Kirchensteuer

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Sempre
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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Freitag 6. Januar 2017, 21:26

Siard hat geschrieben:ad 1)
die unsozialen Kapitalisten werden es Dir danken.
"Die unsozialen Kapitalisten" werden mir danken, dass ich Dir im kreuzgang mitgeteilt habe, dass die breiten Massen die Schnauze von den roten und braunen sozialistischen Gesellschaftsveränderern haben? Oder was willst Du sagen?

Siard hat geschrieben:ad 2)
Es ging nicht um die Zurückweisung bestimmter Ideologien von Rechts oder Links, sondern um Dein beiseite wischen sozialer Anliegen und meinetwegen auch Gerechtigkeit. Den gerechten Lohn vorzuenthalten war, und ist noch immer eine Himmelschreiende Sünde.
Ja und? Wenn nun ein himmelschreiender Sünder jemandem den gerechten Lohn vorenthält, bin ich dann gerufen, deswegen zum Sozialist zu werden? Nein, bin ich nicht!

Siard hat geschrieben:ad 3)
Warren Buffett
Deine Reaktion spricht Bände.
Ja? Inwiefern? Trifft denn nicht zu, was ich gesagt habe?
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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umusungu
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Re: Kirchensteuer

Beitrag von umusungu » Freitag 6. Januar 2017, 21:39

Sempre hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Na und? Wer glaubt, getauft ist, die Gebote hält und noch Almosen gibt, tut das, was der Herr will.
Zwecks Schaffung allgemeiner Gerechtigkeit kommt der Herr am jüngsten Tag selbst.
Welch fromm verbrämter Zynismus........
Von den Änderungen gesellschaftlicher Verhältnisse durch die Nazis und die Internazis hat die Welt jedenfalls die Schnauze voll.
Diese Damen und Herren hatten auch nicht Gerechtigkeit im Sinn. Komm mir also nicht mit solchen blöden Sprüchen.

Solch angeblich fromme Gedanken, in Wahrheit gotteslästerliche, waren Anlass, um Religion als Opium des Volkes zu brandmarken......

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Freitag 6. Januar 2017, 22:12

umusungu hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Na und? Wer glaubt, getauft ist, die Gebote hält und noch Almosen gibt, tut das, was der Herr will.
Zwecks Schaffung allgemeiner Gerechtigkeit kommt der Herr am jüngsten Tag selbst.
Welch fromm verbrämter Zynismus........
Von den Änderungen gesellschaftlicher Verhältnisse durch die Nazis und die Internazis hat die Welt jedenfalls die Schnauze voll.
Diese Damen und Herren hatten auch nicht Gerechtigkeit im Sinn. Komm mir also nicht mit solchen blöden Sprüchen.

Solch angeblich fromme Gedanken, in Wahrheit gotteslästerliche, waren Anlass, um Religion als Opium des Volkes zu brandmarken......
:patsch: Wölki, Marx und wohl mindestens die meisten Bischöfe in D unterstützen den Merkelschen Blockflöten-Sozialismus.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von umusungu » Freitag 6. Januar 2017, 22:18

Sempre hat geschrieben:Wölki, Marx und wohl mindestens die meisten Bischöfe in D unterstützen den Merkelschen Blockflöten-Sozialismus.
ich kugel mich gerade vor Lachen - in unseren Zeiten in Deutschland irgendeine Art Sozialismus?
Oder ist der Mindestlohn für dich ein Zeichen von Sozialismus?

