollen nur eine Art Hinweis sein, wie das Leben im Seminar sein kann, denn ich denke, viele werden kaum wissen, was die Seminaristen im Seminar machen....
Die Eindrücke stammen aus der Zeit 1994-1999 im Collegium Leoninum (Leokonvikt) in Paderborn (der Einfachheit halber schreibe ich immer "Seminar").

Das Leben im Seminar war in sog. Wohngruppen (WG) eingeteilt. Die Studenten eines Semesters bildeten - je nach Größe - ein bis zwei WGs zu je 6 - 10 Studenten.
In diesesn WGs fand das Frühstück und Abendbrot statt. Das Mittagessen fand gemeinsam mit allen Studenten im Speisesaal statt. Jede WG hatte eine eigene WG-Küche/Gruppenraum.
Zudem gab es verpflichtend einen sog. WG-Abend mit einem Priester, der einen geistl. Schwerpunkt im wöchentlichen WG-Leben bilden sollte.
Weiterhin waren in der Woche 2x werktags sowie sonntags (sofern man im Haus war) eine Messe verpflichtend; am Donnerstagabend eine Komplet mit Punkta (geistl. Impuls des Spirituals) mit anschließendem Silentium verpflichtend.

Die weitere Gestaltung des geistl. Lebens war frei. Es konnten die tägl. Messen im Seminar, der Schwesternkapelle oder auch in der Stadt besucht werden. Jeder Student konnte auch geistl. Gemeinschaften beitreten etc. Zumdem sollte jeder Student einen sog. "geistl. Begleiter" (Priester der Wahl) haben, mit dem er regelmäßig über sein geistl. Leben reden sollte.

Soweit hört sich das alles sehr gut an.
Doch was wären solche Eindrücken ohne ein "ABER".

Und dieses "Aber" liegt auch im System begründet:
Durch das Leben im Seminar "schmoren" die Studenten im "eigenen Saft". Damit will ich ausdrücken, daß es nur wenig Kontakt zur Außenwelt gab. Jeder konnte zwar seine Freizeit frei gestalten, aber die wenigsten taten dies. In den Semesterferien standen verschiedene Praktika an, so daß auch diese Zeit "verplant" war.
Die Gespräche kreisten nur um sich selbst und um "das Haus", dies führt(e) zu einer gewissen "Gruppendynamik", die nicht immer sehr förderlich war. Jeder beäugt(e) jeder: : Was tut der andere? Wie lebt er? Und selbst, wer dies nicht wollte, kam kaum darum, dies zu tun, um auch "mitreden zu können". Und diese Erkenntnisse wurden dann Thema der Gespräche mit und über die Mitstudenten.
Geistl. Gespräche außerhalb der Pflichtveranstaltungen (WG-Gespräch) fanden kaum statt.
"Auffälligkeiten" oder (falsche) "Eindrücke" wurden zudem gerne auch dem Direktor mitgeteilt etc.
Das führe dazu, daß man sich vielleicht anders gab, wie man war, um so einen "guten Eindruck" (bei den Mitstudenten) zu hinterlassen.

Dies alles führte nicht selten zu solchen Belastungen, daß die Studenten für ihr Studium kaum noch Energie aufwenden konnten. Der "Ablenkungsfakor" war extrem hoch. Bei der Frage "Studiere ich oder schätze ich mit anderen?" gewann oft die zweite Alternative.

Ich halte vor allem das WG-System für schädlich. Würden im Seminar Studenten unterschiedlicher Semester Tür an Tür wohnen, so wäre schon viel gewonnen, da die Interessen und Probleme (auch Studientechnische) ganz andere; jüngere könnten von älteren Lernen; die "Gruppenzwänge" würden abgebaut.

Aus diesen Erkenntnissen würde ich heute jemandem, der mich fragt, was er tun soll, um Priester zu werden, raten, daß er ersteinmal "frei" Theologie studieren soll und sich dann - sei es nach dem Studium oder gegen Ende des Studiums - im Seminar bewerben soll. - Diese Meinung teile ich mit einer Reihe von Priestern, die ich noch aus dem Studium kenne und die das Leben im Seminar/Konvikt ähnlich erlebt haben.
Der von mir vorgeschlagene Weg wird zwar für den Studenten zur Folge haben, daß er ein Jahrespraktikum (zur Berufungsklärung, wie es offiziell heißt) durchführen mit. Aber besser ein Jahr Praktikum, als 5 Jahre Konvikt.


