Kirchensteuer

Fragen, Antworten, Nachrichten.

Moderator: Protasius

Benutzeravatar
Sempre
Beiträge: 7837
Registriert: Sonntag 19. Juli 2009, 19:07

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonntag 8. Januar 2017, 14:52

taddeo hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Die besten Zeiten überhaupt für Menschen auf Erden waren unter der Allianz zwischen Kirche und Staat in Europa. Ca. 200 Feiertage im Jahr und Stress nur dort, wo Terroristen (aka Ketzer) "die Gesellschaft verändern" wollten, oder Feinde von außen zu bekämpfen waren.
Für so eine Aussage braucht es ein immenses Maß an historischer Ahnungslosigkeit (falls sie ernst gemeint sein sollte) - oder an brutalstmöglichem Zynismus (falls sie ironisch gemeint sein sollte). :angewidert:
Einer wie du wäre zu diesen "besten Zeiten" schon seit langem nicht mehr am Leben, weil die "Allianz zwischen Kirche und Staat" ihn nur für seine Gesinnung längst um einen Kopf kürzer gemacht hätte.
Deine Empörung und Deine Gewaltphantasie zeigen an, dass ich aus Deiner Sicht ein Ketzer (intellektuelle Dissidenz) und eine Gefahr für "Deine Welt" bin. :D

Die Art Deiner Reaktion entspricht vermutlich Deinem falschen Bild von jener Zeit.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

Benutzeravatar
martin v. tours
Beiträge: 2656
Registriert: Sonntag 2. November 2008, 21:30

Re: Kirchensteuer

Beitrag von martin v. tours » Sonntag 8. Januar 2017, 14:53

Oder Sempre wäre bei denen gewesen, die andere um einen Kopf kürzer gemacht haben?

:guillotine:
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18147
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: Kirchensteuer

Beitrag von taddeo » Sonntag 8. Januar 2017, 14:56

martin v. tours hat geschrieben:Oder Sempre wäre bei denen gewesen, die andere um einen Kopf kürzer gemacht haben?

:guillotine:
Glaub ich eher nicht. Der hätte auch (oder gerade?) damals genügend Gründe gefunden, alle anderen Katholiken als Ketzer zu betrachten. Nur, daß die sich das damals nicht hätten gefallen lassen. ;D
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

Benutzeravatar
Sempre
Beiträge: 7837
Registriert: Sonntag 19. Juli 2009, 19:07

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonntag 15. Januar 2017, 03:22

martin v. tours hat geschrieben:Oder Sempre wäre bei denen gewesen, die andere um einen Kopf kürzer gemacht haben?

:guillotine:
Welch ein hässliches Bild! Es zeigt die Denk- und Handlungsweise derer, die die christliche Zivilisation zerstört haben. Die nach Ansage Thron und Altar gestürzt haben. Heute beschützt uns kein König und kein Papst mehr.

Das Bild zeigt das Denken von Siard und Deinesgleichen, martin v. tours, nicht aber meines.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

Tinius
Beiträge: 1698
Registriert: Sonnabend 28. Juni 2014, 00:13

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Tinius » Sonntag 15. Januar 2017, 11:15

Der letzte König, der euch "beschützt" hat war doch dieser reformierte Willy Zwo. Der hat das aber prima im Kampf gegen die französischen Katholiken hinbekommen.

Fragesteller
Beiträge: 1605
Registriert: Freitag 18. Mai 2012, 10:41

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Fragesteller » Sonntag 15. Januar 2017, 12:00

Im Felde unbesiegt. :breitgrins:

CIC_Fan
Beiträge: 4580
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: Kirchensteuer

Beitrag von CIC_Fan » Sonntag 15. Januar 2017, 13:27

gescheitert an der eigenen dummheit und Eitelkleit

Benutzeravatar
Sempre
Beiträge: 7837
Registriert: Sonntag 19. Juli 2009, 19:07

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonntag 15. Januar 2017, 13:56

Tinius hat geschrieben:Der letzte König, der euch "beschützt" hat war doch dieser reformierte Willy Zwo. Der hat das aber prima im Kampf gegen die französischen Katholiken hinbekommen.
Ich schreibe ja von Thron und Altar.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

Siard
Beiträge: 4075
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 22:31
Wohnort: Die Allzeit Getreue

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Siard » Sonntag 15. Januar 2017, 15:04

Sempre hat geschrieben:
Tinius hat geschrieben:Der letzte König, der euch "beschützt" hat war doch dieser reformierte Willy Zwo. Der hat das aber prima im Kampf gegen die französischen Katholiken hinbekommen.
Ich schreibe ja von Thron und Altar.
Die sind aber beide ziemlich herunter gekommen. Bei den Nachfahren wären die Monarchien eh untergegangen.
Sempre hat geschrieben:[Das Bild zeigt das Denken von Siard und Deinesgleichen, martin v. tours, nicht aber meines.
Das ist eine Frechheit.