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Fragesteller » Sonnabend 7. Januar 2017, 01:47

Nein, aber gesetzliche Krankenversicherung, Steuern und Homo-Ehe. :narr:

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 7. Januar 2017, 01:53

umusungu hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Wölki, Marx und wohl mindestens die meisten Bischöfe in D unterstützen den Merkelschen Blockflöten-Sozialismus.
ich kugel mich gerade vor Lachen - in unseren Zeiten in Deutschland irgendeine Art Sozialismus?
Oder ist der Mindestlohn für dich ein Zeichen von Sozialismus?
Energiepolitik, Bankenrettung, Schuldensozialisierung innerhalb Europas, Mietpreisbremse - alles Zeichen einer Marktwirtschaft in D. und der EU
:D :freude: :kugel:

Auch in Blick auf das ständige Anwachsen der Staatsquote zeigt, daß man sich immer mehr Richtung "mehr Staat" oder staatlich gelenkte Wirtschaft bewegt. So lag die Staatsquote 196 bei knapp 33% und stieg bis 214 auf über 44% an:

http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... quote.html

In 196 dürfte es unstrittig gewesen, in einer "sozialen Marktwirtschaft" zu leben - heute, bei einer weitaus höheren Staatsquote, wird das bestritten. Aber wahrscheinlich will man zurück nach 1995, als mehr als jede zweite Mark durch die Hände des Staates ging und die Staatsquote bei über 55% lag. Zum Vergleich: Die Staatsquote in der Schweiz liegt bei knapp 34% und auch dort gibt es ein soziales Netz, allerdings weniger Staatseingriffe in die Wirtschaft.

BTW: Die ganzen, von Frau Merkel verursachten, Haftungsverbindlichkeiten sind natürlich noch nicht in den Zahlen enthalten - sie würden die Staatsquote signifikant erhöhen.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von CIC_Fan » Sonnabend 7. Januar 2017, 10:50

Sempre zeigt uns hier den Prototyp eines Pharisäers
aber zur kath Soziallehre sowohl Leo XIII als auch Pius XI fordern klar auch das was man heute Sozialpolitik nennt
daher ist es absolut verwerflich zu sagen Ich bin getauft und gläubig halte die Gebote (wer das von sich behauptet ist ein Pharisäer und oder eine Lachnummer) gebe almosen alles andere geht mich nichts an

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Gallus » Sonnabend 7. Januar 2017, 11:05

CIC_Fan hat geschrieben:Sempre zeigt uns hier den Prototyp eines Pharisäers
aber zur kath Soziallehre sowohl Leo XIII als auch Pius XI fordern klar auch das was man heute Sozialpolitik nennt
daher ist es absolut verwerflich zu sagen Ich bin getauft und gläubig halte die Gebote (wer das von sich behauptet ist ein Pharisäer und oder eine Lachnummer) gebe almosen alles andere geht mich nichts an
Völlig richtig. Aber ob man mit Rerum Novarum einen Wohlfahrtsstaat von unseren heutigen Ausmaßen rechtfertigen kann, das würde ich wiederum bezweifeln. Ein Kern der katholischen Soziallehre ist das Subsidiaritätsprinzip, aber von diesem redet heutzutage – auch und gerade kirchlicherseits – eigentlich niemand mehr.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 11:22

Unser Zeugen-Jehovas-Experte mit der großen Goschen meint, Leo XIII. habe Sozialismus gelehrt.

:D
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von CIC_Fan » Sonnabend 7. Januar 2017, 11:43

Gallus hat geschrieben:
CIC_Fan hat geschrieben:Sempre zeigt uns hier den Prototyp eines Pharisäers
aber zur kath Soziallehre sowohl Leo XIII als auch Pius XI fordern klar auch das was man heute Sozialpolitik nennt
daher ist es absolut verwerflich zu sagen Ich bin getauft und gläubig halte die Gebote (wer das von sich behauptet ist ein Pharisäer und oder eine Lachnummer) gebe almosen alles andere geht mich nichts an
Völlig richtig. Aber ob man mit Rerum Novarum einen Wohlfahrtsstaat von unseren heutigen Ausmaßen rechtfertigen kann, das würde ich wiederum bezweifeln. Ein Kern der katholischen Soziallehre ist das Subsidiaritätsprinzip, aber von diesem redet heutzutage – auch und gerade kirchlicherseits – eigentlich niemand mehr.
nicht in unserem heutigen ausmaße das ist klar aber es soll und muß auch staatliche Fürsorge geben
wie weit heute das Subsidiaritätsprinzio noch greifen würde ist eine andere Frage