Dies soll keine "Abrechnung" mit der Seminarzeit sein, sondern nur der Versuch, die persönlichen Eindrücke zu schildern und mögliche Probleme aufzuzeigen. Die Zeit war auch in mancher Hinsicht eine schöne Zeit.
Gruß
Jürgen

josef
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Beitrag von josef » Montag 20. Oktober 2003, 12:37

Hallo Jürgen,
Juergen hat geschrieben:
josef hat geschrieben:...Du übersiehst,
daß der HEILIGE GEIST der Leiter und Lenker der Christenheit ist,
und daß ER es ist, DER jungen Menschen eingibt ein Seminar SEINER Wahl aufzusuchen. ...
Bist Du da sicher ?
...
Da war nichts mit "Auswahl eines Seminars" oder ähnliches. Es war einfach so, daß man als Paderborner natürlich in Paderborn studiert, natürlich ins Paderborner Seminar (Konvikt) geht, natürlich an der Paderborner Fakultät studiert etc.
Später erst habe ich erfahren, daß es auch andere Wege gegeben hätte geben können.
Nicht Du hast ausgewählt, der HEILIGE GEIST hat ausgewählt.

Oft merken wir erst im Nachhinein und viel später was Alles ER wegen uns gefügt hat.



Gruß
josef

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Beitrag von Juergen » Montag 20. Oktober 2003, 12:44

josef hat geschrieben:Hallo Jürgen,...
Nicht Du hast ausgewählt, der HEILIGE GEIST hat ausgewählt.
Naja,
nahezu alle Seminaristen gehen in das Seminar ihrer eigenen Diözese. Dann wirkt der Hl. Geist also schon bei der Geburt, oder der Wahl des Wohnortes der Eltern etc. Und das alles um eine Person in ein bestimmtes Seminar zu bringen.
Gruß
Jürgen

josef
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Beitrag von josef » Montag 20. Oktober 2003, 13:12

Hallo Jürgen,
Juergen hat geschrieben:
josef hat geschrieben:Nicht Du hast ausgewählt, der HEILIGE GEIST hat ausgewählt.
Naja,
nahezu alle Seminaristen gehen in das Seminar ihrer eigenen Diözese. Dann wirkt der Hl. Geist also schon bei der Geburt, oder der Wahl des Wohnortes der Eltern etc. Und das alles um eine Person in ein bestimmtes Seminar zu bringen.
Siehst Du zu eng.

- Erstmal sieht SICH der HEILIGE GEIST den Menschen an.
Ob er wohl Lust hat, ein Jünger JESU zu werden und ob er als Hirte der Christenheit tätig werden will.

- Dann - neben anderen Überlegungen - ob er zum Hirtenamt geeignet ist.

- Dann gibt der HEILIGE GEIST dem jungen Menschen zB. ein, doch mal Ministrant zu werden.

- Dann stellt sich allmählich heraus, wie sich der Mensch entwickelt.

Bedenke bitte:
GOTT zwingt niemand - der Mensch muß schon selbst wollen ein Diener GOTTES zu werden.

Wo der Seminarist tätig wird, ist dem HEILIGEN GEIST unwichtig.
Wichtiger ist IHM ,ob und in wie weit ER Gehorsam findet.
...Was sich der Seminarist von den Vorstellungen die der HEILIGE GEIST hegt,
zueigen macht und verwirklicht - und was nicht.


Ein perfektes Verfahren, bei dem der Mensch nicht überfordert
und in seiner Entwicklung, weg von der Sünde nicht behindert wird.

Wer sich vom HEILIGEN GEIST fördern lassen will, wird gefördert.
Wer nicht, wird zu nichts gezwungen.



Gruß
josef

ivanhoe
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Beitrag von ivanhoe » Montag 20. Oktober 2003, 13:20

josef, es sieht so aus, als ob wir hier an einem Pfingstler-Gottesdienst teilnehmen würden...? :wink:

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Raphael
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Beitrag von Raphael » Montag 20. Oktober 2003, 16:07

@ ivanhoe
ivanhoe hat geschrieben:josef, es sieht so aus, als ob wir hier an einem Pfingstler-Gottesdienst teilnehmen würden...? :wink:
Der HEILIGE GEIST läß sich nicht auf die Pfingstler-Gemeinden beschränken! :lol:
(Dies ist nicht ironisch gemeint, auch wenn es so verstanden werden könnte.)