Benutzeravatar
ziphen
Beiträge: 1234
Registriert: Donnerstag 26. August 2010, 18:44

Re: Kirchensteuer

Beitrag von ziphen » Donnerstag 6. April 2017, 13:09

Der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zur Kirchensteuer und zum besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe geurteilt. Die Entscheidung fiel gegen die Kläger aus.
Pressemitteilung hat geschrieben:..the European Court of Human Rights held, unanimously, that most of the complaints under Article 9 (freedom of religion) of the European Convention of Human Rights were inadmissible. In particular, this was because in these cases the taxes/fees had been levied not by the State, but by the applicants’ churches – which the applicants were free to leave under German law. As such, in most of the cases the levying and calculation of the taxes/fees had been an autonomous church activity, which could not be attributed to the German State.
However, in one case the State had been involved in levying a special church fee on an applicant who was not a member of the relevant church. This was because the fee which had been levied on the applicant’s wife had been subtracted directly from the applicant’s tax reimbursement claim by way of an off-set – therefore subjecting the applicant to his wife’s financial obligations towards her church. However, this off-set had arisen because the couple themselves had chosen to file a joint tax assessment, and it appeared that the applicant could have cancelled it by lodging a settlement notice. In these circumstances, the off-set had been a proportionate way for the State to try to rationalise the couple’s tax liabilities, which had involved no violation of the Convention.
Das Urteil ist recht kompakt.
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

Tinius
Beiträge: 1698
Registriert: Sonnabend 28. Juni 2014, 00:13

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Tinius » Freitag 7. April 2017, 12:37

So wie ich die deutschen Presseartikel zu diesem Urteil verstehe, kapiert eigentlich niemand, warum gegen den Steuerbescheid geklagt wurde.
Das Paar möchte offenbar die Vorteile des Ehegattensplittings massiv nutzen, nicht aber Kirchensteuer in korrekter Höhe entrichten.

Stellen wir uns den Heiden H. mit einem Bruttoeinkommen von jährlich 100.000 Euro vor, der die kleine Hausfrau H. mit Hascherlbeschäftigung (man ist ja unter den Leuten, wenn man in der Edelboutique ein paar Stündchen aushilft) heiratet. Sie verdient aber nur 9.000 Euro im Jahr.
Da tun sich Abgründe auf....

Benutzeravatar
ziphen
Beiträge: 1234
Registriert: Donnerstag 26. August 2010, 18:44

Re: Kirchensteuer

Beitrag von ziphen » Sonntag 9. April 2017, 11:43

Tinius hat geschrieben:
Freitag 7. April 2017, 12:37

Das Paar möchte offenbar die Vorteile des Ehegattensplittings massiv nutzen, nicht aber Kirchensteuer in korrekter Höhe entrichten.
Genau, einerseits wollen sie, dass der Staat die zwei Einkommen als ein gemeinsames Einkommen betrachtet, von dem beide leben, weil das für sie steuerlich vorteilhaft ist. Andererseits wollen sie nicht akzeptieren, dass die Kirche dies dann genauso tut.
Tinius hat geschrieben:So wie ich die deutschen Presseartikel zu diesem Urteil verstehe, kapiert eigentlich niemand, warum gegen den Steuerbescheid geklagt wurde.
Vor dem EGMR scheint diesbezüglich noch nicht geklagt worden zu sein. Dann kann man es ja mal probieren. Wenn man sich im Recht sieht, bzw. der eigene Anwalt einem dies glaubhaft versichert, dann sollte man schon versuchen auch sein Recht zu bekommen. Hier sind nun einige Parteien ein gutes Jahrzehnt durch alle Instanzen gegangen und haben eben mit ihrer Sicht auf die Dinge nicht überzeugen können. Das schafft immerhin Rechtssicherheit auch für andere.
Tinius hat geschrieben:Stellen wir uns den Heiden H. mit einem Bruttoeinkommen von jährlich 100.000 Euro vor, der die kleine Hausfrau H. mit Hascherlbeschäftigung (man ist ja unter den Leuten, wenn man in der Edelboutique ein paar Stündchen aushilft) heiratet. Sie verdient aber nur 9.000 Euro im Jahr.
Da tun sich Abgründe auf....
Die jeweiligen Beträge finden sich im Urteil. :breitgrins: Es trifft keine armen Leute.
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Sonntag 9. April 2017, 13:02