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Raphael » Sonnabend 7. Januar 2017, 11:59

Caviteño hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Wölki, Marx und wohl mindestens die meisten Bischöfe in D unterstützen den Merkelschen Blockflöten-Sozialismus.
ich kugel mich gerade vor Lachen - in unseren Zeiten in Deutschland irgendeine Art Sozialismus?
Oder ist der Mindestlohn für dich ein Zeichen von Sozialismus?
Energiepolitik, Bankenrettung, Schuldensozialisierung innerhalb Europas, Mietpreisbremse - alles Zeichen einer Marktwirtschaft in D. und der EU
:D :freude: :kugel:

Auch in Blick auf das ständige Anwachsen der Staatsquote zeigt, daß man sich immer mehr Richtung "mehr Staat" oder staatlich gelenkte Wirtschaft bewegt. So lag die Staatsquote 196 bei knapp 33% und stieg bis 214 auf über 44% an:

http://www.bundesfinanzministerium.de/C ... quote.html

In 196 dürfte es unstrittig gewesen, in einer "sozialen Marktwirtschaft" zu leben - heute, bei einer weitaus höheren Staatsquote, wird das bestritten. Aber wahrscheinlich will man zurück nach 1995, als mehr als jede zweite Mark durch die Hände des Staates ging und die Staatsquote bei über 55% lag. Zum Vergleich: Die Staatsquote in der Schweiz liegt bei knapp 34% und auch dort gibt es ein soziales Netz, allerdings weniger Staatseingriffe in die Wirtschaft.

BTW: Die ganzen, von Frau Merkel verursachten, Haftungsverbindlichkeiten sind natürlich noch nicht in den Zahlen enthalten - sie würden die Staatsquote signifikant erhöhen.
Strikt sozialistisch ist unser derzeitiges Wirtschaftssystem wohl nicht. :hmm:
Es läuft mehr auf einen versteckten Staatskapitalismus hinaus. Die EZB im mehr oder weniger stillen Einvernehmen mit den meisten der europäischen Regierungen "steuert" die wirtschaftlichen Abläufe .........
Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Hallelujah singen!

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Gallus » Sonnabend 7. Januar 2017, 12:19

Sempre hat geschrieben:Unser Zeugen-Jehovas-Experte mit der großen Goschen meint, Leo XIII. habe Sozialismus gelehrt.

:D
Du hältst jede wohlfahrtsstaatliche Aktivität für Sozialismus?

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 12:34

Gallus hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Unser Zeugen-Jehovas-Experte mit der großen Goschen meint, Leo XIII. habe Sozialismus gelehrt.

:D
Du hältst jede wohlfahrtsstaatliche Aktivität für Sozialismus?
CIC_Fan wertet meine Ablehnung des Sozialismus als Ablehnung der Lehren Leo des XIII., womit er suggeriert, Leo habe Sozialismus gelehrt.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Gallus » Sonnabend 7. Januar 2017, 12:41

Sempre hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Unser Zeugen-Jehovas-Experte mit der großen Goschen meint, Leo XIII. habe Sozialismus gelehrt.

:D
Du hältst jede wohlfahrtsstaatliche Aktivität für Sozialismus?
CIC_Fan wertet meine Ablehnung des Sozialismus als Ablehnung der Lehren Leo des XIII., womit er suggeriert, Leo habe Sozialismus gelehrt.
Könnte auch sein, daß Ihr aneinander vorbei redet, weil Ihr Euch gegenseitig Positionen unterstellt, die Ihr gar nicht einnehmt. :achselzuck:

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Raphael » Sonnabend 7. Januar 2017, 12:50

Gallus hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Unser Zeugen-Jehovas-Experte mit der großen Goschen meint, Leo XIII. habe Sozialismus gelehrt.