GsJC
Raphael
Sprachphilosophie ist Theologie für den weltlichen Bereich!

Cicero
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Beitrag von Cicero » Montag 20. Oktober 2003, 21:12

Hallo Jürgen!

Dein Bericht über die Zeit im Konvikt deckt sich mit dem, was die meisten Theologiestudenten über ihre Zeit im Konvikt sagen.

Ich sehe noch einen weiteren Aspekt: Der (scheinbare) Schutz, den das Konvikt und später das Seminar bieten, ist ein sehr zweischneidiges Schwert.

Wie Du schon beschrieben hast "kochte" alles im eigenen Saft.
Dazu kommt noch, daß das Leben im Konvikt zu weit von der Wirklichkeit stattfindet, in der die jungen Priester sich dann später zurechtfinden müssen.

Kurz gesagt, die wissen nicht was ein Pfund Brot kostet.
Die jungen Priesteramtskandidaten nehmen nicht wirkliche Probleme wahr, sondern primär "Haus-"gemachte.

josef
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Wenn doch nur die katholische Kirche Pfingstkirche wäre !

Beitrag von josef » Dienstag 21. Oktober 2003, 11:03

Hallo Ivanhoe,
ivanhoe hat geschrieben:josef, es sieht so aus, als ob wir hier an einem Pfingstler-Gottesdienst teilnehmen würden...? :wink:
Die Katholische Kirche wird Pfingstkirche oder sie wird zugrunde gehen!

Der HEILIGE GEIST ist der Leiter, Lenker und Führer der Kirche JESU CHRISTI.

Wer nicht wahrhaben will, daß dem HEILIGEN GEIST Gehorsam zusteht,
und IHM nicht gehorchen will, der wird die wahre Kirche CHRISTI über kurz oder lang verlassen müssen.

Ist die Botschaft, die der HEILIGE GEIST durch das 2. Vatikanische Konzil der Christenheit zukommen läßt.



Gruß
josef

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Beitrag von josef » Dienstag 21. Oktober 2003, 11:26

Hallo Cicero,
Cicero hat geschrieben: Der (scheinbare) Schutz, den das Konvikt und später das Seminar bieten, ist ein sehr zweischneidiges Schwert.
...
Dazu kommt noch, daß das Leben im Konvikt zu weit von der Wirklichkeit stattfindet, in der die jungen Priester sich dann später zurechtfinden müssen.

Kurz gesagt, die wissen nicht was ein Pfund Brot kostet.
Die jungen Priesteramtskandidaten nehmen nicht wirkliche Probleme wahr, sondern primär "Haus-"gemachte.
Ich behaupte:
Eine gute und weise Vorkehrung des HEILIGEN GEISTES.

Wie denn das?
Muß der Hirte die Welt nicht kennen um mit Erfolg tätig zu sein?

Nein - solange der junge Hirte sich im Klaren ist, daß ihm die Welt fremd ist.

JESUS hat in Lukas 12,12 SEINE Jünger belehrt:

·12 "denn der HEILIGE GEIST wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt."

Der HEILIGE GEIST weiß besser als alle Menschen in ihrer Weltweisheit, was zu sagen und zu tun ist.
Was eine Vorbereitung durch Studien nicht entwertet.



Gruß
josef

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Dienstag 21. Oktober 2003, 11:33

Cicero hat geschrieben:...Kurz gesagt, die wissen nicht was ein Pfund Brot kostet.
...
Ja, ich habe Leute kennengelernt, die vor "vollem Kühlschrank verhungern" würden. Zuhause hat "Mama" alles gemacht, im Seminar die Seminarküche.
Auf das Problem angespochen meinten sie ernsthaft: "Es ist eh' billiger jeden Tag essen zu gehen, als sich selbst was zu kochen."
Gruß
Jürgen

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Dienstag 21. Oktober 2003, 11:37

josef hat geschrieben:...Muß der Hirte die Welt nicht kennen um mit Erfolg tätig zu sein?