Tinius hat geschrieben:
Freitag 7. April 2017, 12:37
Stellen wir uns den Heiden H. mit einem Bruttoeinkommen von jährlich 100.000 Euro vor, der die kleine Hausfrau H. mit Hascherlbeschäftigung (man ist ja unter den Leuten, wenn man in der Edelboutique ein paar Stündchen aushilft) heiratet. Sie verdient aber nur 9.000 Euro im Jahr.
Da tun sich Abgründe auf....
Das kommt auf die Einkunftsart an. Bei Kapitaleinkünften würde in Deinem Fall der Heide H keine Kirchensteuer entrichten, bei der Hausfrau H würde die Abgeltungssteuer iHv 24,5% zzgl. der ensprechenden Kirchensteuer erhoben.

Eine andere Möglichkeit wäre es, eine Aufteilung der Steuerschuld zu beantragen
Alternativ-Beispiel
Der Ehemann gehört keiner Religion an, Ehefrau ev.
Aufteilung: Der Ehemann schuldet ESt, Soli zu 100 %. Die Ehefrau ist Alleinschuldner der ev. KiSt, da Ehemann keiner kirchensteuerberechtigten Kirche angehört.
https://www.haufe.de/steuern/kanzlei-co ... 22720.html

Vir Probatus
Beiträge: 3366
Registriert: Freitag 28. Januar 2011, 19:45
Wohnort: EB PB

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 12. April 2017, 17:51

ziphen hat geschrieben:
Sonntag 9. April 2017, 11:43
Tinius hat geschrieben:
Freitag 7. April 2017, 12:37

Das Paar möchte offenbar die Vorteile des Ehegattensplittings massiv nutzen, nicht aber Kirchensteuer in korrekter Höhe entrichten.
Genau, einerseits wollen sie, dass der Staat die zwei Einkommen als ein gemeinsames Einkommen betrachtet, von dem beide leben, weil das für sie steuerlich vorteilhaft ist. Andererseits wollen sie nicht akzeptieren, dass die Kirche dies dann genauso tut.
Tinius hat geschrieben:So wie ich die deutschen Presseartikel zu diesem Urteil verstehe, kapiert eigentlich niemand, warum gegen den Steuerbescheid geklagt wurde.
Vor dem EGMR scheint diesbezüglich noch nicht geklagt worden zu sein. Dann kann man es ja mal probieren. Wenn man sich im Recht sieht, bzw. der eigene Anwalt einem dies glaubhaft versichert, dann sollte man schon versuchen auch sein Recht zu bekommen. Hier sind nun einige Parteien ein gutes Jahrzehnt durch alle Instanzen gegangen und haben eben mit ihrer Sicht auf die Dinge nicht überzeugen können. Das schafft immerhin Rechtssicherheit auch für andere.
Tinius hat geschrieben:Stellen wir uns den Heiden H. mit einem Bruttoeinkommen von jährlich 100.000 Euro vor, der die kleine Hausfrau H. mit Hascherlbeschäftigung (man ist ja unter den Leuten, wenn man in der Edelboutique ein paar Stündchen aushilft) heiratet. Sie verdient aber nur 9.000 Euro im Jahr.
Da tun sich Abgründe auf....
Die jeweiligen Beträge finden sich im Urteil. :breitgrins: Es trifft keine armen Leute.
Und weil es keine armen Leute trifft, ist es so Ordnung?
Wir sind Gourmets des Geistes, wir Intellektuellen: Wir lieben es, zum Frühstück ein Kolumbus-Ei zu pellen!

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 13. April 2017, 07:52

Die Einnahmen der Kirchen sprudeln wie nie

Wohin man auch schaut: Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer. Seit 2009 ein Anstieg um 155 Mio € auf jetzt 877 Mio €. Aber auch andere Bistümer erzielen hohe Zuwächse:
Das Bistum Trier erwartet 2017 steigende Steuereinnahmen: von 311 auf 317 Millionen Euro, verkündete aber trotzdem eine gewaltige Spar-Reform mit der Fusion von 900 Pfarreien zu 35 Großpfarreien.
Besonders üppig ist die Finanzlage im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Es erwartet ein kräftiges Plus von 598 auf 642 Millionen Euro. Das Erzbistum Freiburg kalkuliert für 2017 mit rund 504 Millionen Euro beispiellos sprudelnder Steuereinnahmen (Vorjahr: 494 Millionen) und rechnet optimistisch weit in die Zukunft: Bis 2021 dürften die Steuereinnahmen laut der Prognose stetig weiter steigen.
Da könnte man doch auch einmal über eine Senkung des Kirchensteuersatzes nachdenken, oder? :breitgrins:

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21260
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Niels » Donnerstag 13. April 2017, 08:28

Was ist eigentlich mit Prof. Zapp los? Man hört gar nichts mehr. Hat er etwa aufgegeben?
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Vir Probatus
Beiträge: 3366
Registriert: Freitag 28. Januar 2011, 19:45
Wohnort: EB PB

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Vir Probatus » Donnerstag 13. April 2017, 11:58

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 07:52
Die Einnahmen der Kirchen sprudeln wie nie

Wohin man auch schaut: Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer. Seit 2009 ein Anstieg um 155 Mio € auf jetzt 877 Mio €. Aber auch andere Bistümer erzielen hohe Zuwächse:
Das Bistum Trier erwartet 2017 steigende Steuereinnahmen: von 311 auf 317 Millionen Euro, verkündete aber trotzdem eine gewaltige Spar-Reform mit der Fusion von 900 Pfarreien zu 35 Großpfarreien.
Besonders üppig ist die Finanzlage im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Es erwartet ein kräftiges Plus von 598 auf 642 Millionen Euro. Das Erzbistum Freiburg kalkuliert für 2017 mit rund 504 Millionen Euro beispiellos sprudelnder Steuereinnahmen (Vorjahr: 494 Millionen) und rechnet optimistisch weit in die Zukunft: Bis 2021 dürften die Steuereinnahmen laut der Prognose stetig weiter steigen.
Da könnte man doch auch einmal über eine Senkung des Kirchensteuersatzes nachdenken, oder? :breitgrins:
Dazu habe ich mal die DBK und mein zuständiges Ordinariat angeschrieben. Es kam unausgegorenes Zeug vom jeweiligen Pressesprecher. Der Paderborner meinte sogar zu wissen, es ginge doch nur im 26 € im Monat. Ich habe ihm dann meinen Jahressteuerbescheid geschickt und er hat nicht mehr geantwortet.
Wir sind Gourmets des Geistes, wir Intellektuellen: Wir lieben es, zum Frühstück ein Kolumbus-Ei zu pellen!

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18147
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: Kirchensteuer

Beitrag von taddeo » Donnerstag 13. April 2017, 12:20

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 07:52
Die Einnahmen der Kirchen sprudeln wie nie

Wohin man auch schaut: Rekordeinnahmen bei der Kirchensteuer. Seit 2009 ein Anstieg um 155 Mio € auf jetzt 877 Mio €. Aber auch andere Bistümer erzielen hohe Zuwächse:
Das Bistum Trier erwartet 2017 steigende Steuereinnahmen: von 311 auf 317 Millionen Euro, verkündete aber trotzdem eine gewaltige Spar-Reform mit der Fusion von 900 Pfarreien zu 35 Großpfarreien.
Besonders üppig ist die Finanzlage im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Es erwartet ein kräftiges Plus von 598 auf 642 Millionen Euro. Das Erzbistum Freiburg kalkuliert für 2017 mit rund 504 Millionen Euro beispiellos sprudelnder Steuereinnahmen (Vorjahr: 494 Millionen) und rechnet optimistisch weit in die Zukunft: Bis 2021 dürften die Steuereinnahmen laut der Prognose stetig weiter steigen.
Da könnte man doch auch einmal über eine Senkung des Kirchensteuersatzes nachdenken, oder? :breitgrins:
Das wäre prinzipiell durchaus einen Gedanken wert. (Theoretisch, natürlich.) Allerdings muß man bei diesem Thema immer wieder in Erinnerung rufen, daß etwa ein Drittel aller Katholiken in Deutschland davon überhaupt nicht betroffen wären, weil sie wegen zu geringem Einkommen ohnehin keine Kirchensteuer zahlen müssen.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

PascalBlaise
Beiträge: 665
Registriert: Donnerstag 12. November 2015, 11:44

Re: Kirchensteuer

Beitrag von PascalBlaise » Donnerstag 13. April 2017, 12:41

Es gibt aber eben auch die, die einige Hundert Euro im Jahr löhnen.
Und bei denen die Ehefrau möglicherweise eher geringe Begeisterung zeigt, die katholische Kirche zu sponsoren :pfeif:
Zumindest für mich senkt das nebenbei auch drastisch die Bereitschaft, Geld für andere gute Zwecke zu spenden, bzw. gezielt (auch kirchlichen) Organisationen etwas zukommen zu lassen.
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18147
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: Kirchensteuer