:D
Du hältst jede wohlfahrtsstaatliche Aktivität für Sozialismus?
CIC_Fan wertet meine Ablehnung des Sozialismus als Ablehnung der Lehren Leo des XIII., womit er suggeriert, Leo habe Sozialismus gelehrt.
Könnte auch sein, daß Ihr aneinander vorbei redet, weil Ihr Euch gegenseitig Positionen unterstellt, die Ihr gar nicht einnehmt. :achselzuck:
CIC_Fan hatte sich schon verschiedentlich als Herz-Jesu-Sozialist geoutet! :ja:
Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Hallelujah singen!

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 7. Januar 2017, 13:28

Raphael hat geschrieben: Strikt sozialistisch ist unser derzeitiges Wirtschaftssystem wohl nicht. :hmm:
Es läuft mehr auf einen versteckten Staatskapitalismus hinaus. Die EZB im mehr oder weniger stillen Einvernehmen mit den meisten der europäischen Regierungen "steuert" die wirtschaftlichen Abläufe .........
Sicherlich ist es kein strikter Sozialmus - die "Produktionsmittel" befinden sich ja nicht in Staatshand und das Wirtschaftsleben wird nicht durch einen Plan geregelt. Andererseits habe ich auch Probleme mit dem Begriff "Staatskapitalismus", denn der Staat privatisiert doch seine wirtschaftlichen Beteiligungen, wo immer das möglich ist.

Es ist mE ein Wirtschaftssystem mit immer stärker wachsenden Staatseinfluß. Ich habe vor kurzem gelesen, der "Primat der Politik wurde nach der Wiedervereinigung auch gegenüber der Wirtschaft geltend gemacht." Man versucht durch immer engere Vorgaben (Regelungen), durch (auch negative) Anreizsysteme (z.B. Ökosteuer, Autoprämien) oder durch Belohnungen (Paradebeispiel: Holzmann-Rettung mit dem Engagement der Banken durch Schröder bei gleichzeitiger Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe :) ) die Wirtschaft zu lenken. Das ist zwar alles kein Sozialismus, aber die Bankenrettung durch den Steuerzahler, die Risikofreistellung der Inhaber von Staatsanleihen durch die EZB entsprechen auch nicht den Grundregeln einer (sozialen) Marktwirtschaft. :D Ärgerlich an diesen Vorgängen ist, daß die Politik nicht darauf hinweist, daß irgendjemand dafür bezahlt. "There is no free lunch" - man gaukelt den Menschen vor, Mindestlohn, Mietpreisbremse, Eurorettung, Abwrack- bzw. Elektroautoprämie oa seien kostenlos, weil es sich "rechnet". Das tut es nicht - einer bezahlt dafür!

Wahrscheinlich werden künftige Generationen einen passenden Begriff für unser derzeitiges Wirtschaftssystem finden - ich wüßte im Augenblick keinen.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 14:37

Caviteño hat geschrieben:Wahrscheinlich werden künftige Generationen einen passenden Begriff für unser derzeitiges Wirtschaftssystem finden - ich wüßte im Augenblick keinen.
Die von Siard oben formulierte Forderung nach Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist wohl das Hauptkennzeichen des Sozialismus. Das Wirtschaftssystem ist dabei bloß Mittel zum Zweck. Der Sozialist glaubt, die Gesellschaftsordnung verursache, was tatsächlich Folge der Erbsünde ist. Meist lehnt er auch die natürliche Ordnung ab. Deswegen muss die Gesellschaftsordnung verändert werden. Einzelheiten zu der Frage, was genau wie genau erreicht werden soll, variieren beträchtlich.
Friedrich Nietzsche hat geschrieben:Der Socialismus ist der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus, den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur je der Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmässiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll. [...] Desshalb bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort "Gerechtigkeit" wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.
Aus: Menschliches, Allzumenschliches
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Raphael » Sonnabend 7. Januar 2017, 17:18