Nein - solange der junge Hirte sich im Klaren ist, daß ihm die Welt fremd ist.
Bei den wöchentlichen Punkta hat mal der Spitual gesagt: Ein guter Priester hat in der einen Hand die Bibel in der anderen die Tageszeitung.

Damit wollte er zum Ausdruck bringen, daß die Priester in die Welt gesandt werden und die Welt und die Probleme in der Welt auch kennen müssen (Tageszeitung), freilich ohne ihre Grundlagen (Bibel) zu vergessen.
Gruß
Jürgen

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Dienstag 21. Oktober 2003, 12:45

Juergen hat geschrieben:
josef hat geschrieben:...Muß der Hirte die Welt nicht kennen um mit Erfolg tätig zu sein?

Nein - solange der junge Hirte sich im Klaren ist, daß ihm die Welt fremd ist.
Bei den wöchentlichen Punkta hat mal der Spitual gesagt: Ein guter Priester hat in der einen Hand die Bibel in der anderen die Tageszeitung.

Damit wollte er zum Ausdruck bringen, daß die Priester in die Welt gesandt werden und die Welt und die Probleme in der Welt auch kennen müssen (Tageszeitung), freilich ohne ihre Grundlagen (Bibel) zu vergessen.
Das hat er von Karl Barth geklaut, der sinngemäß - wenn ich mich recht entsinne - mal gesagt haben soll, der Christ hätte zwei tägliche Pflichtlektüren: 1) die Bibel, 2) die Tageszeitung.

Nachtrag: er hat aber nicht gesagt, dass es sich dabei um BILD oder - in Österreich - die KRONENZEITUNG handeln muss.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Beitrag von Cicero » Mittwoch 22. Oktober 2003, 13:34

Juergen hat geschrieben:...
Auf das Problem angespochen meinten sie ernsthaft: "Es ist eh' billiger jeden Tag essen zu gehen, als sich selbst was zu kochen."
Genau diese Antwort ist symptomatisch, nicht nur für die Verpflegung.

Sie trifft auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens zu.
Spätestens als Vikare treffen diese jungen Herren auf Menschen, die es sich nur zu besonderen Gelegenheiten und dann auch nur, wenn sie vorher fleißig gespart haben, überhaupt leisten können, mal in ein Restaurant zu gehen.
Wie wirkt wohl eine solche, in aller Unschuld und mit völlig arglosem Gesicht, vorgetragene Aussage auf ein Mutter von vier Kindern, die jeden Pfennig dreimal umdrehen muß?

Wir waren gerade bei diesem Beispiel, es gäbe noch zahlreiche andere, an denen die Lebensfremdheit der Priesterausbildung deutlich zu Tage tritt. Ich wünschte, ich könnte den jungen Studenten und Kandidaten diese unbefangene Zeit von Herzen gönnen, aber man erweist ihnen damit einen Bärendienst.

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 22. Oktober 2003, 19:47

Cicero hat geschrieben:»Kurz gesagt, die wissen nicht was ein Pfund Brot kostet.«
Weiß ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Bin ja verheiratet.

(Mehr folgt später.)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Beitrag von Cicero » Donnerstag 23. Oktober 2003, 09:31

Ketelhohn hat geschrieben:
Cicero hat geschrieben:»Kurz gesagt, die wissen nicht was ein Pfund Brot kostet.«
Weiß ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Bin ja verheiratet.

(Mehr folgt später.)
1. Ich bin auch verheiratet
2. Ich weiß was ein Pfund Brot kostet, da ich einkaufen gehe :wink:

Die Metapher - nicht wissen was ein Pfund Brot kostet - solle für ein hohes Maß an Unselbständigkeit und Entfremdung von der Lebenswirklichkeit stehen, das leider bei vielen (nicht bei allen!) jungen Priesteramtskandidaten zu beobachten ist.

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Donnerstag 23. Oktober 2003, 10:39

Alle, die aus meinem engsten Umfeld Priester werden wollen (es sind 3), machen es so, dass sie zunächst einmal Theologie an einer noch einigermaßen vernünftigen Fakultät studieren wollen. Alle drei sind zum Studieren nach Schönstatt gegangen.

Falls ich diese Berufung noch spüren sollte, würde ich das genauso machen.

Gottes Segen,
Dirk

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