Beitrag von taddeo » Donnerstag 13. April 2017, 13:02

PascalBlaise hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 12:41
Es gibt aber eben auch die, die einige Hundert Euro im Jahr löhnen.
Das ist mir schon klar - und es ist m. W. so, daß der Großteil des Kirchensteueraufkommens von Leuten stammt, die sogar mehr als "einige Hundert Euro im Jahr löhnen", deren Kirchensteuer in die Tausende geht. Und daß die dann natürlich entweder "Ansprüche" stellen, was die Verwendung dieser Mittel betrifft, oder mittels Kirchenaustritt den Steuersatz auf 0 stellen, ist mehr als verständlich. Warum sollte man auch einen oder mehrere Nettomonatslöhne eines Facharbeiters einer Institution in den Rachen schmeißen, die nur selten das tut, warum man überhaupt Mitglied in ihr ist? Man zahlt ja auch nicht beim FCB-Fanclub Mitgliedsbeitrag, wenn der für die Löwen oder gar - horribile dictu! - für Schwarz/Gelb jubelt.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 13. April 2017, 16:20

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 12:20
Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 07:52
Da könnte man doch auch einmal über eine Senkung des Kirchensteuersatzes nachdenken, oder? :breitgrins:
Das wäre prinzipiell durchaus einen Gedanken wert. (Theoretisch, natürlich.)
In NRW wurde die Kirchensteuer schon mal von 10% auf 9% gesenkt. So theoretisch sind die Überlegungen also nicht.

Bei den hohen Einkommen sollte man allerdings auch die Möglichkeit der Kappung der Kirchensteuer erwähnen. Für mich ist es schon merkwürdig, daß - um es im Politjargon zu sagen - die starken Schultern hier entlastet werden, während den kleinen und mittleren Einkommen diese Möglichkeit nicht eingeräumt wird. Man kann mE nicht immer von "Gerechtigkeit" reden und dann bei einer wichtigen Gruppe von den allgemeinen Regeln der Steuererhebung (x% der Einkommensteuer) abweichen und hier Sondervorschriften "für Reiche" schaffen. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Benutzeravatar
ziphen
Beiträge: 1234
Registriert: Donnerstag 26. August 2010, 18:44

Re: Kirchensteuer

Beitrag von ziphen » Donnerstag 13. April 2017, 16:39

Vir Probatus hat geschrieben:
Mittwoch 12. April 2017, 17:51
ziphen hat geschrieben:
Sonntag 9. April 2017, 11:43
Die jeweiligen Beträge finden sich im Urteil. :breitgrins: Es trifft keine armen Leute.
Und weil es keine armen Leute trifft, ist es so Ordnung?
Quatsch, es ist in Ordnung, weil es rechtens ist. Und ich finde es schon beruhigend, dass eine zwei, drei Jahrzehnte lang durchgeführte Praxis mit den Grundrechten im Einklang ist, zumindest so weit es in diesen Fällen behandelt wurde. Das es aus meiner Sicht keine armen Leute getroffen hat, ist ein sich aus dem Vergleich meines Einkommens mit den aus dem Urteil ersichtlichen Einkommen ergebenes Faktum. Klar, für dich sind das arme Schlucker...
Der Paderborner meinte sogar zu wissen, es ginge doch nur im 26 € im Monat. Ich habe ihm dann meinen Jahressteuerbescheid geschickt und er hat nicht mehr geantwortet.
Wenn du :ikb_pimp: nichts mit deinem ganzen Geld anzufangen weißt, so dass du bzw. dein Steuerberater dein zu versteuerndes Einkommen so senken kann, dass du wenig Einkommenssteuer aka Dummensteuer zahlen musst, dann ist das in der Tat ein Problem. Ein Problem, das manch anderer gern hätte. Vielleicht solltest du deinen Steuerberater wechseln - evtl. auch den Bankberater.
taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 13:02
Man zahlt ja auch nicht beim FCB-Fanclub Mitgliedsbeitrag, wenn der für die Löwen oder gar - horribile dictu! - für Schwarz/Gelb jubelt.
Je suis noir/jaune? Non? ;D
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18147
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: Kirchensteuer

Beitrag von taddeo » Donnerstag 13. April 2017, 17:19

ziphen hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 16:39
Je suis noir/jaune? Non? ;D
Non. :neinfreu:
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21260
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Niels » Donnerstag 13. April 2017, 21:42

Die Beiträge, insbesondere vom Zipfelchen, waren nicht wirklich eine Antwort auf meine Frage.