Caviteño hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: Strikt sozialistisch ist unser derzeitiges Wirtschaftssystem wohl nicht. :hmm:
Es läuft mehr auf einen versteckten Staatskapitalismus hinaus. Die EZB im mehr oder weniger stillen Einvernehmen mit den meisten der europäischen Regierungen "steuert" die wirtschaftlichen Abläufe .........
Sicherlich ist es kein strikter Sozialmus - die "Produktionsmittel" befinden sich ja nicht in Staatshand und das Wirtschaftsleben wird nicht durch einen Plan geregelt. Andererseits habe ich auch Probleme mit dem Begriff "Staatskapitalismus", denn der Staat privatisiert doch seine wirtschaftlichen Beteiligungen, wo immer das möglich ist.

Es ist mE ein Wirtschaftssystem mit immer stärker wachsenden Staatseinfluß. Ich habe vor kurzem gelesen, der "Primat der Politik wurde nach der Wiedervereinigung auch gegenüber der Wirtschaft geltend gemacht." Man versucht durch immer engere Vorgaben (Regelungen), durch (auch negative) Anreizsysteme (z.B. Ökosteuer, Autoprämien) oder durch Belohnungen (Paradebeispiel: Holzmann-Rettung mit dem Engagement der Banken durch Schröder bei gleichzeitiger Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe :) ) die Wirtschaft zu lenken. Das ist zwar alles kein Sozialismus, aber die Bankenrettung durch den Steuerzahler, die Risikofreistellung der Inhaber von Staatsanleihen durch die EZB entsprechen auch nicht den Grundregeln einer (sozialen) Marktwirtschaft. :D Ärgerlich an diesen Vorgängen ist, daß die Politik nicht darauf hinweist, daß irgendjemand dafür bezahlt. "There is no free lunch" - man gaukelt den Menschen vor, Mindestlohn, Mietpreisbremse, Eurorettung, Abwrack- bzw. Elektroautoprämie oa seien kostenlos, weil es sich "rechnet". Das tut es nicht - einer bezahlt dafür!

Wahrscheinlich werden künftige Generationen einen passenden Begriff für unser derzeitiges Wirtschaftssystem finden - ich wüßte im Augenblick keinen.
Plutokratie kommt einer korrekten Beschreibung wohl am nächsten, wobei die jeweiligen Staaten nur einige von vielen globalen Big Playern sind.
Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Hallelujah singen!

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Fragesteller » Sonnabend 7. Januar 2017, 19:33

Sempre hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Wahrscheinlich werden künftige Generationen einen passenden Begriff für unser derzeitiges Wirtschaftssystem finden - ich wüßte im Augenblick keinen.
Die von Siard oben formulierte Forderung nach Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist wohl das Hauptkennzeichen des Sozialismus. Das Wirtschaftssystem ist dabei bloß Mittel zum Zweck. Der Sozialist glaubt, die Gesellschaftsordnung verursache, was tatsächlich Folge der Erbsünde ist. Meist lehnt er auch die natürliche Ordnung ab. Deswegen muss die Gesellschaftsordnung verändert werden. Einzelheiten zu der Frage, was genau wie genau erreicht werden soll, variieren beträchtlich.
Sicher. Unsterblichkeit ist seit jeher oberstes Ziel aller sozialistischen, sozialdemokratischen und merkelistischen Programme gewesen. :narr:

Nein, ich meine, natürlich hat die Ungerechtigkeit, die revolutionäre und sozialreformerische Programme aller Art anzugehen suchen, mit der Erbsünde zu tun. Ich sehe darin aber kein Problem: Mediziner, die den Tod hinauszuzögern und Schmerzen zu lindern suchen, Juristen, die durch gerechte Strafen und Abschreckung ein bisschen mehr moralisches Verhalten etablieren möchten - solche Leute tun auch nichts anderes, als die Folgen der Erbsünde zu lindern. Die Rolle Gottes usurpieren sie dennoch nicht, da sie (zumeist) wissen, dass sie nur einen schwachen Abglanz der Vollkommenheit erreichen können und den Rest Gott überlassen müssen (so sie an ihn glauben). Eben weil Gerechtigkeit ein Attribut Gottes ist, kann sie uns auch im Hier und Jetzt nicht egal sein - was gut ist, ist absolut und immer gut.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 21:11

Fragesteller hat geschrieben:Eben weil Gerechtigkeit ein Attribut Gottes ist, kann sie uns auch im Hier und Jetzt nicht egal sein - was gut ist, ist absolut und immer gut.
Genau. Und deswegen muss man Nazis und Internazis bekämpfen, wo es geht.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Siard » Sonnabend 7. Januar 2017, 21:36

:gaehn:

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 21:50

Siard hat geschrieben: :gaehn:
Der Herr ruft Dich, Dich selbst zu verändern, und nicht "die Gesellschaft." Coelestin hat vor zwei Seiten geschrieben, was er in diesem Sinne tut. Du meinst, das tauge nichts, die Gesellschaft müsse verändert werden. Ihr Gesellschaftsveränderer habt bis heute aber nichts als zusätzliche Pest gebracht.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von RomanesEuntDomus » Sonnabend 7. Januar 2017, 22:41

Sempre hat geschrieben:Der Herr ruft Dich, Dich selbst zu verändern, und nicht "die Gesellschaft."
Soweit vollkommen d'accord.
Sempre hat geschrieben:Ihr Gesellschaftsveränderer habt bis heute aber nichts als zusätzliche Pest gebracht.
Sehr erfreulich, daß du es jetzt auch einsiehst und dich so klar davon distanzierst. Denn kaum etwas hat in Europa so die Gesellschaft verändert und dann jahrhundertelang mit eiserner Faust geprägt wie die unheilige Allianz zwischen Kirche und weltlicher Macht, einschließlich später (evangelischerseits) das sogenannte "landesherrliche Kirchenregiment".

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Fragesteller » Sonnabend 7. Januar 2017, 22:45

Sempre hat geschrieben:
Siard hat geschrieben: :gaehn:
Der Herr ruft Dich, Dich selbst zu verändern, und nicht "die Gesellschaft." Coelestin hat vor zwei Seiten geschrieben, was er in diesem Sinne tut. Du meinst, das tauge nichts, die Gesellschaft müsse verändert werden. Ihr Gesellschaftsveränderer habt bis heute aber nichts als zusätzliche Pest gebracht.
Die liberale Leistungsgesellschaft, die du unverletzt erhalten wissen möchtest, ist doch selbst Frucht einer tiefgreifenden, nicht gewaltfreien und in mancher Hinsicht durchaus antichristlichen Gesellschaftsveränderung: der um 1789 herum. Das, was zuvor kam, ist (schreibt Romanes sehr richtig) ebenfalls Frucht jahrhundertelangen Ringens um die rechte Ordnung. Du wirst nirgends in der Geschichte eine Gesellschaft finden, für die das nicht gilt; gesellschaftliche Veränderung zu negieren, heißt Gesellschaft überhaupt zu negieren.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Fragesteller » Sonnabend 7. Januar 2017, 22:55

Sempre hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Eben weil Gerechtigkeit ein Attribut Gottes ist, kann sie uns auch im Hier und Jetzt nicht egal sein - was gut ist, ist absolut und immer gut.
Genau. Und deswegen muss man Nazis und Internazis bekämpfen, wo es geht.
Warum auf einmal so politisch? Getauft sein und die Gebote halten reicht doch?

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 23:14

Fragesteller hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
Fragesteller hat geschrieben:Eben weil Gerechtigkeit ein Attribut Gottes ist, kann sie uns auch im Hier und Jetzt nicht egal sein - was gut ist, ist absolut und immer gut.
Genau. Und deswegen muss man Nazis und Internazis bekämpfen, wo es geht.
Warum auf einmal so politisch? Getauft sein und die Gebote halten reicht doch?
Das fällt unter das Gebot der Nächstenliebe. Gegenüber den Genannten sowie gegenüber den Opfern.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 23:39

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:Der Herr ruft Dich, Dich selbst zu verändern, und nicht "die Gesellschaft."
Soweit vollkommen d'accord.
Sempre hat geschrieben:Ihr Gesellschaftsveränderer habt bis heute aber nichts als zusätzliche Pest gebracht.
Sehr erfreulich, daß du es jetzt auch einsiehst und dich so klar davon distanzierst. Denn kaum etwas hat in Europa so die Gesellschaft verändert und dann jahrhundertelang mit eiserner Faust geprägt wie die unheilige Allianz zwischen Kirche und weltlicher Macht, einschließlich später (evangelischerseits) das sogenannte "landesherrliche Kirchenregiment".
Mit eiserner Faust zwangsbeglücken Merkel, Wölki, Marx und Co. gerade deutsche Frauen mit geschenkten Menschen. Sie wollen nichts anderes als ein Kunstvolk schaffen, dass nicht mehr weiß, wie lange es schon "hier" ist.

Gegenüber dem, was (vor allem) in Europa seit der Reformation abgeht, insbesondere dann durch den sich selbst so nennenden Illuminismus, der Thron und Altar zu stürzen gekommen war, und das auch geschafft hat, verschwinden alle negativen Veränderungen, die es zuvor je gegeben haben mag.

Die besten Zeiten überhaupt für Menschen auf Erden waren unter der Allianz zwischen Kirche und Staat in Europa. Ca. 200 Feiertage im Jahr und Stress nur dort, wo Terroristen (aka Ketzer) "die Gesellschaft verändern" wollten, oder Feinde von außen zu bekämpfen waren. Am schlechtesten war dagegen das große Jahrhundert der Nazis und Internazis, und es ist vor lauter kulturellen Internazis keine Besserung in Sicht.

Das Mittelalter heißt "dunkel", weil die "Aufgeklärten" es angesichts der Blutbäder, die sie geschaffen haben, nicht sehen wollen. Deswegen wurden und werden wir gehirngewaschen.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonnabend 7. Januar 2017, 23:44

@Romanes

Die Kirche hat missioniert und die Menschen haben sich selbst verändert, was dann Auswirkungen auf die Gesellschaft hatte. Die Kirche hat aber nicht wie die Sozialexperimentellen "die Gesellschaft" nach irgendwelchen frei erdachten gottlosen Ideen mit unaufrichtigen Methoden "verändert".
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonntag 8. Januar 2017, 00:03

Fragesteller hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
Siard hat geschrieben: :gaehn:
Der Herr ruft Dich, Dich selbst zu verändern, und nicht "die Gesellschaft." Coelestin hat vor zwei Seiten geschrieben, was er in diesem Sinne tut. Du meinst, das tauge nichts, die Gesellschaft müsse verändert werden. Ihr Gesellschaftsveränderer habt bis heute aber nichts als zusätzliche Pest gebracht.
Die liberale Leistungsgesellschaft, die du unverletzt erhalten wissen möchtest, ist doch selbst Frucht einer tiefgreifenden, nicht gewaltfreien und in mancher Hinsicht durchaus antichristlichen Gesellschaftsveränderung: der um 1789 herum. Das, was zuvor kam, ist (schreibt Romanes sehr richtig) ebenfalls Frucht jahrhundertelangen Ringens um die rechte Ordnung. Du wirst nirgends in der Geschichte eine Gesellschaft finden, für die das nicht gilt; gesellschaftliche Veränderung zu negieren, heißt Gesellschaft überhaupt zu negieren.
Was willst Du mit "gesellschaftliche Veränderung negieren" sagen? Natürlich finden gesellschaftliche Veränderungen statt. Aber auch Du hast doch inzwischen mitgekriegt, dass ich gegen die Nazis und Internazis rede, die Pläne für gesellschaftliche Veränderungen entwickeln und solche durchzusetzen versuchen. Letztlich sind das christliche Sekten, die ein Himmelreich auf Erden nach ihrem Geschmack einrichten wollen. So wie Siard. Er fühlt sich offenbar gerufen die endgültige Abschaffung der Armut am besten noch heute in die endgültige Tat umzusetzen.

Beim Ringen um die rechte Ordnung haben sich Nazis und Internazis disqualifiziert. Und die Kirche hat den Sozialismus verurteilt, u.a. weil er die natürliche Ordnung missachtet.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

RomanesEuntDomus
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Re: Kirchensteuer

Beitrag von RomanesEuntDomus » Sonntag 8. Januar 2017, 10:03

Sempre hat geschrieben:Die besten Zeiten überhaupt für Menschen auf Erden waren unter der Allianz zwischen Kirche und Staat in Europa. Ca. 2 Feiertage im Jahr und Stress nur dort, wo Terroristen (aka Ketzer) "die Gesellschaft verändern" wollten, oder Feinde von außen zu bekämpfen waren. Am schlechtesten war dagegen das große Jahrhundert der Nazis und Internazis, und es ist vor lauter kulturellen Internazis keine Besserung in Sicht.
Was die Beurteilung des 19. und insbesondere des 2.Jahrhunderts mit ihren ideologisch motivierten Katastrophen und Verbrechen angeht, wirst du von mir kaum Widerspruch hören.

Allerdings fehlt mir zur rundum positiven Betrachtung der vorhergehenden Jahrhunderte ebenfalls die spezielle Ideologenbrille, über die du offensichtlich verfügst.

Wenn ich mir beispielsweise das sogenannte Schleitheimer Bekenntnis von 1527 ( https://de.wikipedia.org/wiki/Schleitheimer_Artikel ) der sogenannten Mennoniten durchlese, dann kann ich von meinem katholischen Standpunkt aus zwar Ketzer entdecken, aber selbst mit großer Mühe keine Terroristen:
... Den Mitgliedern der Täufergemeinde ist es untersagt, das Schwert zu führen und Kriegsdienst zu leisten. Sie orientieren sich am Beispiel Christi und seinem gewaltfreien Leben. ...
Die einhellige (katholische und evangelische) Reaktion des Reichstags zu Speyer 1529 habe ich gestern schon in einem anderen Strang zitiert:
Daß alle und jede Widertaeuffer und Widergetauffte, Mann- und Weibs-Personen, verstaendigs Alters, vom natürlichen Leben zum Tod, mit Feuer, Schwerdt, oder dergleichen, nach Gelegenheit der Personen, ohn vorhergehend der geistlichen Richter Inquisition, gericht und gebracht werden.
Wozu Gerichtsverhandlungen? Einfach alle umbringen, egal wie! Das war Terror. Da hätten die beiden Georgier (Stalin und Berija) bestimmt auch gerne mitgemischt.

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Sempre
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Re: Kirchensteuer

Beitrag von Sempre » Sonntag 8. Januar 2017, 12:47

@Romanes

Geistige Terroristen halt. Gesellschaftsveränderer eben. Gefährlicher als Pest und Cholera zusammen.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Kirchensteuer

Beitrag von taddeo » Sonntag 8. Januar 2017, 14:32

Sempre hat geschrieben:Die besten Zeiten überhaupt für Menschen auf Erden waren unter der Allianz zwischen Kirche und Staat in Europa. Ca. 200 Feiertage im Jahr und Stress nur dort, wo Terroristen (aka Ketzer) "die Gesellschaft verändern" wollten, oder Feinde von außen zu bekämpfen waren.
Für so eine Aussage braucht es ein immenses Maß an historischer Ahnungslosigkeit (falls sie ernst gemeint sein sollte) - oder an brutalstmöglichem Zynismus (falls sie ironisch gemeint sein sollte). :angewidert:
Einer wie du wäre zu diesen "besten Zeiten" schon seit langem nicht mehr am Leben, weil die "Allianz zwischen Kirche und Staat" ihn nur für seine Gesinnung längst um einen Kopf kürzer gemacht hätte.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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