Weiß jetzt jemand was von Prof. Zapp oder nicht?
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Freitag 14. April 2017, 14:44

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 13. April 2017, 21:42
Weiß jetzt jemand was von Prof. Zapp oder nicht?
Was erwartest Du denn?
Der Rechtsstreit ist entschieden und damit ist die Sache erledigt. Es ist wohl kaum zu erwarten, das ein Gericht das gesamte Kirchensteuersystem aus den Angeln hebt.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21260
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Niels » Freitag 14. April 2017, 15:02

Was ich erwarte? Ich erwarte nichts, aber hoffe schon, dass das Ganze gekippt wird.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Freitag 14. April 2017, 15:52

Niels hat geschrieben:
Freitag 14. April 2017, 15:02
Was ich erwarte? Ich erwarte nichts, aber hoffe schon, dass das Ganze gekippt wird.
Tja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber ernsthaft: Auf gerichtlichem Wege ist daran nicht mehr zu denken, nachdem die Sache ja vor wenigen Jahren höchstrichterlich entschieden wurde.

Bleibt also nur noch das Gesetzgebungsverfahren bzw. - da es sich um Länderrecht handelt - ggfs. eine Volksabstimmung.
Die Parlamente werden wohl nie für eine Abschaffung der Kirchensteuer der Kirchensteuer stimmen und eine Volksabstimmung ist in Finanzfragen meist ausgeschlossen.

Wer sollte also einer Änderung herbeiführen? Ein neuer Papst? :D

Benutzeravatar
Gallus
Beiträge: 3359
Registriert: Montag 27. Dezember 2010, 11:13
Wohnort: Erzbistum Köln

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Gallus » Sonntag 11. Juni 2017, 15:45

Heute gab es nach einer schönen Heiligen Messe noch die Ankündigung, daß unsere Orgel langsam den Geist aufgibt und dringend renoviert werden muß. Einige Frauen aus der Gemeinde haben durchaus ansehnliche und schmackhafte Kuchen gebacken, die zugunsten der Orgelrenovierung vor der Kirche verkauft werden sollten. Jemand vom Orgelbauverein stand bereit, um fachkundig Auskunft zu geben. Der Organist wäre noch bereit gewesen, das Instrument auf der Empore vorzuführen und zu erklären.

Die Resonanz war eher mäßig, viele Kuchenstücke blieben übrig und die meisten Kirchgänger sind, wie üblich, schnell aus der Kirche und zu ihren Mittagstischen geströmt. Sehr schade, gerade auch im Hinblick auf das Engagement der Aktiven in der Gemeinde.

Die eine Frage ist: Was sollte man noch tun, um auf die Leute zuzugehen? Die andere Frage ist: Woher kommt die fehlende Bereitschaft, wenigstens mal einen kleinen Betrag springen zu lassen?

Ich vermute, daß die Kirchensteuer im Hinblick auf die zweite Frage sicher eine Rolle spielt. Man zahlt übers Jahr gesehen durchaus ansehnliche Beträge, das Bistum unterhält einen riesigen Apparat damit, aber wenn vor Ort mal Investitionen nötig sind, dann soll es wieder mit Spenden aus der Gemeinde finanziert werden. Das erscheint vielen, sicher nicht ganz zu unrecht, nicht richtig.

Der wichtige Punkt ist aber für mich, daß man an so einem kleinen Beispiel sieht, wie das bürokratisierte Kirchensteuersystem das Engagement vor Ort untergräbt. Die einen sehen nicht ein, wieso sie noch mehr tun sollten, als ihre Steuer zu zahlen. Die anderen werden früher oder später, wenn ihr Engagement keine Resonanz mehr findet, die Nase voll haben. Das mag paradox klingen, aber ich glaube wirklich, ohne Kirchensteuer hätten wir ein wesentlich lebhafteres, engagierteres Gemeindeleben.

Stabilitas loci
Beiträge: 56
Registriert: Mittwoch 26. April 2017, 14:33

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Stabilitas loci » Sonntag 11. Juni 2017, 15:56

Ich denke der "Service Gedanken" wird zu groß geschrieben die Kirche war immer da, man beansprucht sie wenn man das möchte und dafür Zahlt man ja auch

Caviteño
Beiträge: 7392
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Sonntag 11. Juni 2017, 19:03

Gallus hat geschrieben:
Sonntag 11. Juni 2017, 15:45
Die eine Frage ist: Was sollte man noch tun, um auf die Leute zuzugehen? Die andere Frage ist: Woher kommt die fehlende Bereitschaft, wenigstens mal einen kleinen Betrag springen zu lassen?

Zur weiten Frage:
Ich vermute, daß die Kirchensteuer im Hinblick auf die zweite Frage sicher eine Rolle spielt. Man zahlt übers Jahr gesehen durchaus ansehnliche Beträge, das Bistum unterhält einen riesigen Apparat damit, aber wenn vor Ort mal Investitionen nötig sind, dann soll es wieder mit Spenden aus der Gemeinde finanziert werden. Das erscheint vielen, sicher nicht ganz zu unrecht, nicht richtig.
Du solltest mE auch die Auswirkung von "Limburg" nicht unterschätzen. Sie erschöpfen sich ja nicht in dem Fehlverhalten und der Ausgabenorgie eines Bischofs. Viel wichtiger ist mE, daß die deutschen Diözesen zum ersten Mal eine Vermögens- und Einkommensrechnung vorgelegt haben bzw. erstellen mußten.
Da wurde den Menschen bewußt, daß es neben dem Kirchensteuerhaushalt auch noch andere Vermögensteile gibt, die bisher nur Experten bekannt waren. Wer hatte schon einmal etwas vom "Bischöflichem Stuhl" gehört? Das wurde doch erst durch "Limburg" bekannt.

Nach den Veröffentlichungen ist die Spendenbereitschaft vieler meiner Bekannten - sofern sie überhaupt noch zur Hl. Messe gehen - auf Null gesunken, das gilt sogar für den Klingelbeutel. Sie sehen es so wie Privatleute: Wenn mein Einkommen nicht ausreicht, um Reparaturen oä zu schultern, dann muß halt das Vermögen (zumindest aber die Erträge daraus) angegriffen werden.
Wenn dann trotzdem "gebettelt" wird, gehen die "Klappen runter"; die Menschen machen "dicht" und man kann es ihnen nicht verdenken, denn "Not" ist ja nicht erkennbar.

Natürlich ist das von Dir geschilderte Ergebnis ihrer Bemühungen für die Ehrenamtlichen nicht motivierend. Aber mal ehrlich: Kuchen am Sonntag vormittag - vor dem Mittagessen ist vielleicht auch keine so besonders gute Idee.
Erschwerend kommt mE auch hinzu, daß das Vereinsleben ist vielen Gemeinden ausgestorben ist. Wo es früher noch eine attraktive Jugendarbeit (mit Meßdienern und DJK), Frauenvereine und KAB gab, ist heute Leere (jedenfalls bei uns, Meßdiener gibt es schon seit Jahren nicht mehr). Wer wundert sich da, wenn die meisten nach der aus Tradition noch besuchten Hl. Messe sofort nach Hause strömen? Man hat keine Gesprächspartner unter den 30 - 40 Messbesuchern (gestern in der Vorabendmesse) und will so schnell wie möglich "heim".

Benutzeravatar
Sempre
Beiträge: 7837
Registriert: Sonntag 19. Juli 2009, 19:07

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Freitag 16. Juni 2017, 04:06

Gallus hat geschrieben:
Sonntag 11. Juni 2017, 15:45
Heute gab es nach einer schönen Heiligen Messe noch die Ankündigung, daß unsere Orgel langsam den Geist aufgibt und dringend renoviert werden muß. Einige Frauen aus der Gemeinde haben durchaus ansehnliche und schmackhafte Kuchen gebacken, die zugunsten der Orgelrenovierung vor der Kirche verkauft werden sollten. Jemand vom Orgelbauverein stand bereit, um fachkundig Auskunft zu geben. Der Organist wäre noch bereit gewesen, das Instrument auf der Empore vorzuführen und zu erklären.

Die Resonanz war eher mäßig, viele Kuchenstücke blieben übrig und die meisten Kirchgänger sind, wie üblich, schnell aus der Kirche und zu ihren Mittagstischen geströmt. Sehr schade, gerade auch im Hinblick auf das Engagement der Aktiven in der Gemeinde.

Die eine Frage ist: Was sollte man noch tun, um auf die Leute zuzugehen? Die andere Frage ist: Woher kommt die fehlende Bereitschaft, wenigstens mal einen kleinen Betrag springen zu lassen?

Ich vermute, daß die Kirchensteuer im Hinblick auf die zweite Frage sicher eine Rolle spielt. Man zahlt übers Jahr gesehen durchaus ansehnliche Beträge, das Bistum unterhält einen riesigen Apparat damit, aber wenn vor Ort mal Investitionen nötig sind, dann soll es wieder mit Spenden aus der Gemeinde finanziert werden. Das erscheint vielen, sicher nicht ganz zu unrecht, nicht richtig.

Der wichtige Punkt ist aber für mich, daß man an so einem kleinen Beispiel sieht, wie das bürokratisierte Kirchensteuersystem das Engagement vor Ort untergräbt. Die einen sehen nicht ein, wieso sie noch mehr tun sollten, als ihre Steuer zu zahlen. Die anderen werden früher oder später, wenn ihr Engagement keine Resonanz mehr findet, die Nase voll haben. Das mag paradox klingen, aber ich glaube wirklich, ohne Kirchensteuer hätten wir ein wesentlich lebhafteres, engagierteres Gemeindeleben.
Hier in Brasilien (200 Mio. Einwohner, 64,6% Konzilskatholiken A.D. 2010) zahlt der Konzilskatholik monatlich freiwillig "dízimo" (Kirchensteuer) oder nicht. Die Höhe des Betrages bestimmt er ggf. selbst. Laut CNBB (nationale Bischofskonferenz ) ergibt das etwa R$1,00 (‎€0,27) durchschnittlich pro Jahr und Konzilskatholik, bzw. insgesamt R$130Mio (€35Mio). Das reicht natürlich nirgendwohin. Da aber Du und andere Deutsche etwa die hiesige "Priester"-Ausbildung sowie anderes mitfinanzieren, kommt man über die Runden. Das pro-Kopf-Einkommen (KKP-angeglichen) ist in Deutschland etwa 3,21 mal so hoch wie in Brasilien. Ein Deutscher würde also nach hiesigen Verhältnissen im Schnitt "gerechterweise" €0,89 pro Jahr an Kirchensteuer zahlen.

Oder auch: Die Konzilskirche in Deutschland ist ein saugender Geldsack.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

Vir Probatus
Beiträge: 3366
Registriert: Freitag 28. Januar 2011, 19:45
Wohnort: EB PB

Re: Kirchensteuer

Beitrag von Vir Probatus » Freitag 16. Juni 2017, 07:43

Und leider ist immer noch keine Hemmschwelle vorhanden, die Leute weiterhin für jedes "Nice to have" auch weiterhin um Spenden anzugehen:

Ich hatte beim Erzbistum Paderborn angemerkt, daß ich eine Spendenaktion für eine so wörtlich "Geläuteoptimierung"(= die Anschaffung weiterer Glocken) am Dom, gelinde gesagt dreist finde:

Antwort:
Sehr geehrter Herr .....!
Ein Mitarbeiter unserer Pressestelle hat mir als dem Sprecher des Domkapitels, das den Spendenaufruf verantwortet, Ihre Mail weitergeleitet.
Sie haben sich sicher gut informiert, kommen aber zu ganz anderen Einschätzungen als wir und viele andere hier in Paderborn, die das Projekt mittragen und begrüßen.
Gerade beim Thema Glocken ist eine kontroverse Diskussion erwartest und verständlich.
Ich danke für das offene Wort!

Freundliche Grüße
Joachim Göbel, Dompropst
Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung
______________________________________

Dompropst
Monsignore Joachim Göbel
Erzbischöfliches Generalvikariat
Hauptabteilung Schule und Erziehung
Domplatz 3
33098 Paderborn

Tel.: 05251 125-...
Handy: 0171 .......
E-Mail: joachim.goebel@erzbistum-paderborn.de
E-Mail: haschuleunderziehung@erzbistum-paderborn.de
Internet: www.erzbistum-paderborn.de

Diese E-Mail wurde von einem Mobile-Device (iPad) übermittelt.
Wir bekommen im Juli einen neuen Priester, einen Inder, in die Gemeinde. Der Vorgänger geht nach 12 Jahren Dienst mit 70 Jahren in den Ruhestand und zieht weg.

Das Geld, um die Wohnung zu renovieren (die Angebote lagen bei € 6000) ist angeblich nicht vorhanden. Da die Wohnung Schimmelpilz aufweist, will das auch niemand privat machen, die Handwerker hätten Schutzkleidung tragen müssen. Jetzt werden die Ministranten eingespannt. Ich finde so etwas unverantwortlich.
Wir sind Gourmets des Geistes, wir Intellektuellen: Wir lieben es, zum Frühstück ein Kolumbus-Ei zu pellen!

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste